Leis­tun­gen nach dem Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz – und die Aus­schluss­frist

Die nach § 12 Abs. 2 Cont­StifG auf Grund des Ver­wei­ses auf § 13 StHG fort­gel­ten­de und auf den 31.12.1983 fest­ge­leg­te Frist zur Gel­tend­ma­chung von Leis­tun­gen ist kei­ne Aus­schluss­frist im Sin­ne von § 32 Abs. 5 VwVfG. Die Rege­lung des § 12 Abs. 2 Cont­StifG i.V.m. § 13 StHG ist kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken aus­ge­setzt.

Leis­tun­gen nach dem Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz – und die Aus­schluss­frist

Nach § 12 Abs. 1 Alt. 1 Cont­StifG wer­den an behin­der­te Men­schen, die bei Inkraft­tre­ten des Geset­zes über die Errich­tung einer Stif­tung „Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der“ (im Fol­gen­den: Errich­tungs­ge­setz bzw. StHG) vom 17.12.1971 [1] am 31.10.1972 leb­ten, Leis­tun­gen gewährt wegen Fehl­bil­dun­gen, die mit der Ein­nah­me tha­li­do­mid­hal­ti­ger Prä­pa­ra­te der Grü­nen­thal GmbH, Aachen, durch die Mut­ter wäh­rend der Schwan­ger­schaft in Ver­bin­dung gebracht wer­den kön­nen.

Nach § 12 Abs. 2 Cont­StifG kön­nen jedoch die Con­ter­gan­ren­te, um die es vor­lie­gend geht, und eine Kapi­ta­lent­schä­di­gung (erst) für die Zeit ab 1.07.2009 bean­tragt wer­den, wenn Leis­tun­gen nach § 13 StHG nicht inner­halb der dort vor­ge­se­he­nen Frist gel­tend gemacht wur­den. Nach § 13 StHG in der Fas­sung von Art. 1 Nr. 2 des Drit­ten Geset­zes zur Ände­rung des Geset­zes über die Errich­tung einer Stif­tung „Hilfs­werk für behin­der­te Kin­der“ vom 22.12.1982 [2] wur­den Leis­tun­gen nach die­sem Gesetz gewährt, wenn sie bis zum 31.12.1983 bei der Stif­tung gel­tend gemacht wor­den sind. Im Zuge der Ablö­sung des Errich­tungs­ge­set­zes durch das Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz im Jah­re 2005 [3] griff § 12 Satz 2 Cont­StifG (a.F.) die­se Rege­lung auf und bestimm­te, dass Leis­tun­gen nach § 13 StHG gel­tend gemacht wor­den sein muss­ten. Hier­an knüpft § 12 Abs. 2 Cont­StifG in der seit dem 30.06.2009 gel­ten­den Fas­sung an und trifft für Leis­tun­gen, die nicht bis zum 31.12.1983 gel­tend gemacht wor­den waren, zwei Rege­lun­gen: Für die (hier allein streit­be­fan­ge­ne) Zeit bis zum 30.06.2009 ver­bleibt es bei der durch § 13 StHG bzw. § 12 Satz 2 Cont­StifG a.F. ange­ord­ne­ten Rege­lung, dass Leis­tun­gen nicht mehr gel­tend gemacht wer­den kön­nen, wäh­rend für die nach­fol­gen­de Zeit Con­ter­gan­ren­te und Kapi­ta­lent­schä­di­gung bean­tragt wer­den kön­nen, so dass der Leis­tungs­aus­schluss für hier­von Betrof­fe­ne mit dem Monat der Antrag­stel­lung (§ 13 Abs. 4 Satz 1 Cont­StifG), frü­hes­tens aber zum 1.07.2009 ende­te. 

Gemäß § 32 Abs. 1 Satz 1 VwVfG ist auf Antrag Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand zu gewäh­ren, wenn der Betref­fen­de ohne Ver­schul­den ver­hin­dert war, eine gesetz­li­che Frist ein­zu­hal­ten. Der Wie­der­ein­set­zung steht nicht ent­ge­gen, dass es sich bei der fest­ge­setz­ten Frist zur Gel­tend­ma­chung von Leis­tun­gen um eine Aus­schluss­frist im Sin­ne des § 32 Abs. 5 VwVfG han­del­te.

