Live­stream fü den Schul­un­ter­richt – und der Datenschutz

Es ist frag­lich, ob eine hes­si­sche Vor­schrift bestimm­te inhalt­li­che Anfor­de­run­gen der DS-GVO erfül­len müs­se, um eine „spe­zi­fi­sche Vor­schrift“ im Sin­ne der DS-GVO zu sein.

Live­stream fü den Schul­un­ter­richt – und der Datenschutz

So eine Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Wies­ba­den, das sich damit im Wege des Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chens an den Euro­päi­schen Gerichts­hof gewandt hat. Zu die­ser Anfra­ge ist es im Rah­men eines per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­chen Ver­fah­rens vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den gekom­men, bei dem es dar­um geht, ob es bei der Ein­füh­rung eines Live­strea­m­un­ter­rich­tes durch Video­kon­fe­renz­sys­te­me neben der Ein­wil­li­gung der Eltern für ihre Kin­der oder der voll­jäh­ri­gen Schü­ler, auch der Ein­wil­li­gung der jewei­li­gen Lehr­kraft bedarf oder die hier erfol­gen­de Daten­ver­ar­bei­tung durch das Hes­si­sches Daten­schutz- und Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz (HDSIG) gedeckt ist, sowie um die Fra­ge geht, wel­che Rech­te der Per­so­nal­rat hier­bei hat.

Von der Klä­rung der Fra­ge, ob eine Vor­schrift bestimm­te inhalt­li­che Anfor­de­run­gen der DS-GVO erfül­len müs­se, um eine „spe­zi­fi­sche Vor­schrift“ im Sin­ne der DS-GVO zu sein und ob eine natio­na­le Norm, wenn sie die­se Anfor­de­run­gen offen­sicht­lich nicht erfül­le, trotz­dem noch anwend­bar blei­ben kön­ne, hän­ge nach Mei­nung des Ver­wal­tungs­ge­richts Wies­ba­den ab, ob die hes­si­schen Vor­schrif­ten zum Daten­schutz die Anfor­de­run­gen der DS-GVO erfüll­ten und ob die­se Nor­men trotz eines mög­li­chen Ver­sto­ßes anwend­bar blieben.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den hat Zwei­fel dar­an, dass es sich bei den hes­si­schen Vor­schrif­ten (§ 23 Abs. 1 S. 1 HDSIG und § 86 Abs. 4 S. 1 HBG) um Nor­men han­de­le, die die Anfor­de­run­gen der DS-GVO (Art. 88 Abs. 2 DS-GVO) erfüll­ten. Die­se Anfor­de­run­gen sei­en weder in den hes­si­schen Nor­men selbst, noch durch ergän­zen­de Norm­vor­ga­ben an ande­rer Stel­le des jewei­li­gen Geset­zes erfüllt wor­den. Vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wer­den die­se Beden­ken zur wort­glei­chen Norm im Bun­des­da­ten­schutz­ge­setz nicht geteilt1. Aber das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den ist der Ansicht, dass allein der Hin­weis, dass der Ver­ant­wort­li­che ins­be­son­de­re die in der DS-GVO dar­ge­leg­ten Grund­sät­ze ein­zu­hal­ten habe (§ 23 Abs. 5 HDSIG; ent­spre­che wort­gleich § 26 Abs. 5 BDSG), nicht den Vor­ga­ben der DS-GVO (Art. 88 Abs. 2 DS-GVO) genüge.

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Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2020 – 23 K 1360/20.WI

  1. BAG, Beschluss vom 07.05.2019 – 1 ABR 53/​17[]

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