Maut­ge­büh­ren für den ÖPNV

Soweit auf einer Stra­ße Maut­ge­büh­ren erho­ben wer­den, sind die­se nicht nur von Pri­vat­fahr­zeu­gen zu zah­len, son­dern auch von den im Öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr ein­ge­setz­ten Fahr­zeu­gen. Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schied jetzt in zwei Ver­fah­ren, dass auch Fahr­zeu­ge des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs im Lübe­cker Her­ren­tun­nel Maut­ge­büh­ren zah­len müs­sen.

Maut­ge­büh­ren für den ÖPNV

Geklagt hat­te die Lübeck-Tra­ve­mün­der Ver­kehrs­ge­sell­schaft, die von der Her­ren­tun­nel Lübeck GmbH & Co KG zur Zah­lung von Maut­ge­büh­ren her­an­ge­zo­gen wor­den war. Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ver­wal­tungs­ge­richt hat­te dar­auf­hin im Novem­ber 2007 die Gebüh­ren­be­schei­de auf­ge­ho­ben, da die Gebüh­ren bereits vor­ab gezahlt wor­den sei­en und nicht ein zwei­tes Mal erho­ben wer­den dürf­ten. Die Her­ren­tun­nel Lübeck GmbH & Co KG habe von der Han­se­stadt Lübeck einen Betrag in Höhe von 175 Mil­lio­nen DM zur antei­li­gen Finan­zie­rung des Tun­nels erhal­ten. Nach einem zwi­schen der Her­ren­tun­nel Lübeck GmbH & Co KG und der Han­se­stadt Lübeck geschlos­se­nen Kon­zes­si­ons­ver­trag habe die­ser soge­nann­te Sockel­be­trag u.a. dazu die­nen sol­len, den ÖPNV von Maut­ge­büh­ren frei­zu­stel­len.

Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richts hat die Urtei­le des Ver­wal­tungs­ge­richts nun jedoch auf­ge­ho­ben und die Kla­gen abge­wie­sen. Die Zah­lung des Sockel­be­tra­ges ste­he dem Erlass der Gebüh­ren­be­schei­de nicht ent­ge­gen. Die Han­se­stadt Lübeck und die Her­ren­tun­nel Lübeck GmbH & Co KG hät­ten in dem Kon­zes­si­ons­ver­trag kei­ne Ver­ein­ba­rung über die Ablö­sung oder Vor­aus­zah­lung einer spä­ter ent­ste­hen­den Gebüh­ren­schuld getrof­fen, son­dern eine Frei­stel­lung der Fahr­zeu­ge des ÖPNV von der Gebüh­ren­pflicht ver­ein­bart. Eine sol­che Frei­stel­lung sei mit den Vor­schrif­ten des Fern­stra­ßen­bau­pri­vat­fi­nan­zie­rungs­ge­set­zes nicht ver­ein­bar. Der Kon­zes­si­ons­ver­trag sei daher auf­grund eines Ver­sto­ßes gegen die Geset­zes­bin­dung bei der Abga­ben­er­he­bung nich­tig, soweit in ihm die Befrei­ung der Fahr­zeu­ge des ÖPNV von den Maut­ge­büh­ren ver­ein­bart wor­den sei. Die Gebüh­ren­schuld sei durch die Zah­lung des Sockel­be­tra­ges nicht getilgt wor­den.

Schles­wig-Hol­stei­ni­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 15. Mai 2009 – 2 LB 21/​08 und 2 LB 22/​08