Die nach § 12 Abs. 2 Cont­StifG auf Grund des Ver­wei­ses auf § 13 StHG fort­gel­ten­de und auf den 31.12.1983 fest­ge­leg­te Frist zur Gel­tend­ma­chung von Leis­tun­gen ist kei­ne Aus­schluss­frist im Sin­ne von § 32 Abs. 5 VwVfG. Danach ist die Wie­der­ein­set­zung unzu­läs­sig, wenn sich aus einer Rechts­vor­schrift ergibt, dass sie aus­ge­schlos­sen ist. Die Vor­aus­set­zun­gen einer Aus­schluss­frist in die­sem Sin­ne sind in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts geklärt [4]: Der Aus­schluss der Wie­der­ein­set­zung muss sich nicht aus­drück­lich aus dem Geset­zes­wort­laut erge­ben. Es genügt, wenn nach dem Sinn und Zweck der gesetz­li­chen Rege­lung ein ver­spä­te­ter Antrag­stel­ler mate­ri­ell­recht­lich end­gül­tig sei­ne Anspruchs­be­rech­ti­gung ver­lie­ren soll. Das Fach­recht muss jedoch einen hin­rei­chen­den Anhalt für die Annah­me bie­ten, der Gesetz­ge­ber habe dem öffent­li­chen Inter­es­se an der Ein­hal­tung der Frist gegen­über dem Inter­es­se des Bür­gers an deren nach­träg­li­cher Wie­der­eröff­nung auch bei unver­schul­de­ter Frist­ver­säum­nis schlecht­hin den Vor­rang ein­ge­räumt und des­we­gen die Wie­der­ein­set­zung gene­rell ver­sagt.

Wie­der­ein­set­zung kann jedoch gleich­wohl nicht gewährt wer­den, wenn auch die Jah­res­frist des § 32 Abs. 3 VwVfG ver­säumt wur­de und die Anspruch­stel­le­rin an deren Ein­hal­tung nicht infol­ge höhe­rer Gewalt gehin­dert war.

Gemäß § 32 Abs. 3 VwVfG kann nach einem Jahr seit dem Ende der ver­säum­ten Frist die Wie­der­ein­set­zung nicht mehr bean­tragt oder die ver­säum­te Hand­lung nicht mehr nach­ge­holt wer­den, außer wenn dies infol­ge höhe­rer Gewalt unmög­lich war. Die Jah­res­frist hat die Klä­ge­rin ver­säumt, weil sie nicht bis zum 31.12.1984 Wie­der­ein­set­zung bean­tragt oder die ver­säum­te Rechts­hand­lung nach­ge­holt hat. 

Der Begriff der „höhe­ren Gewalt“ ist enger zu ver­ste­hen als der in den Wie­der­ein­set­zungs­vor­schrif­ten gebrauch­te Begriff „ohne Ver­schul­den“. Er ent­spricht inhalt­lich „Natur­er­eig­nis­sen oder ande­ren unab­wend­ba­ren Zufäl­len“ im Sin­ne des § 233 Abs. 1 ZPO a.F. Unter „höhe­rer Gewalt“ wird ein Ereig­nis ver­stan­den, das nicht not­wen­dig mensch­li­cher Steue­rung völ­lig ent­zo­gen ist, aber unter den gege­be­nen Umstän­den auch durch die größ­te nach den Umstän­den des kon­kre­ten Fal­les ver­nünf­ti­ger­wei­se von dem Betrof­fe­nen unter Anle­gung sub­jek­ti­ver Maß­stä­be – nament­lich unter Berück­sich­ti­gung sei­ner Lage, Bil­dung und Erfah­rung – zu erwar­ten­de und zumut­ba­re Sorg­falt nicht abge­wen­det wer­den konn­te [5]. Mit die­sem Ver­ständ­nis hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt den Begriff der höhe­ren Gewalt sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de gelegt. Dies bele­gen sowohl sei­ne For­mu­lie­rung „unver­meid­ba­re Unwis­sen­heit“ als auch die in Bezug genom­me­ne Kom­men­tie­rung, die die vor­ste­hend genann­ten Merk­ma­le wie­der­gibt. 

Die Rege­lung des § 12 Abs. 2 Cont­StifG i.V.m. § 13 StHG ist auch kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken aus­ge­setzt. 

