Land­tags­wahl NRW 2017 – und die Wahl­prü­fungs­be­schwer­den

Bei dem Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len sind sechs Beschwer­den gegen Wahl­prü­fungs­ent­schei­dun­gen des Land­tags aus Anlass der Land­tags­wahl am 14. Mai 2017 ein­ge­gan­gen. In sei­nen Ent­schei­dun­gen vom 13. Sep­tem­ber 2017 hat­te der Land­tag die Ein­sprü­che als unzu­läs­sig bzw. unbe­grün­det zurück­ge­wie­sen.

Land­tags­wahl NRW 2017 – und die Wahl­prü­fungs­be­schwer­den

Drei Ver­fah­ren sind bereits abge­schlos­sen. Eine Beschwer­de hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof als unzu­läs­sig ver­wor­fen, weil sie nicht frist­ge­recht begrün­det wor­den war 1. Die bei­den ande­ren Beschwer­den sind als offen­sicht­lich unbe­grün­det zurück­ge­wie­sen wor­den, weil die Beschwer­de­füh­rer als „ein­zel­ne Wahl­be­rech­tig­te“ nicht die not­wen­di­ge vor­he­ri­ge schrift­li­che Zustim­mung von min­des­tens 50 wei­te­ren Wahl­be­rech­tig­ten bei­gebracht hat­ten 2.

Landtagswahl NRW 2017 - und die WahlprüfungsbeschwerdenDie noch anhän­gi­gen Ver­fah­ren betref­fen fol­gen­de Sach­ver­hal­te:

Ein mit 62 Stim­men Abstand unter­le­ge­ner Wahl­be­wer­ber wen­det sich gegen eine rech­ne­risch unrich­ti­ge Fest­stel­lung des Erst­stim­men­wahl­er­geb­nis­ses im Wahl­kreis 16 (Köln IV). Zur Begrün­dung trägt er vor, dass nach Beob­ach­tun­gen Drit­ter am Wahl­abend kurz vor 23 Uhr auf der städ­ti­schen Inter­net­sei­te beim Gesamt­ergeb­nis des Wahl­krei­ses 100 Stim­men bei ihm wie­der abge­zo­gen wor­den sei­en, wofür es kei­ne nach­prüf­ba­re Erklä­rung gebe. Bei dar­auf­hin erfolg­ter genaue­rer Betrach­tung der Erst­stim­men­er­geb­nis­se hät­ten sich – gemes­sen am Erst­stim­men­er­geb­nis im Gesamt­wahl­kreis – in sechs Brief­wahl­stimm­be­zir­ken Auf­fäl­lig­kei­ten gezeigt. In die­sen lägen jeweils in sta­tis­ti­scher Hin­sicht signi­fi­kan­te Abwei­chun­gen vor, ohne dass die aktu­el­len Struk­tur­da­ten des Wahl­krei­ses sozio­gra­fi­sche Son­der­ein­flüs­se erken­nen lie­ßen, die die fest­ge­stell­ten Ergeb­nis­se erklär­lich machen könn­ten 3.

Mit sei­ner Wahl­prü­fungs­be­schwer­de macht der Lan­des­ver­band Nord­rhein-West­fa­len der Par­tei „Volks­ab­stim­mung – Ab jetzt…Demokratie durch Volks­ab­stim­mung – Poli­tik für die Men­schen“ im Wesent­li­chen gel­tend, die Wahl sei ungül­tig und müs­se wie­der­holt wer­den, weil das Wahl­er­geb­nis durch Umfra­ge­insti­tu­te, die Medi­en und durch mit öffent­li­chen Mit­teln geför­der­te Ver­ei­ni­gun­gen mani­pu­liert wor­den sei. Zudem sei­en Anders­den­ken­de ein­ge­schüch­tert und unter Druck gesetzt wor­den 4.

Der Lan­des­ver­band Nord­rhein-West­fa­len der Par­tei Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) trägt mit sei­ner Wahl­prü­fungs­be­schwer­de im Kern vor, bereits fest­ge­stell­te erheb­li­che Aus­zähl- bzw. Wahl­feh­ler in einer Viel­zahl von Wahl­krei­sen lie­ßen den Schluss auf lan­des­weit vor­sätz­li­che, sys­te­ma­ti­sche Wahl­feh­ler und ‑fäl­schun­gen zum Nach­teil der AfD zu, die eine lan­des­wei­te Nach­zäh­lung der bei der Land­tags­wahl abge­ge­be­nen Zweit­stim­men erfor­der­ten. Die­ser Ansicht liegt fol­gen­der Sach­ver­halt zu Grun­de: Nach Bekannt­ga­be des vor­läu­fi­gen amt­li­chen Ergeb­nis­ses erhielt der Lan­des­wahl­lei­ter Hin­wei­se, dass die AfD in eini­gen Stimm­be­zir­ken kei­ne oder nur sehr weni­ge Zweit­stim­men erhal­ten habe. Auf­fäl­lig war zudem, dass die auf dem Stimm­zet­tel und in den Wahl­nie­der­schrif­ten unmit­tel­bar vor der AfD auf­ge­führ­ten AD-Demo­kra­ten NRW in eini­gen Fäl­len erstaun­lich hohe Zweit­stim­men­er­geb­nis­se erziel­ten. Da­rüber hin­aus wur­den mut­maß­li­che Auf­fäl­lig­kei­ten in ein­zel­nen Stimm­be­zir­ken berich­tet. Bei der vor die­sem Hin­ter­grund vor­ge­nom­me­nen Fest­stel­lung des end­gül­ti­gen Wahl­er­geb­nis­ses erga­ben sich in 60 von 128 Wahl­krei­sen Ver­än­de­run­gen bei den Zweit­stim­men zuguns­ten der AfD, wäh­rend sich das Zweitstim­menergebnis der AfD in 14 Wahl­krei­sen ver­rin­ger­te. Im Sal­do erhielt die AfD zusätz­li­che 2.204 Zweit­stim­men. Das Zweit­stim­men­er­geb­nis der AD-Demo­kra­ten NRW ver­rin­ger­te sich hin­ge­gen um 965 Stim­men 5.

  1. VerfGH NRW, Beschluss vom 16.01.2018 – VerfGH 14/​17[]
  2. VerfGH NRW, Beschlüs­se vom 16.01.2018 – VerfGH 10/​17 und VerfGH 12/​17[]
  3. VerfGH 15/​17[]
  4. VerfGH 13/​17[]
  5. VerfGH 16/​17[]