Kon­zert­hal­le in der Nach­bar­schaft

Musik wird oft nicht schön gefun­den, weil sie stets mit Geräusch ver­bun­den. Die­ses Zitat von Wil­helm Busch denkt sich wohl auch so man­cher Nach­bar einer Ver­an­stal­tungs­hal­le – und kann u.U. auch mit Erfolg gegen den Lärm­ver­ur­sa­cher vor­ge­hen:

Kon­zert­hal­le in der Nach­bar­schaft

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt jetzt die Kla­ge des Betrei­bers der Musik­werk­statt in Neu­stadt an der Wein­stra­ße gegen den Wider­spruchs­be­scheid des Stadt­rechts­aus­schus­ses der Stadt Neu­stadt abge­wie­sen, mit dem die­ser die Bau­ge­neh­mi­gung für den Betrieb der Musik­werk­statt auf den Wider­spruch von Nach­barn auf­ge­ho­ben hat­te.

Der Klä­ger betrieb bis Ende Janu­ar 2009 in Neu­stadt in der Lache­ner Stra­ße die sog. Musik­werk­statt, einen über­ört­lich bekann­ten Ver­an­stal­tungs­ort für Live-Kon­zer­te, Mot­to­par­tys etc. Nach­dem das Gebäu­de Ende Janu­ar 2009 durch einen Brand ver­nich­tet wor­den war, such­te der Klä­ger nach einem Ersatz­stand­ort, den er in einem ehe­ma­li­gen Kaser­nen­ge­bäu­de in der­sel­ben Stra­ße fand. Das Grund­stück liegt im Gel­tungs­be­reich eines Bebau­ungs­plans, der für die­sen Bereich ein Gewer­be­ge­biet fest­setzt. Ver­gnü­gungs­stät­ten sind nicht zuge­las­sen.

Im April 2009 erhielt der Klä­ger einen Bau­schein für den Betrieb einer Gast­stät­te mit regel­mä­ßi­gen Musik­dar­bie­tun­gen auf dem neu­en Grund­stück, gegen den Nach­barn Wider­spruch ein­leg­ten, die in der Nähe eine Gerüst­bau­fir­ma betrei­ben und dort auch woh­nen. Mit Wider­spruchs­be­scheid vom 15. März 2010 hob der Stadt­rechts­aus­schuss der Stadt Neu­stadt den Bau­schein mit der Begrün­dung auf, die Musik­werk­statt sei eine Ver­gnü­gungs­stät­te und damit in einem ein­ge­schränk­ten Gewer­be­ge­biet unzu­läs­sig. Auf die­se Fest­set­zung könn­ten sich die Nach­barn beru­fen.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung den Betei­lig­ten das Ange­bot eines gericht­li­chen Media­ti­ons­ver­fah­rens unter­brei­tet. Dem woll­te jedoch nur der Klä­ger näher tre­ten. Dar­auf­hin hat das Gericht die Kla­ge des Betrei­bers der Musik­werk­statt gegen den Wider­spruchs­be­scheid abge­wie­sen: Die Musik­werk­statt stel­le nach ihrer Kon­zep­ti­on eine Ver­gnü­gungs­stät­te dar, die in die­sem Gewer­be­ge­biet unzu­läs­sig sei. Das ver­let­ze auch die Rech­te der im sel­ben Gewer­be­ge­biet ansäs­si­gen Nach­barn.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Urteil vom 23. August 2010 – 5 K 410/​10.NW