Der Gesetz­ge­ber war von Ver­fas­sungs wegen nicht gehin­dert, in § 12 Abs. 2 Cont­StifG unter Bezug­nah­me auf § 13 StHG eine auf den 31.12.1983 bemes­se­ne Frist zur Gel­tend­ma­chung von Leis­tun­gen nach dem Con­ter­gan­stif­tungs­recht vor­zu­se­hen. § 12 Abs. 2 Cont­StifG trifft eine dif­fe­ren­zier­te Rege­lung für den Zeit­raum bis zum 30.06.2009 einer­seits und die nach­fol­gen­de Zeit ande­rer­seits. Wer die am 31.12.1983 aus­ge­lau­fe­ne Frist zur Gel­tend­ma­chung von Leis­tun­gen ver­säumt hat, erhält für den Zeit­raum bis zum 30.06.2009 kei­ne Leis­tun­gen, son­dern kann die­se erst für die Zeit ab dem 1.07.2009 bean­tra­gen. Die­ser zeit­ab­schnitts­wei­se unter­schied­li­chen Rechts­la­ge hat die ver­fas­sungs­recht­li­che Bewer­tung durch eine eben­falls an den frag­li­chen Zeit­ab­schnit­ten ori­en­tier­te Betrach­tung Rech­nung zu tra­gen. Zwar stellt die Mög­lich­keit von Neu­an­trä­gen nach § 12 Abs. 2 Cont­StifG eine Ver­bes­se­rung der Rechts­la­ge dar [6]. Dies gilt aber nur für die Zeit ab dem 1.07.2009, nicht hin­ge­gen für den hier allein streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum bis zum 30.06.2009. Ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken gegen die­se Rege­lung bestehen weder mit Blick auf die Eigen­tums­ga­ran­tie noch auf das Sozi­al­staats­prin­zip und den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz. 

Die bis zum 31.12.1983 bemes­se­ne Frist zur Gel­tend­ma­chung von Leis­tun­gen ver­stößt nicht gegen die Eigen­tums­ga­ran­tie des Art. 14 Abs. 1 GG. Aller­dings ist – was das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt noch offen­ge­las­sen hat – der Schutz­be­reich die­ses Grund­rechts berührt. Ein­grif­fe in Ansprü­che nach dem Con­ter­gan­stif­tungs­ge­setz sind am Maß­stab des Art. 14 Abs. 1 GG zu prü­fen [7], weil die ursprüng­li­chen, durch das Errich­tungs­ge­setz umge­stal­te­ten zivil­recht­li­chen Ansprü­che der Berech­tig­ten unter den Eigen­tums­schutz des Grund­ge­set­zes fie­len. Letz­te­res gilt zum einen für die Ansprü­che der Berech­tig­ten aus dem 1970 zwi­schen einer Viel­zahl von Geschä­dig­ten und der Grü­nen­thal GmbH geschlos­se­nen Ver­gleichs­ver­trag [8]. Zum ande­ren erfasst die Eigen­tums­ga­ran­tie – unab­hän­gig von dem Ver­gleichs­ver­trag und der Betei­li­gung hier­an – auch die den Geschä­dig­ten ursprüng­lich zuste­hen­den delik­ti­schen Ansprü­che. Denn der Eigen­tums­schutz umfasst auch schuld­recht­li­che Ansprü­che, und zwar in beson­de­rem Maße sol­che, die den Cha­rak­ter eines Äqui­va­lents für Ein­bu­ßen an Lebens­tüch­tig­keit besit­zen [9], was auf die in Rede ste­hen­den schuld­recht­li­chen Ansprü­che auf delikts­recht­li­cher Grund­la­ge offen­sicht­lich zutrifft. Auch die­se For­de­run­gen sind nach § 23 Abs. 1 Satz 1 StHG erlo­schen und in Leis­tungs­an­sprü­che gegen die Stif­tung umge­wan­delt wor­den. 

Die Frist zur Gel­tend­ma­chung von Leis­tun­gen nach dem Con­ter­gan­stif­tungs­recht stellt eine zuläs­si­ge Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung dar, die auch im Übri­gen ver­hält­nis­mä­ßig ist. 

