Kos­ten­pflich­ti­ge Nach­hil­fe vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist unzu­läs­sig, wenn sie nicht den Anfor­de­run­gen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG ent­spre­chend begrün­det ist. Wie eine sol­che Begrün­dung aus­zu­se­hen hat, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt noch­mals einem Rechts­an­walt ins Stamm­buch geschrie­ben:

Kos­ten­pflich­ti­ge Nach­hil­fe vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

All­ge­mei­ne Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Eine sub­stan­ti­ier­te Begrün­dung erfor­dert, dass der Beschwer­de­füh­rer die Mög­lich­keit einer Ver­let­zung sei­ner Grund­rech­te oder grund­rechts­ähn­li­chen Rech­te hin­rei­chend deut­lich auf­zeigt 1. Dabei hat der Beschwer­de­füh­rer auch dar­zu­le­gen, inwie­weit das bezeich­ne­te Grund­recht durch die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me ver­letzt sein soll 2 und mit wel­chen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen die Maß­nah­me kol­li­diert (vgl. BVerfGE 108, 370 <386f.>). Rich­tet sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen eine gericht­li­che Ent­schei­dung, bedarf es in der Regel einer ins Ein­zel­ne gehen­den argu­men­ta­ti­ven Aus­ein­an­der­set­zung mit der ange­grif­fe­nen Ent­schei­dung und deren kon­kre­ter Begrün­dung 3.

In kon­kre­ten Fall hieß das: Zwar bezeich­net der Beschwer­de­füh­rer sei­ne Rech­te aus Art. 14 GG und Art. 19 Abs. 4 GG als ver­letzt. Er legt aber nicht ein­mal ansatz­wei­se dar, wes­halb die­se Rech­te unter Berück­sich­ti­gung der vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geklär­ten Maß­stä­be tat­säch­lich ver­letzt sein soll­ten. Viel­mehr beklagt der Beschwer­de­füh­rer ohne jede ver­fas­sungs­recht­li­che Wür­di­gung pau­schal einen ver­meint­li­chen Ver­fah­rens­feh­ler des Kam­mer­ge­richts und eine „den Vor­schrif­ten der Zivil­pro­zess­ord­nung zuwi­der­lau­fen­de Beweis­wür­di­gung“; hier­zu schil­dert er bruch­stück­haft und zusam­men­hang­los ein­zel­ne Zeu­gen­aus­sa­gen und rügt deren angeb­lich feh­ler­haf­te Wür­di­gung durch das Kam­mer­ge­richt, ohne auf die aus­führ­li­chen Erwä­gun­gen des Kam­mer­ge­richts ein­zu­ge­hen. Der Beschwer­de­be­grün­dung lässt sich nicht ein­mal der zugrun­de lie­gen­de Sach­ver­halt ent­neh­men. Mit dem eben­falls ange­grif­fe­nen Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs setzt der Beschwer­de­füh­rer sich über­haupt nicht aus­ein­an­der. Dies genügt den Anfor­de­run­gen an eine sub­stan­ti­ier­te Begrün­dung ersicht­lich nicht.

Miß­brauchs­ge­bühr gegen den Anwalt

Die Rech­nung für die­se Nach­hil­fe­stun­de prä­sen­tiert das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dann auch gleich und ver­hängt gegen den Rechts­an­walt (also nicht gegen den Beschwer­de­füh­rer son­dern gegen des­sen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten) eine Miß­brauchs­ge­bühr in Höhe von 300,- €.

Die Auf­er­le­gung einer Miss­brauchs­ge­bühr beruht auf § 34 Abs. 2 BVerfGG. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kann nach § 34 Abs. 2 BVerfGG eine Gebühr bis zu 2.600 € auf­er­le­gen, wenn die Ein­le­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de einen Miss­brauch dar­stellt. Ein Miss­brauch liegt vor, wenn die Ver­fas­sungs­be­schwer­de offen­sicht­lich unzu­läs­sig oder unbe­grün­det ist und ihre Ein­le­gung des­halb von jedem Ein­sich­ti­gen als völ­lig aus­sichts­los ange­se­hen wer­den muss 4, etwa bei einer – wie hier – völ­lig sub­stanz­lo­sen Ver­fas­sungs­be­schwer­de 5. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss es nicht hin­neh­men, an der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben durch erkenn­bar sub­stanz­lo­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den gehin­dert zu wer­den, wodurch ande­ren Bür­gern der ihnen zukom­men­de Grund­rechts­schutz nur ver­zö­gert gewährt wer­den kann 6.

Gera­de von einem Rechts­an­walt, der ein Man­dat zur Füh­rung eines Ver­fah­rens vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt annimmt, ist zu ver­lan­gen, dass er sich mit den Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de aus­ein­an­der­setzt, die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu den auf­ge­wor­fe­nen Fra­gen prüft, die Erfolgs­aus­sich­ten einer beab­sich­tig­ten Ver­fas­sungs­be­schwer­de ein­ge­hend abwägt und sich ent­spre­chend den Ergeb­nis­sen sei­ner Prü­fung ver­hält 7. Die­sen Anfor­de­run­gen wird das jede ver­fas­sungs­recht­li­che Sub­stanz ent­beh­ren­de Vor­brin­gen des Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten des Beschwer­de­füh­rers nicht gerecht. Dies recht­fer­tigt es, ihm die Miss­brauchs­ge­bühr auf­zu­er­le­gen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2010 – 1 BvR 2704/​10

  1. vgl. BVerfGE 6, 132, 134; 20, 323, 329 f.; 28, 17, 19; 89, 155, 171; 98, 169, 196[]
  2. vgl. BVerfGE 99, 84, 87[]
  3. vgl. BVerfGE 88, 40, 45; 101, 331, 345; 105, 252, 264; BVerfG, Beschlüs­se vom 05.01.2010 – 1 BvR 2973/​06; und vom 11.03.2010 – 1 BvR 2909/​08[]
  4. vgl. etwa BVerfGK 6, 219; 10, 94, 97[]
  5. vgl. BVerfGK 10, 94, 97[]
  6. vgl. BVerfGK 6, 219; 10, 94, 97[]
  7. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 09.06.2004 – 1 BvR 915/​04, NJW 2004, 2959; und vom 19.02.2009 – 2 BvR 191/​09[]