Lehr­ver­pflich­tun­gen für Juni­or­pro­fes­so­ren

Bestehen für Juni­or­pro­fes­so­ren unter­schied­li­che Lehr­ver­pflich­tun­gen in der ers­ten und der zwei­ten Anstel­lungs­pha­se (§ 10 Abs. 1 LVVO) und gehen nicht alle Juni­or­pro­fes­so­ren der ers­ten Anstel­lungs­pha­se in die zwei­te Anstel­lungs­pha­se über, darf dies nicht mit einer pau­scha­len „Schwund­quo­te“ bei der Fest­stel­lung des Lehr­an­ge­bots berück­sich­tigt wer­den

Lehr­ver­pflich­tun­gen für Juni­or­pro­fes­so­ren

Die kapa­zi­täts­recht­li­chen Bestim­mun­gen der Lehr­ver­pflich­tung erge­ben sich aus der Lehr­ver­pflich­tungs­ver­ord­nung und nicht aus den Ansät­zen der Finanz­pla­nung des Struk­tur- und Ent­wick­lungs­pla­nes. Maß­geb­lich für die Berech­nung des Lehr­an­ge­bots einer Leh­rein­heit sind das Stel­len­prin­zip (§ 8 Kap­VO) und das Gebot, die den Stel­len zuzu­ord­nen­de Lehr­ver­pflich­tung im Rah­men des Dienst­rechts durch Fest­set­zung von Regel­lehr­ver­pflich­tun­gen der Lehr­per­so­nen von Stel­len­grup­pen zu bestim­men (§ 9 Kap­VO).

Der Zeit­raum für die Ermitt­lung der Lehr­auf­trags­stun­den, die dem Lehr­an­ge­bot zuzu­rech­nen sind, ergibt sich aus der hier­für gegen­über der all­ge­mei­nen Stich­tags­re­ge­lung des § 5 Abs. 1 Kap­VO spe­zi­el­le­ren Vor­schrift des § 10 Satz 1 Kap­VO. § 5 Abs. 2 Kap­VO, der eine Abwei­chung vom Berech­nungs­stich­tag des § 5 Abs. 1 Kap­VO ermög­licht, ist für den maß­geb­li­chen Zeit­raum für die Ermitt­lung der Lehr­auf­trags­stun­den daher nicht anwend­bar.

Ein kapa­zi­täts­min­dern­der Dienst­leis­tungs­be­darf kann nur vor­lie­gen, soweit es sich zum einen über­haupt um Leh­re für (iden­ti­fi­zier­ba­re) Stu­di­en­gän­ge han­delt, und soweit zum ande­ren die­se Stu­di­en­gän­ge einer ande­ren (und nicht der eige­nen) Leh­rein­heit zuge­ord­net sind (vgl. OVG Ham­burg, Beschl. v. 4.4.2012, 3 Nc 53/​11, juris, Rn. 46). Nicht iden­ti­fi­zier­ba­re Dienst­leis­tun­gen in den Frei­en Wahl­be­reich von Hoch­schu­len sind daher auf der Grund­la­ge des der­zeit gel­ten­den Kapa­zi­täts­rechts nicht berück­sich­ti­gungs­fä­hig.

In dem Über­gangs­sta­di­um, in dem nach Ein­füh­rung neu­er Stu­di­en­gän­ge noch kei­ne empi­risch beleg­ten Wer­te für die Errech­nung des Schwund­fak­tors vor­han­den sind, ist den Hoch­schu­len bei der Fest­le­gung eines Schwund­fak­tors zunächst ein gewis­ser Pro­gno­se­spiel­raum zuzu­bil­li­gen, den die Ver­wal­tungs­ge­rich­te nicht durch nach eige­nem Dafür­hal­ten selbst geschaf­fe­ne Wer­te erset­zen dür­fen. Kor­rek­tu­ren kön­nen aller­dings im Ein­zel­fall ange­bracht sein, wenn die Gerich­te trag­fä­hi­ge Anhalts­punk­te dafür haben, dass die Hoch­schu­le ihren Pro­gno­se­spiel­raum unter Ver­ken­nung wesent­li­cher Fak­ten aus­ge­füllt hat.

Im Fal­le frei geblie­be­ner Kapa­zi­tä­ten in ein­zel­nen Stu­di­en­gän­gen einer Leh­rein­heit bei gleich­zei­ti­ger Über­be­an­spru­chung eines ande­ren Stu­di­en­gangs der Leh­rein­heit setzt sich das Kapa­zi­täts­er­schöp­fungs­ge­bot inso­weit gegen­über der staat­li­chen Wid­mungs­be­fug­nis in Gestalt der Anteil­quo­ten durch, als nur durch die Berück­sich­ti­gung der gericht­li­chen Rechts­schutz suchen­den Bewer­ber ver­hin­dert wer­den kann, dass frei­ge­blie­be­ne Stu­di­en­plät­ze end­gül­tig unge­nutzt blei­ben (Anschluss an BVerwG, Urt. v. 15.12.1989, NVwZ-RR 1990, 349). Der durch Aus­tausch­bar­keit der Lehr­an­ge­bo­te von Lehr­per­so­nen inner­halb einer Leh­rein­heit (hori­zon­ta­le Sub­sti­tu­ie­rung) eröff­ne­ten Mög­lich­keit, zusätz­li­che Stu­di­en­plät­ze zu schaf­fen, sind aller­dings Gren­zen gesetzt, wenn die dadurch in einem Stu­di­en­gang zusätz­lich geschaf­fe­nen Stu­di­en­plät­ze wegen des Fremd­an­teils im Cur­ri­cu­lar­norm­wert in ande­ren Leh­rein­hei­ten eine Lehr­nach­fra­ge aus­lö­sen wür­den, die nach den dort gege­be­nen Kapa­zi­tä­ten nicht befrie­digt wer­den kann.

Bei der Umrech­nung frei geblie­be­ner Stu­di­en­plät­ze aus ande­ren Stu­di­en­gän­gen der­sel­ben Leh­rein­heit in Stu­di­en­plät­ze eines Stu­di­en­gan­ges (Ziel­stu­di­en­gang) mit Bewer­ber­über­hang (SP Z) folgt das Beschwer­de­ge­richt dem vom Ver­wal­tungs­ge­richt zugrun­de geleg­ten Rechen­weg: Die frei geblie­be­nen Plät­ze des Stu­di­en­gangs (SP 1U) sind mit des­sen Schwund­fak­tor (SF 1) und des­sen Cur­ri­cu­lar­an­teil (CA 1) zu mul­ti­pli­zie­ren, die­ses Zwi­schen­er­geb­nis ist durch den Cur­ri­cu­lar­an­teil des Ziel­stu­di­en­gangs (CA Z) zu divi­die­ren und der so ermit­tel­te Wert ist erneut durch den Schwund­fak­tor des Ziel­stu­di­en­gangs (SF Z) zu tei­len. (SP Z = SP 1U * SF 1 * CA 1 /​CA Z /​SF Z).

Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 24. August 2012 – 3 Nc 163/​11