Selbst eine gesetz­li­che Frist zur Gel­tend­ma­chung eines Rechts, bei deren Ver­säu­mung sogar ein mate­ri­el­ler Rechts­ver­lust ein­tritt, stellt jeden­falls dann kei­ne Ent­eig­nung (Art. 14 Abs. 3 GG), son­dern eine Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums (Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG) dar, wenn das betref­fen­de Recht infol­ge des ihm zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halts ohne­hin beson­ders gel­tend gemacht wer­den muss und sein Erlö­schen vom Berech­tig­ten bin­nen ange­mes­se­ner Frist und in ein­fa­cher, leicht zu erfül­len­der Form ver­hin­dert wer­den kann [10]. Hier führ­te der frucht­lo­se Ablauf der Frist des § 13 StHG am 31.12.1983 mate­ri­ell­recht­lich nicht zum Erlö­schen der gesetz­li­chen Ansprü­che. Die­se konn­ten ledig­lich nicht mehr gel­tend gemacht und damit rea­li­siert wer­den, und zwar für den gesam­ten Zeit­raum bis ein­schließ­lich zum 30.06.2009. Selbst wenn dies für den frag­li­chen Zeit­raum in den Aus­wir­kun­gen einem Erlö­schen der Ansprü­che gleich­zu­set­zen wäre, käme dem in der Frist des § 12 Abs. 2 Cont­StifG i.V.m § 13 StHG lie­gen­den Ein­griff nur der Cha­rak­ter einer Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung zu. Denn die Leis­tun­gen nach dem Con­ter­gan­stif­tungs­recht wur­den nur bei Gel­tend­ma­chung durch den Betref­fen­den gewährt, und die­ser konn­te durch blo­ße Gel­tend­ma­chung den Frist­ab­lauf in ein­fa­cher, leicht zu erfül­len­der Wei­se ver­hin­dern.

Der ver­fas­sungs­recht­li­che Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit [10], den der Gesetz­ge­ber auch bei der Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung des Eigen­tums (Art. 14 Abs. 1 Satz 2 GG) zu beach­ten hat, ist nicht ver­letzt. Er besagt, dass eine Maß­nah­me zur Errei­chung des ange­streb­ten legi­ti­men Rege­lungs­zwecks geeig­net und erfor­der­lich sein muss. Sie ist geeig­net, wenn der gewünsch­te Erfolg mit ihrer Hil­fe geför­dert wer­den kann, und erfor­der­lich, wenn der Gesetz­ge­ber kein ande­res, das betref­fen­de Grund­recht nicht oder doch weni­ger fühl­bar ein­schrän­ken­des Mit­tel hät­te wäh­len kön­nen. Fer­ner darf der mit der Maß­nah­me ver­bun­de­ne Ein­griff nicht außer Ver­hält­nis zur Bedeu­tung der Sache ste­hen. 

Die Ein­füh­rung einer Frist zur Gel­tend­ma­chung von Leis­tun­gen ver­folg­te nach den bereits zuvor zitier­ten Geset­zes­ma­te­ria­li­en ein legi­ti­mes und im öffent­li­chen Inter­es­se lie­gen­des Rege­lungs­ziel, näm­lich der Beklag­ten einen Über­blick zu ver­schaf­fen über die Anzahl der bis dahin noch unbe­kann­ten oder ihr nicht förm­lich gemel­de­ten Fäl­le und damit auch über den vor­aus­sicht­li­chen finan­zi­el­len Bedarf. Sie war auch geeig­net, die­sen Zweck zu errei­chen. Letz­te­res kann die Klä­ge­rin nicht mit dem Argu­ment in Zwei­fel zie­hen, der Finanz­be­darf sei des­halb nicht abseh­bar gewe­sen, weil für soge­nann­te Alt­fäl­le im Lau­fe der Zeit höhe­re Schä­di­gungs­gra­de oder auch neue Bedar­fe aner­kannt wor­den sei­en. Denn es kommt auf die Sach­la­ge bei Ein­füh­rung der Gel­tend­ma­chungs­frist Ende 1982 an. Zudem darf der Gesetz­ge­ber bei der Abschät­zung des künf­ti­gen Finanz­be­darfs mit pro­gnos­ti­schen Durch­schnitts­wer­ten je Fall ope­rie­ren. 

Zur Errei­chung des genann­ten Zwecks war die Ein­füh­rung einer Frist zur Gel­tend­ma­chung der Leis­tun­gen auch erfor­der­lich, ein das Eigen­tums­grund­recht weni­ger ein­schrän­ken­des Mit­tel ist nicht ersicht­lich. 

