Mas­ken­pflicht für Demos – auch in Olden­burg

Vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt blieb jetzt ein Antrag, im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung die auf­schie­ben­de Wir­kung einer Kla­ge gegen die von der Stadt Olden­burg ver­füg­te Mas­ken­pflicht für eine Ver­samm­lung wie­der­her­zu­stel­len, ohne Erfolg:

Mas­ken­pflicht für Demos – auch in Olden­burg

Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Streit­fall – auch schon vor Anhän­gig­keit eines Ver­fah­rens zur Haupt­sa­che [1] – einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist. Dabei haben die Grün­de, die der Antrag­stel­ler für die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des ange­grif­fe­nen Hoheits­akts anführt, grund­sätz­lich außer Betracht zu blei­ben, es sei denn, die Ver­fas­sungs­be­schwer­de in der Haupt­sa­che erweist sich von vorn­her­ein als unzu­läs­sig oder offen­sicht­lich unbe­grün­det [2]. Erkenn­ba­re Erfolgs­aus­sich­ten einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen eine ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Eil­ent­schei­dung sind zu berück­sich­ti­gen, wenn ein Abwar­ten den Grund­rechts­schutz mit hoher Wahr­schein­lich­keit ver­ei­tel­te [3]. Bei einem offe­nen Aus­gang der Ver­fas­sungs­be­schwer­de sind die Fol­gen, die ein­tre­ten wür­den, wenn die einst­wei­li­ge Anord­nung nicht ergin­ge, die Ver­fas­sungs­be­schwer­de aber spä­ter Erfolg hät­te, gegen­über den Nach­tei­len abzu­wä­gen, die ent­stün­den, wenn die begehr­te einst­wei­li­ge Anord­nung erlas­sen wür­de, der Ver­fas­sungs­be­schwer­de jedoch der Erfolg ver­sagt blie­be [4].

Hier ist nicht ersicht­lich, dass die von dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im Wege vor­läu­fi­gen fach­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes vor­be­halt­lich einer Ein­schrän­kung in Bezug auf Kin­der bis zur Voll­endung des 6. Lebens­jah­res und bestimm­te Men­schen mit Behin­de­run­gen oder Vor­er­kran­kun­gen bestä­ti­ge Auf­la­ge, wonach Ver­samm­lungs­teil­neh­mer eine geeig­ne­te Mund-Nasen-Bede­ckung zu tra­gen haben, einen hin­rei­chend schwe­ren Nach­teil für die Antrag­stel­le­rin dar­stellt, der ein Ein­schrei­ten des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung gebie­ten wür­de. Die ange­mel­de­te Ver­samm­lung kann ins­be­son­de­re unter dem ange­mel­de­ten Mot­to und, nach­dem das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt unter ande­rem inso­weit bereits Eil­rechts­schutz gewährt hat, ohne Beschrän­kung der Zahl der Teil­neh­mer an dem gewünsch­ten Ort in der beab­sich­tig­ten Form statt­fin­den. Es ist auch in Anse­hung des Umstands, dass sich die Ver­samm­lung gera­de auch gegen bestehen­de Ver­pflich­tun­gen zum Tra­gen eines Mund-Nasen-Schut­zes im öffent­li­chen Raum rich­ten soll, nicht erkenn­bar, dass die strei­ti­ge Auf­la­ge den Demons­tra­ti­ons­er­folg in einer einen schwe­ren Nach­teil im Sin­ne des § 32 Abs. 1 BVerfGG bewir­ken­den Wei­se gefähr­det.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Juni 2020 – 1 BvQ 74/​20

  1. vgl. BVerfGE 134, 135, 137 Rn. 3 m.w.N.; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 7, 367, 371; 134, 138, 140 Rn. 6; stRspr[]
  3. vgl. BVerfGE 111, 147, 153; BVerfG, Beschluss vom 24.03.2018 – 1 BvQ 18/​18, Rn. 5; Beschluss vom 17.04.2020 – 1 BvQ 37/​20, Rn. 13; Beschluss vom 29.04.2020 – 1 BvQ 44/​20, Rn. 7[]
  4. vgl. BVerfGE 131, 47, 55; 132, 195, 232; stRspr[]