Lärm­ab­schir­mung per Erhal­tungs­sat­zung

Lärm­ab­schir­mung kein zuläs­si­ger Zweck einer Erhal­tungs­sat­zung: § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 Bau­GB ist kei­ne trag­fä­hi­ge Rechts­grund­la­ge für den Erlass einer Erhal­tungs­sat­zung, mit der die Gemein­de den Zweck ver­folgt, eine vor­han­de­ne Bebau­ung allein wegen ihrer Lärm abschir­men­den Wir­kung für ande­re bau­li­che Anla­gen zu erhal­ten.

Lärm­ab­schir­mung per Erhal­tungs­sat­zung

Die Antrag­stel­le­rin in dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall ist Eigen­tü­me­rin von Grund­stü­cken in Hal­ber­stadt, auf denen zu DDR-Zei­ten ein sechs­stö­cki­ges Gebäu­de im Stil sog. Plat­ten­bau­ten ent­lang einer ver­kehrs­rei­chen Stra­ße errich­tet wur­de. Das Gebäu­de schirmt gemein­sam mit ande­ren Gebäu­den eine dahin­ter lie­gen­de Grün­an­la­ge mit meh­re­ren dar­in errich­te­ten vier­ge­schos­si­gen Wohn­ge­bäu­den nach Art einer Block­rand­be­bau­ung ab. Die Antrag­stel­le­rin möch­te ihr Gebäu­de abbre­chen. Die Stadt Hal­ber­stadt beschloss dar­auf­hin auf der Grund­la­ge des § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 Bau­GB eine Erhal­tungs­sat­zung.

Auf den Nor­men­kon­troll­an­trag der Antrag­stel­le­rin hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt die Sat­zung für unwirk­sam erklärt, weil die frag­li­chen Gebäu­de weder wegen des Orts­bil­des noch wegen der Stadt­ge­stalt noch aus sons­ti­gen städ­te­bau­li­chen Grün­den i.S.v. § 172 Abs. 1 und 3 Bau­GB, son­dern als „Lärm­schutz­wand“ für einen Quar­tiers­bin­nen­be­reich erhal­ten wer­den soll­ten, wofür es an der erfor­der­li­chen Rechts­grund­la­ge feh­le 1.

Hier­ge­gen wand­te sich die Stadt Hal­ber­stadt mit der zunächst vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zuge­las­se­nen Revi­si­on. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun jedoch die Rechts­auf­fas­sung der Mag­de­bur­ger Vor­in­stanz bestä­tigt und die Revi­si­on zurück­ge­wie­sen:

Nach § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 Bau­GB kann die Gemein­de in einer Sat­zung Gebie­te bezeich­nen, in denen zur Erhal­tung der städ­te­bau­li­chen Eigen­art des Gebiets auf­grund sei­ner städ­te­bau­li­chen Gestalt der Rück­bau, die Ände­rung, die Nut­zungs­än­de­rung oder auch die Errich­tung bau­li­cher Anla­gen der Geneh­mi­gung bedür­fen. Die städ­te­bau­li­che Eigen­art des Gebiets ist dabei anhand der tat­säch­li­chen, optisch wahr­nehm­ba­ren Gege­ben­hei­ten zu bestim­men, z.B. anhand eines bestimm­ten Orts­bil­des oder einer beson­de­ren Stadt­ge­stalt. Optisch nicht wahr­nehm­ba­re Zie­le, wie etwa Lärm­schutz­zie­le, kön­nen nichts zur städ­te­bau­li­chen Gestalt eines Gebiets bei­tra­gen und recht­fer­ti­gen des­halb auch nicht den Erlass einer Erhal­tungs­sat­zung.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 4. Dezem­ber 2014 – 4 CN 7.2013 -

  1. OVG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 29.11.2012 – 2 K 41/​11[]