Mas­ken­pflicht – und die Beein­träch­ti­gung wäh­rend der Klau­sur

Wäh­rend der Prü­fung kann das für einen Stu­den­ten unge­wohn­te Tra­gen einer Mas­ke vor­aus­sicht­lich zu einer spür­ba­ren Beein­träch­ti­gung der Kon­zen­tra­ti­on füh­ren. Die­se Beein­träch­ti­gung steht aller Vor­aus­sicht nach außer Ver­hält­nis zu dem Schutz vor einer Infek­ti­on, der über die Ein­hal­tung der Abstands­re­ge­lung hin­aus durch das Tra­gen einer nicht medi­zi­ni­schen Mas­ke erreicht wer­den kann.

Mas­ken­pflicht – und die Beein­träch­ti­gung wäh­rend der Klau­sur

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen in dem hier vor­lie­gen­den Fall dem Eil­an­trag eines Medi­zin­stu­den­ten gegen die Mas­ken­pflicht teil­wei­se statt­ge­ge­ben.

Vor dem Hin­ter­grund der Coro­na-Pan­de­mie und in Aus­übung ihres Haus­rechts für die Lehr­räu­me der Medi­zi­ni­schen Fakul­tät hat die Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen das Tra­gen einer Mund-Nasen-Bede­ckung bei Lehr­ver­an­stal­tun­gen und Prü­fun­gen ohne Pati­en­ten­kon­takt sowie das Tra­gen eines medi­zi­ni­schen Mund-Nasen­schut­zes für Lehr­ver­an­stal­tun­gen und Prü­fun­gen mit Pati­en­ten­kon­takt ange­ord­net.

Als Stu­dent der Human­me­di­zin beab­sich­tig­te der Antrag­stel­ler, am 29. Mai 2020 sowie im Juni und im Juli 2020 im Rah­men sei­nes Stu­di­ums an ins­ge­samt vier Klau­su­ren ohne Pati­en­ten­kon­takt teil­zu­neh­men, die in den Räum­lich­kei­ten der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen statt­fin­den wer­den. Mit sei­nem Eil­an­trag begehr­te er die vor­läu­fi­ge Zulas­sung zu die­sen Prü­fun­gen ohne die Ver­pflich­tung zum Tra­gen eines Mund-Nasen-Schut­zes an dem ihm wäh­rend der Prü­fung zuge­wie­se­nen Sitz­platz. Zur Begrün­dung hat er vor­ge­tra­gen, auf dem Weg zum Prü­fungs­raum wer­de er in den Räu­men der Uni­ver­si­täts­me­di­zin selbst­ver­ständ­lich eine Mund-Nasen-Bede­ckung tra­gen. Er rech­ne aber mit erheb­li­chen Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten, wenn er auch wäh­rend der Prü­fun­gen eine Mas­ke tra­gen müs­se. Auch sei aus infek­ti­ons­schutz­fach­li­cher Sicht das Tra­gen eines Mund-Nasen-Schut­zes wäh­rend der Klau­su­ren nicht erfor­der­lich, da der Min­dest­ab­stand von 1,50 Metern zu den ande­ren Prüf­lin­gen ein­ge­hal­ten wer­de. Die Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen hat hier­zu erwi­dert, ins­be­son­de­re zum Schutz der Pati­en­ten sei das Tra­gen eines Mund-Nasen-Schut­zes auch wäh­rend der Prü­fun­gen erfor­der­lich.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen aus­ge­führt, dass es
der­zeit noch gar nicht fest­ste­he, wel­che Hygie­ne- und Abstands­re­ge­lun­gen die Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen den Teil­neh­mern der Klau­su­ren im Juni und Juli 2020 vor­ge­ben wer­de. Dem­nach bestehe hin­sicht­lich die­ser Klau­su­ren der­zeit kein recht­li­ches Bedürf­nis für den Erlass der begehr­ten einst­wei­li­gen Anord­nung.

Aller­dings sei der Antrag bezüg­lich der Klau­sur vom 29. Mai 2020 zuläs­sig und begrün­det. Denn das für einen Stu­den­ten unge­wohn­te Tra­gen einer Mas­ke wür­de vor­aus­sicht­lich zu einer spür­ba­ren Beein­träch­ti­gung der Kon­zen­tra­ti­on wäh­rend der Prü­fung füh­ren. Die­se Beein­träch­ti­gung ste­he aller Vor­aus­sicht nach außer Ver­hält­nis zu dem Schutz vor einer Infek­ti­on, der über die Ein­hal­tung der Abstands­re­ge­lung hin­aus durch das Tra­gen einer nicht medi­zi­ni­schen Mas­ke erreicht wer­den kön­ne.

Zudem habe die Georg-August-Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen für ihren Zustän­dig­keits­be­reich – also außer­halb der Uni­ver­si­täts­me­di­zin – im Hin­blick auf die Durch­füh­rung von Prü­fun­gen bestimmt, dass das Tra­gen einer Mund-Nasen-Bede­ckung nur in den Berei­chen und in den Pha­sen der Prü­fung ver­langt wer­de, in denen unter Umstän­den der gefor­der­te Sicher­heits­ab­stand nicht ein­ge­hal­ten wer­de, also z.B. im Gebäu­de oder Trep­pen­haus auf dem Weg zur Prü­fung oder beim Betre­ten des Prü­fungs­raums. Wäh­rend der Prü­fung kön­ne der Schutz dort hin­ge­gen abge­nom­men wer­den.

Es sei für das Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen kein Grund erkenn­bar, war­um bei Prü­fun­gen der Uni­ver­si­täts­me­di­zin Göt­tin­gen etwas ande­res gel­ten soll­te. Zwar fän­den die­se Prü­fun­gen regel­mä­ßig in den Räum­lich­kei­ten der Uni­ver­si­täts­me­di­zin statt. Dem von der Antrags­geg­ne­rin inso­weit ange­führ­ten Schutz der Pati­en­ten wer­de aber bereits dadurch hin­rei­chend Rech­nung getra­gen, dass die Prüf­lin­ge auf dem Weg zum Prü­fungs­raum eine Mund-Nasen-Bede­ckung zu tra­gen haben. Ein Pati­en­ten­kon­takt wäh­rend der Prü­fung selbst sei indes aus­zu­schlie­ßen.

Aus die­sen Grün­den gab das Ver­wal­tungs­ge­richt dem Antrag hin­sicht­lich der Klau­sur vom 29. Mai 2020 statt und lehn­te ihn hin­sicht­lich der Klau­su­ren von Juni und Juli 2020 ab.

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Beschluss vom 27. Mai 2020 – 4 B 112/​20