Kos­ten­er­stat­tung für die Behör­de im Ver­wal­tungs­pro­zess

Wird eine Behör­de in der münd­li­chen Ver­hand­lung durch einen Behör­den­be­diens­te­ten ver­tre­ten, kön­nen die erstat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung auch die Rei­se­kos­ten für einen wei­te­ren sach­kun­di­gen Behör­den­mit­ar­bei­ter umfas­sen, wenn ein umfang­rei­ches Streit­ver­fah­ren mit einer Viel­zahl von Rechts- und Tat­sa­chen­fra­gen zu ver­han­deln ist (hier: erst­in­stanz­li­ches Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren).

Kos­ten­er­stat­tung für die Behör­de im Ver­wal­tungs­pro­zess

Gemäß § 162 Abs. 1 VwGO erfas­sen die erstat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten die zur zweck­ent­spre­chen­den Rechts­ver­fol­gung oder Rechts­ver­tei­di­gung not­wen­di­gen Auf­wen­dun­gen der Betei­lig­ten. Die Not­wen­dig­keit einer Auf­wen­dung muss aus der Sicht einer ver­stän­di­gen Par­tei beur­teilt wer­den. Dabei ist jeder Betei­lig­te aus dem pro­zess­recht­li­chen Ver­hält­nis her­aus ver­pflich­tet, die Kos­ten so nied­rig wie mög­lich zu hal­ten 1.

Zu den erstat­tungs­fä­hi­gen Auf­wen­dun­gen gehö­ren die gel­tend gemach­ten Rei­se­kos­ten des Behör­den­mit­ar­bei­ters für die Teil­nah­me am Ter­min der münd­li­chen Ver­hand­lung. Denn der Beklag­te durf­te die Anwe­sen­heit die­ses Mit­ar­bei­ters zur För­de­rung des Ver­fah­rens in der münd­li­chen Ver­hand­lung auch unter der Beach­tung einer mög­lichst wirt­schaft­li­chen Pro­zess­füh­rung für erfor­der­lich hal­ten. Denn es han­del­te sich bei dem Ver­fah­ren um ein umfang­rei­ches erst­in­stanz­li­ches Streit­ver­fah­ren um die Recht­mä­ßig­keit eines über 1000 Sei­ten umfas­sen­den Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses, der eine Viel­zahl von teil­wei­se sehr kom­pli­zier­ten Rechts- und Tat­sa­chen­fra­gen umfass­te. Zwar war der Lei­ter des Dezer­nats Plan­fest­stel­lung für die Erstel­lung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses ver­ant­wort­lich und hat­te die not­wen­di­ge Kennt­nis der Tat­sa­chen- und der Rechts­pro­ble­me. Er durf­te aber für die Ein­zel­hei­ten des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens und des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses dar­auf ver­trau­en, dass sein Mit­ar­bei­ter als Sach­be­ar­bei­ter ihn in der münd­li­chen Ver­hand­lung ins­be­son­de­re beim Auf­fin­den der gege­be­nen­falls vom Gericht in sol­chen Ver­fah­ren übli­cher­wei­se ver­lang­ten Ein­zel­hei­ten sach­ge­recht unter­stüt­zen konn­te. Dem­ge­gen­über muss­te sich der Dezer­nats­lei­ter als ver­ant­wort­li­cher Pro­zess­ver­tre­ter jeder­zeit sei­ne vol­le Auf­merk­sam­keit dem Ver­hand­lungs­ge­sche­hen wid­men.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. August 2014 – 9 KSt 3.2014 -

  1. BVerwG, Beschlüs­se vom 03.07.2000 – 11 BVerwGt 2.99, Buch­holz 310 § 162 VwGO Nr. 35 S. 2; und vom 06.10.2009 – 4 BVerwGt 1009.07, Buch­holz 310 § 162 VwGO Nr. 47 Rn. 34[]