Land­tags­wahl in Sach­sen – und die Lan­des­lis­te der AfD

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Frei­staa­tes Sach­sen hat die Lan­des­lis­te der Par­tei „Alter­na­ti­ve für Deutsch­land” (AfD) auch mit den dort auf­ge­führ­ten Lis­ten­plät­zen 19 bis 30 zur Land­tags­wahl am 1.09.2019 vor­läu­fig zuge­las­sen. Die Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses zur Strei­chung die­ser Lis­ten­plät­ze sei nach vor­läu­fi­ger Bewer­tung mit hoher Wahr­schein­lich­keit rechts­wid­rig, befand der säch­si­sche Ver­fas­sungs­ge­richts­hof; die mög­li­chen Nach­tei­le der Nicht­zu­las­sung für die Wah­len zum 7. Säch­si­schen Land­tag sei­en inso­weit gewich­ti­ger als die der Zulas­sung. Für die Lis­ten­plät­ze 31 bis 61 sei dies jedoch nicht der Fall.

Land­tags­wahl in Sach­sen – und die Lan­des­lis­te der AfD

Die Antrag­stel­ler – die Par­tei Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) Lan­des­ver­band Sach­sen sowie acht ein­zel­ne Bewer­ber/​innen für deren Lan­des­lis­te – sehen sich durch die Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses, die Lan­des­lis­te der AfD nur mit den Lis­ten­plät­zen 1 bis 18 zur Land­tags­wahl am 1.09.2019 zuzu­las­sen und die wei­te­ren Bewer­ber auf den Lis­ten­plät­zen 19 bis 61 zu strei­chen, in ihren Grund­rech­ten ver­letzt. Des­halb haben sie sich im Wege von Ver­fas­sungs­be­schwer­den sowie im einst­wei­li­gen Rechts­schutz an den Ver­fas­sungs­ge­richts­hof gewandt.

Der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof hat im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung eine vor­läu­fi­ge Rege­lung getrof­fen. Er hat kei­ne umfas­sen­de inhalt­li­che Über­prü­fung der Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses vor­ge­nom­men. In sei­nem Urteil ent­spricht er teil­wei­se den Anträ­gen. Der Zuläs­sig­keit der Ver­fas­sungs­be­schwer­den steht die Sperr­wir­kung des nach der Wahl durch­zu­füh­ren­den Wahl­prü­fungs­ver­fah­rens im Umfang der Statt­ga­be nicht ent­ge­gen. In dem hier zu ent­schei­den­den beson­de­ren Aus­nah­me­fall sind die Ver­fas­sungs­be­schwer­den zuläs­sig, soweit sich die Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses als mit hoher Wahr­schein­lich­keit rechts­wid­rig erweist und einen vor­aus­sicht­li­chen Wahl­feh­ler von außer­or­dent­li­chem Gewicht begrün­de­te, der erst nach der Wahl besei­tigt wer­den könn­te. Dies ist bei dem vom Lan­des­wahl­aus­schuss ange­nom­me­nen Ver­stoß gegen einen etwa gel­ten­den Grund­satz der Ein­heit­lich­keit der Auf­stel­lungs­ver­samm­lung im Ergeb­nis der Fall. Für den zusätz­lich bean­stan­de­ten Wech­sel des Wahl­ver­fah­rens hin­ge­gen kann ein der­ar­ti­ger Rechts­feh­ler der Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses nicht fest­ge­stellt wer­den. Dies betrifft indes allein die Lis­ten­plät­ze 31 bis 61, wes­halb die Ver­fas­sungs­be­schwer­den nur in Bezug auf die Lis­ten­plät­ze 19 bis 30 zuläs­sig sind. Nur inso­weit kann eine einst­wei­li­ge Anord­nung erge­hen.

Im Rah­men der dann eröff­ne­ten Abwä­gung hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof die nach­tei­li­gen Wir­kun­gen berück­sich­tigt, die sich aus einer vor­aus­sicht­lich feh­ler­haf­ten Ent­schei­dung des Lan­des­wahl­aus­schus­ses erge­ben kön­nen. Die Wahl zum 7. Säch­si­schen Land­tag wäre dann auf der Grund­la­ge eines Beschlus­ses durch­ge­führt wor­den, der die von der Ver­fas­sung garan­tier­te Chan­cen­gleich­heit der AfD in die­sem Umfang nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt. In Abhän­gig­keit vom Wahl­er­geb­nis könn­te die­ser Wahl­feh­ler sogar dazu füh­ren, dass Neu­wah­len not­wen­dig wer­den.

Ergibt sich bei einer spä­te­ren Prü­fung hin­ge­gen, dass die durch den Lan­des­wahl­aus­schuss getrof­fe­ne Rege­lung recht­mä­ßig ist, wären die mit der wei­ter­ge­hen­den vor­läu­fi­gen Zulas­sung der Lan­des­lis­te ver­bun­de­nen Nach­tei­le letzt­lich weni­ger gra­vie­rend.

In den Haupt­sa­che­ver­fah­ren ist am Ver­hand­lungs­tag aus ver­fah­rens­recht­li­chen Grün­den noch kei­ne Ent­schei­dung ver­kün­det wor­den. Hier ist Ver­kün­dungs­ter­min auf Frei­tag, den 16. August 2019 um 16.00 Uhr bestimmt wor­den.

Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Frei­staa­tes Sach­sen, Urteil vom 25. Juli 2019 – – Vf. 77 ‑IV ‑19 (e.A.) – Vf. 82 ‑IV ‑19 (e.A.)

  1. BMI, Ver­fü­gung vom 02.04.2014 – ÖSII3-20106/15#3