"Kra­bat" – den Film darf nicht jeder sehen…

Aus reli­giö­sen Grün­den muss ein Schü­ler vom Besuch des Kino­films "Kra­bat“ befreit wer­den, ent­schied jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len.

<span class="Kra­bat" – den Film darf nicht jeder sehen…" title=""Krabat" - den Film darf nicht jeder sehen…" srcset="" data-srcset="https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/court-144090_1920-2.jpg 1920w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/court-144090_1920-2-300x224.jpg 300w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/court-144090_1920-2-768x574.jpg 768w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/court-144090_1920-2-1024x765.jpg 1024w" sizes="(max-width: 880px) 100vw, 880px">

Geklagt hat­ten die Eltern eines Schü­lers, die den Zeu­gen Jeho­vas ange­hö­ren. Der 12-jäh­ri­ge Sohn soll­te mit sei­ner Klas­se im Rah­men des Deutsch­un­ter­richts als ver­bind­li­che Schul­ver­an­stal­tung den Kino­film "Kra­bat" besu­chen. Dage­gen bean­trag­ten die Eltern die Befrei­ung ihres Soh­nes, weil ihre Reli­gi­on ihnen alle Berüh­rungs­punk­te mit Spi­ri­tis­mus und schwar­zer Magie ver­bie­te. Die Klas­se hat­te vor dem Kino­be­such im Unter­richt das Buch "Kra­bat“ von Otfried Preuß­ler bespro­chen, wor­an der Sohn teil­nahm. Der Schul­lei­ter lehn­te den Antrag ab, weil er dar­in einen "Prä­ze­denz­fall“ sah. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter bestä­tig­te die­se Ent­schei­dung unter Hin­weis auf den staat­li­chen Bil­dungs- und Erzie­hungs­auf­trag.

Gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts hat­ten die Eltern des Schü­lers Beru­fung ein­ge­legt, der das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt statt­ge­ge­ben hat. Die Ent­schei­dung des Schul­lei­ters ist für rechts­wid­rig erklärt wor­den. Die Eltern hät­ten nach­voll­zieh­bar und über­zeu­gend ihre ernst­haf­te Glau­bens­über­zeu­gung dar­ge­stellt, nach der sie das im Buch beschrie­be­ne und im Film zur Anschau­ung gebrach­te Prak­ti­zie­ren schwar­zer Magie ableh­nen. Der vom Grund­ge­setz gebo­te­ne scho­nen­de Aus­gleich der wider­strei­ten­den Rechts­po­si­tio­nen sei unter Auf­recht­erhal­tung der Teil­nah­me­pflicht des Soh­nes nicht mög­lich gewe­sen. Ins­be­son­de­re sei es dem Sohn nicht zumut­bar gewe­sen, bei den­je­ni­gen Film­sze­nen, die sei­nen Glau­bens­über­zeu­gun­gen und denen sei­ner Eltern wider­spra­chen, ent­we­der die Augen zu ver­schlie­ßen und sich die Ohren zuzu­hal­ten oder den Kino­saal für die Dau­er die­ser Sze­nen zu ver­las­sen. Da der Sohn an der Bespre­chung des Buches im Unter­richt sowohl vor als auch nach dem Kino­be­such teil­ge­nom­men habe, müs­se der staat­li­che Bil­dungs- und Erzie­hungs­auf­trag im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall aus­nahms­wei­se zurück­tre­ten.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 22. Dezem­ber 2011 – 19 A 610/​10