Kos­ten­lo­se Pass­fo­tos von der Gemein­de

Gemein­den dür­fen kos­ten­lo­se Pass­fo­tos anbie­ten. Das Ange­bot einer Gemein­de, ihren Bür­gern bei der Bean­tra­gung von Aus­weis­pa­pie­ren kos­ten­los Pass­fo­tos anzu­fer­ti­gen, ver­stößt nicht gegen Vor­schrif­ten ins­be­son­de­re der Gemein­de­ord­nung für das Land Nord­rhein-West­fa­len.

Kos­ten­lo­se Pass­fo­tos von der Gemein­de

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter ent­schie­de­nen Fall klag­te eine Fir­ma, die in der Stadt Vre­den ein Foto-Fach­ge­schäft betreibt. Dort bie­tet sie unter ande­rem Pass­bil­der an, die den Anfor­de­run­gen des bio­me­tri­schen Per­so­nal­aus­wei­ses bzw. Rei­se­pas­ses ent­spre­chen. Die beklag­te Stadt Vre­den, die für ihr Gemein­de­ge­biet die zustän­di­ge Pass- und Per­so­nal­aus­weis­be­hör­de ist, bie­tet seit 2011 an, erfor­der­li­che Pass­bil­der in ihrem Bür­ger­bü­ro durch ihre Mit­ar­bei­ter in digi­ta­ler Form kos­ten­los anzu­fer­ti­gen. Die Mit­ar­bei­ter sind ange­wie­sen, die Bil­der aus­schließ­lich für das jewei­li­ge Aus­weis­do­ku­ment zu ver­wen­den und nicht aus­zu­hän­di­gen.

Hier­ge­gen wand­te sich das Foto­ge­schäft im Wesent­li­chen mit der Begrün­dung: Der öffent­li­chen Hand sei es ver­bo­ten, über das sach­lich gebo­te­ne und ver­fas­sungs­mä­ßig zuläs­si­ge Maß hin­aus in den pri­vat­wirt­schaft­li­chen Bereich ein­zu­grei­fen. Die Stadt Vre­den han­de­le durch ihr Ange­bot kos­ten­lo­ser Pass­bil­der und die Wer­bung hier­für als Wett­be­wer­be­rin. Sie tre­te pri­vat­recht­lich auf dem­sel­ben sach­li­chen und räum­li­chen Markt auf wie die Klä­ge­rin mit ihrem Foto­ge­schäft und ande­re Pass­bilderher­stel­ler in Vre­den und Umge­bung. Die Hand­lun­gen der Stadt Vre­den sei­en auch geschäft­lich. Hier­für sei unschäd­lich, dass sie die Leis­tun­gen unent­gelt­lich anbie­te. Viel­mehr sei der Ein­griff der Stadt eine beson­ders kras­se Markt­ver­zer­rung, da sie ihre amt­li­chen Bezie­hun­gen ein­set­ze, um den Absatz der eige­nen Pro­duk­te zu stei­gern. Sie nut­ze hier­bei auch das Ver­trau­en der Bür­ger in ihre Objek­ti­vi­tät und Neu­tra­li­tät aus. Hier­bei wer­de eine markt­be­herr­schen­de Posi­ti­on geschaf­fen und Unter­neh­men wie das Foto­fach­ge­schäft der Klä­ge­rin wür­den aus dem Markt gedrängt.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on folg­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter jedoch nicht und wies die auf die Unter­las­sung des Ange­bots gerich­te­te Kla­ge ab:

Der Klä­ge­rin ste­he, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, kein Unter­las­sungs­an­spruch zu. Eine wirt­schaft­li­che Betä­ti­gung der Stadt im Sin­ne der Gemein­de­ord­nung für das Land Nord­rhein-West­fa­len durch die Her­stel­lung der Licht­bil­der sei zu ver­nei­nen. Die Stadt wer­de nicht am all­ge­mein zugäng­li­chen Markt tätig, son­dern nur als Behör­de im Rah­men eines Ver­wal­tungs­ver­fah­rens. Das Erstel­len und Ver­ar­bei­ten der Fotos kön­ne nicht los­ge­löst von der hoheit­li­chen Auf­ga­be der Stadt als Pass- bzw. Per­so­nal­aus­weis­be­hör­de betrach­tet wer­den. Viel­mehr sei das Erstel­len der Pass­bil­der ein nicht eigen­stän­dig zu bewer­ten­der Teil der Tätig­keit des Bür­ger­amts als Pass- bzw. Per­so­nal­aus­weis­be­hör­de, einer Ein­rich­tung, zu der die Gemein­de gesetz­lich ver­pflich­tet sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 8. Mai 2015 – 1 K 94/​14