Kreis­um­la­ge zur Schul­fi­nan­zie­rung

Der Rhein-Huns­rück-Kreis durf­te bei der Fest­le­gung der Höhe der Kreis­um­la­ge für das Haus­halts­jahr 2009 auch Ansät­ze für die Real­schu­len in Emmels­hau­sen, Kirch­berg und Ober­we­sel, die Inte­grier­ten Gesamt­schu­len (IGS) Kas­tellaun und Emmels­hau­sen und die Koope­ra­ti­ve Gesamt­schu­le (KGS) Kirch­berg berück­sich­ti­gen; die die­ser Auf­ga­ben­wahr­neh­mung zugrun­de lie­gen­den Vor­schrif­ten des rhein­land-pfäl­zi­schen Schul­ge­set­zes sind ver­fas­sungs­ge­mäß. Dies ergibt sich aus einer Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz.

Kreis­um­la­ge zur Schul­fi­nan­zie­rung

Die Ver­bands­ge­mein­de Sim­mern ist Trä­ge­rin einer Real­schu­le und erhielt vom Land Rhein­land-Pfalz mit Bescheid vom 3. August 2009 Schlüs­sel­zu­wei­sun­gen für das Jahr 2009. Hier­bei wur­de auch ent­spre­chend den Rege­lun­gen des Lan­des­fi­nanz­aus­gleichs­ge­set­zes ein Schul­an­satz berück­sich­tigt. Der Kreis­tag des Rhein-Huns­rück-Krei­ses leg­te in sei­ner Haus­halts­sat­zung für das Haus­halts­jahr 2009 die Kreis­um­la­ge auf 41% fest. Der Haus­halts­plan ist nicht aus­ge­gli­chen und stellt unter Berück­sich­ti­gung der Ergeb­nis­vor­trä­ge aus den Haus­halts­vor­jah­ren einen erheb­li­chen Fehl­be­darf von zir­ka 3.900.000,– € dar. Nach den Fest­le­gun­gen im Finanz­haus­halt wei­sen die Mit­tel­an­sät­ze für die Real­schu­len in Emmels­hau­sen, Kirch­berg und Ober­we­sel, die IGS Kas­tellaun und die IGS Emmels­hau­sen und die KGS Kirch­berg einen erheb­li­chen Fehl­be­darf aus. Glei­ches gilt auch für die För­de­rung der pri­va­ten Real­schu­le Mari­en­berg. Mit Bescheid vom 10. August 2009 ver­lang­te der Land­kreis von der Ver­bands­ge­mein­de Sim­mern eine Kreis­um­la­ge in Höhe von 211.209,– €. Hier­mit war die Ver­bands­ge­mein­de nicht ein­ver­stan­den und erhob nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren Kla­ge. Sie mach­te gel­tend, die Mit­tel­an­sät­ze für die Real­schu­len, die Inte­grier­ten und Koope­ra­ti­ven Gesamt­schu­len beruh­ten auf Vor­schrif­ten des Schul­ge­set­zes, die ver­fas­sungs­wid­rig sei­en. Glei­ches gel­te auch für die Grund­la­ge zur Erhe­bung der Kreis­um­la­ge. Außer­dem sei der Rhein-Huns­rück-Kreis nicht berech­tigt, die Pri­vat­schu­le Mari­en­berg zu för­dern.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz wies die Kla­ge ab. Der Rhein-Huns­rück-Kreis, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, habe die Umla­ge für 2009 in sei­ner Haus­halts­sat­zung in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se fest­ge­legt. Ins­be­son­de­re habe er auf­grund der Bestim­mun­gen des Schul­ge­set­zes die Ansät­ze für die staat­li­chen Schu­len kal­ku­liert und inso­weit Pflicht­auf­ga­ben der Selbst­ver­wal­tung wahr­ge­nom­men. Mit dem Lan­des­ge­setz zur Ände­rung der Schul­struk­tur, das am 1. August 2009 in Kraft getre­ten ist, sei die Real­schu­le plus in der Form der Inte­gra­ti­ven Real­schu­le und der Koope­ra­ti­ven Real­schu­le ein­ge­führt und die Schul­trä­ger­schaft neu bestimmt wor­den.

Danach sei­en Schul­trä­ger bei Real­schu­len plus außer­halb von kreis­frei­en Städ­ten alter­na­tiv ent­we­der der Land­kreis oder eine kreis­an­ge­hö­ri­ge Kom­mu­ne. Hin­ge­gen stün­den inner­halb eines Kreis­ge­biets Koope­ra­ti­ve Gesamt­schu­len, Inte­grier­te Gesamt­schu­len sowie mit einer Fach­ober­schu­le orga­ni­sa­to­risch ver­bun­de­ne Real­schu­len plus stets in der Trä­ger­schaft eines Land­krei­ses. Die­se Rege­lun­gen sei­en ver­fas­sungs­ge­mäß. Die­se Schul­re­form sei vom Gesetz­ge­ber aus demo­gra­fi­schen Grün­den und vor dem Hin­ter­grund der sin­ken­den Akzep­tanz der Haupt­schu­len beschlos­sen wor­den. Zudem bestün­den struk­tu­rel­le Unter­schie­de zwi­schen den unter­schied­li­chen Schu­len. Durch die Hoch­zo­nung der Schul­trä­ger­schaft einer Real­schu­le plus mit Fach­ober­stu­fe, einer Koope­ra­ti­ven Gesamt­schu­le sowie einer Inte­grier­ten Gesamt­schu­le auf die Land­kreis­ebe­ne wol­le der Gesetz­ge­ber sicher­stel­len, dass unter­schied­li­che schu­li­sche Ange­bo­te im länd­li­chen Raum über die Gebiets­gren­zen einer kreis­an­ge­hö­ri­gen Kom­mu­ne geschaf­fen wer­den.

Es stel­le auch ein berech­tig­tes Anlie­gen dar, bei der Umset­zung einer sol­chen Reform den betrof­fe­nen Kom­mu­nen eine zeit­li­che Pha­se zu eröff­nen, in der die Umstruk­tu­rie­rung erfol­gen kön­ne. Von daher sei der Gesetz­ge­ber ange­sichts sei­nes wei­ten schul­po­li­ti­schen Ermes­sens zur getrof­fe­nen Neu­re­ge­lung berech­tigt gewe­sen. Über­dies han­de­le es sich bei dem Mit­tel­an­satz für die pri­va­te Schu­le Mari­en­berg um eine frei­wil­li­ge Leis­tung, die ein Land­kreis ange­sichts des ihm zuste­hen­den Ermes­sens über­neh­men dür­fe. Schließ­lich habe der Gesetz­ge­ber ent­schie­den, dass der Aus­gleich für die Über­nah­me einer Schul­trä­ger­schaft durch Zuwen­dun­gen des Lan­des zu den Kom­mu­nen erfol­gen müs­se. Auch wenn vie­les dafür spre­che, dass der Schul­an­satz im Lan­des­fi­nanz­aus­gleichs­ge­setz nicht zu einem dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ent­spre­chen­den Aus­gleich füh­re, sei die Ver­bands­ge­mein­de ange­sichts der gesetz­li­chen Vor­ga­ben dar­auf zu ver­wei­sen, den dies­be­züg­li­chen Aus­gleich im Ver­hält­nis ihrer Finanz­be­zie­hun­gen zum Land Rhein­land-Pfalz zu bewerk­stel­li­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 23. Novem­ber 2010 – 1 K 488/​10.KO

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