Kos­ten­bei­trag für die Betreu­ung durch eine Tages­mut­ter

Die erlas­se­ne Richt­li­nie zur Erhe­bung eines Kos­ten­bei­tra­ges für die Betreu­ung durch eine Tages­mut­ter stellt ihrem Rechts­cha­rak­ter nach ledig­lich eine nur Behör­den bin­den­de Ver­wal­tungs­vor­schrift dar. Damit fehlt es aber an einer Rechts­grund­la­ge für die Fest­set­zung der Kos­ten­bei­trä­ge gegen­über den Eltern.

Kos­ten­bei­trag für die Betreu­ung durch eine Tages­mut­ter

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück ent­schie­de­nen Rechts­streit ist die Klä­ge­rin, eine berufs­tä­ti­ge Mut­ter zwei­er grund­schul­pflich­ti­ger Kin­der und eines Kin­des im Kin­der­gar­ten­al­ter, durch Bescheid des Land­krei­ses Osna­brück zu Kos­ten­bei­trä­gen für die Betreu­ung ihrer Kin­der durch eine Tages­mut­ter her­an­ge­zo­gen wor­den. Der Land­kreis Osna­brück als Trä­ger der Kin­der- und Jugend­hil­fe hat zur ein­heit­li­chen Hand­ha­bung der Kin­der­ta­ges­pfle­ge eine für alle betei­lig­ten kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ver­bind­li­che Richt­li­nie erlas­sen und dar­in auch die Erhe­bung der Kos­ten­bei­trä­ge für die Inan­spruch­nah­me der Ein­rich­tun­gen gere­gelt. Hier­ge­gen ist Kla­ge erho­ben wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Osna­brück fehlt es an einer Rechts­grund­la­ge für die Fest­set­zung der Kos­ten­bei­trä­ge. Das Land Nie­der­sach­sen hat von der Ermäch­ti­gung, die­se Bei­trä­ge durch ein Gesetz fest­zu­le­gen, kei­nen Gebrauch gemacht. Damit fällt die­se Auf­ga­be dem Land­kreis Osna­brück als Trä­ger der Kin­der- und Jugend­hil­fe zu. Des­halb hat der Land­kreis zur ein­heit­li­chen Hand­ha­bung der Kin­der­ta­ges­pfle­ge eine für alle betei­lig­ten kreis­an­ge­hö­ri­gen Gemein­den ver­bind­li­che Richt­li­nie erlas­sen und dar­in auch die Erhe­bung der Kos­ten­bei­trä­ge für die Inan­spruch­nah­me der Ein­rich­tun­gen gere­gelt. Das aber ist unzu­läs­sig, weil bei der Anwen­dung die­ser Rege­lung die Kos­ten­pflich­ti­gen durch die öffent­li­che Hand belas­tet wer­den. Zu einer sol­chen hoheit­li­chen Inan­spruch­nah­me bedarf es eines mit­tels des inso­weit vor­ge­schrie­be­nen Ver­fah­rens zu erlas­sen­den (hier kom­mu­na­len) Geset­zes, also einer Sat­zung. Die erlas­se­ne Richt­li­nie stel­le ihrem Rechts­cha­rak­ter nach ledig­lich eine nur Behör­den bin­den­de Ver­wal­tungs­vor­schrift dar.

Selbst wenn man die vom Land­kreis Osna­brück erlas­se­ne Richt­li­nie als aus­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge für die Fest­set­zung des ange­grif­fe­nen Kos­ten­bei­tra­ges anse­hen woll­te, ver­stößt die Rege­lung gegen das aus dem Grund­ge­setz fol­gen­de Gebot der Bestimmt­heit. Danach muss die Vor­schrift so ein­deu­tig sein, dass jeder poten­ti­el­le Nut­zer einer im Kreis­ge­biet lie­gen­den Ein­rich­tung der Kin­der­ta­ges­pfle­ge klar und ein­deu­tig erken­nen kann, wel­chen Kos­ten­bei­trag er dafür auf­zu­brin­gen hat. Eine sol­che Berech­nung ist jedoch nicht mög­lich, weil der Land­kreis inso­weit schlicht auf die ent­spre­chen­den gebüh­ren­recht­li­chen Vor­schrif­ten der jeweils betrof­fe­nen Gemein­de ver­weist.

Abge­se­hen davon hat der Land­kreis den ihm bei der Bemes­sung der Kos­ten­bei­trä­ge ein­ge­räum­ten Gestal­tungs­spiel­raum ermes­sens­feh­ler­haft genutzt, weil er den Sinn und Zweck der Tages­pfle­ge nicht hin­rei­chend beach­tet hat. So erscheint die getrof­fe­ne Rege­lung zur sozia­len Staf­fe­lung der Kos­ten­bei­trä­ge, ins­be­son­de­re zum sog. Geschwis­ter­ra­batt, spe­zi­ell im Hin­blick auf das Anlie­gen, die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf zu ermög­li­chen, und die Pflicht, die Kos­ten­be­las­tung aller Betrof­fe­nen im Kreis­ge­biet gleich­mä­ßig zu gestal­ten, recht­lich bedenk­lich.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 27. Janu­ar 2012 – 4 A 185/​08