Dar­über hin­aus war die gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­me ver­hält­nis­mä­ßig im enge­ren Sinn. Sie führt zu einem ange­mes­se­nen Inter­es­sen­aus­gleich, der auch den Belan­gen der Leis­tungs­be­rech­tig­ten in hin­rei­chen­der Wei­se Rech­nung trägt. Inso­weit ist zunächst zu berück­sich­ti­gen, dass die Berech­tig­ten im Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens der Frist zur Gel­tend­ma­chung von Leis­tun­gen ihre Ansprü­che gegen die Beklag­te bereits seit etwa zehn Jah­ren, näm­lich seit Inkraft­tre­ten des Errich­tungs­ge­set­zes Ende Okto­ber 1972 gel­tend machen konn­ten und ihnen ein wei­te­res Jahr bis Ende 1983 ver­blieb, um noch ent­spre­chend tätig zu wer­den. Hin­zu kommt bei unver­schul­de­ter Frist­ver­säum­nis die Mög­lich­keit der Gewäh­rung von Wie­der­ein­set­zung in den vori­gen Stand nach Maß­ga­be des § 32 VwVfG. Besteht eine sol­che Mög­lich­keit zur Wie­der­ein­set­zung in Här­te­fäl­len, ist dies für die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit einer Inhalts- und Schran­ken­be­stim­mung durch eine Gel­tend­ma­chungs­frist von erheb­li­cher Bedeu­tung [11]. Zudem ist die vom Gesetz­ge­ber gewähl­te Frist und die ins­ge­samt für die Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen zur Ver­fü­gung ste­hen­de Zeit nicht nur ins Ver­hält­nis zu set­zen zu der sei­ner­zeit gel­ten­den drei­ßig­jäh­ri­gen Ver­jäh­rungs­frist nach § 195 oder § 852 Abs. 1 Halbs. 2 BGB a.F., son­dern auch zu der ledig­lich drei­jäh­ri­gen Ver­jäh­rungs­frist nach § 852 Abs. 1 Halbs. 1 BGB a.F. Schließ­lich ist zu berück­sich­ti­gen, dass zur Fris­t­wah­rung nichts wei­ter erfor­der­lich war, als etwai­ge Ansprü­che gegen­über der Beklag­ten gel­tend zu machen, wozu weder sub­stan­ti­ier­te Anga­ben not­wen­dig noch medi­zi­ni­sche Unter­la­gen, die die Art der Schä­di­gung oder gar einen Kau­sal­zu­sam­men­hang zur Ein­nah­me von Con­ter­gan wäh­rend der Schwan­ger­schaft the­ma­ti­sie­ren, vor­zu­le­gen waren.

Schließ­lich ist die in § 12 Abs. 2 Cont­StifG i.V.m. § 13 StHG für den Zeit­raum bis zum 30.06.2009 getrof­fe­ne Rege­lung im Hin­blick sowohl auf das Sozi­al­staats­prin­zip als auch den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich unbe­denk­lich. Inso­weit nimmt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Bezug auf die ent­spre­chen­den Aus­füh­run­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts, die auch ohne die hier­von aus­ge­nom­me­ne Ein­be­zie­hung der Aus­füh­run­gen zur Rechts­la­ge ab dem 1.07.2009 Bestand haben. Die Klä­ge­rin hat kei­ne Gesichts­punk­te vor­ge­bracht, die ergän­zen­de Aus­füh­run­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts erfor­dern. Sol­che Gesichts­punk­te sind auch sonst nicht ersicht­lich. 

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 26. Juni 2020 – 5 C 1.20

  1. BGBl. I S.2018[]
  2. BGBl. I S.2006[]
  3. BGBl. I S. 2967[]
  4. BVerwG, Urteil vom 18.04.1997 – 8 C 38.95, Buch­holz 454.71 § 27 2. WoGG Nr. 2 S. 6[]
  5. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 16.10.2007 – 2 BvR 51/​05BVerfGK 12, 303 <306 f.> BVerwG, Urteil vom 10.12.2013 – 8 C 25.12, Buch­holz 451.178 EEG Nr. 2 Rn. 30[]
  6. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.02.2010 – 1 BvR 1541/​09, 1 BvR 2685/​09NJW 2010, 1943 Rn. 39[]
  7. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.02.2010 – 1 BvR 1541/​09, 1 BvR 2685/​09NJW 2010, 1943 Rn. 28, 31; BVerwG, Urteil vom 19.06.2014 – 10 C 1.14, BVerw­GE 150, 44 Rn. 55[]
  8. vgl. BVerfG, Urteil vom 08.07.1976 – 1 BvL 19/​75, 1 BvL 20/​75, 1 BvR 148/​75, BVerfGE 42, 263 <294, 303> und Beschluss vom 26.02.2010 – 1 BvR 1541/​09, 1 BvR 2685/​09NJW 2010, 1943 Rn. 28[]
  9. vgl. BVerfG, Beschluss vom 07.12.2004 – 1 BvR 1804/​03, BVerfGE 112, 93 <107>[]
  10. vgl. BVerfG, Beschluss vom 08.10.1985 – 1 BvL 17/​83, 1 BvL 19/​83, BVerfGE 70, 278 <286>[][]
  11. vgl. BVerfG, Beschluss vom 08.10.1985 – 1 BvL 17/​83, 1 BvL 19/​83, BVerfGE 70, 278 <287>[]