Min­dest­no­te für den Mas­ter-Stu­di­en­gang

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main hat die Johann Wolf­gang Goe­the-Uni­ver­si­tät in Frankfurt/​Main im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung ver­pflich­tet, einen Bewer­ber im Mas­ter­stu­di­en­gangMas­ter of Sci­ence in Manage­ment“ zuzu­las­sen, obwohl er die von der Uni­ver­si­tät in ihrer Stu­di­en­ord­nung vor­ge­schrie­be­ne Min­dest­no­te aus dem Bache­lor-Stu­di­en­gang nicht erreicht hat.

Min­dest­no­te für den Mas­ter-Stu­di­en­gang

Der Antrag­stel­ler absol­vier­te an der Fach­hoch­schu­le Frank­furt am Main den Stu­di­en­gang „Wirt­schafts­recht – Busi­ness Law“ und schloss ihn mit dem Bache­lor of Laws, LL.B ab. Er bewarb sich zum Som­mer­se­mes­ter 2009/​2010 für den Stu­di­en­gang „Mas­ter of Sci­ence in Manage­ment“, Kern­be­reich Finan­ce & Infor­ma­ti­on Manage­ment an der Johann Wolf­gang Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main, der Antrags­geg­ne­rin. Mit Bescheid vom 11.08.2009 lehn­te die Antrags­geg­ne­rin die Zulas­sung des Antrag­stel­lers ab, da sein vor­läu­fi­ges Zeug­nis nicht die erfor­der­li­che Min­dest­no­te von „gut“ (2,5) auf­wei­se. Der Antrag­stel­ler leg­te gegen die­sen Bescheid Wider­spruch ein, den die Uni­ver­si­tät zurück­wies. Der Antrag­stel­ler hat hier­ge­gen Kla­ge erho­ben und wei­ter­hin um vor­läu­fi­gen Rechts­schutz nach­ge­sucht.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main hat dar­auf­hin die Johann Wolf­gang Goe­the-Uni­ver­si­tät im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung ver­pflich­tet, den Antrag­stel­ler vor­läu­fig zum Stu­di­um im Stu­di­en­gang „Mas­ter of Sci­ence in Manage­ment“, Kern­be­reich Finan­ce & Infor­ma­ti­on Manage­ment im 1. Fach­se­mes­ter zuzu­las­sen, sofern die übri­gen Ein­schrei­bungs­vor­aus­set­zun­gen nach der Imma­tri­ku­la­ti­ons­ver­ord­nung vor­lie­gen.

Zu den Vor­aus­set­zun­gen für den Zugang zu kon­se­ku­ti­ven Mas­ter­stu­di­en­gän­gen habe das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main zwar in meh­re­ren Ver­fah­ren – bestä­tigt durch den Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof – ent­schie­den, dass die Hes­si­schen Hoch­schu­len das Recht zur Selbst­ver­wal­tung hät­ten, ins­be­son­de­re ihre Ange­le­gen­hei­ten in Sat­zun­gen zu regeln. Die zustän­di­gen Fach­be­reichs­rä­te hät­ten die erfor­der­li­chen Prü­fungs­ord­nun­gen zu erlas­sen.

Man­gels einer rechts­wirk­sa­men, die Zulas­sungs­vor­aus­set­zun­gen regeln­den Prü­fungs­ord­nung kön­ne sich die Antrags­geg­ne­rin vor­lie­gend aber nicht auf die von ihr in ihren ableh­nen­den Beschei­den gel­tend gemach­ten Zulas­sungs­be­schrän­kun­gen beru­fen. Sowohl die Prü­fungs­ord­nung Mas­ter of Sci­ence in Manage­ment vom 02.07.2008, als auch die geän­der­te Fas­sung vom 17.09.2009, habe erst vor­läu­fi­gen Cha­rak­ter und sei noch nicht geneh­migt. Auch sei die­ser Stu­di­en­gang noch nicht akkre­di­tiert. Es feh­le danach an der rechts­wirk­sa­men Grund­la­ge für die Nicht­zu­las­sungs­ent­schei­dung.

Eine Ver­sa­gung des Zugangs zu dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Stu­di­en­gang las­se sich auch nicht aus ande­ren Rechts­vor­schrif­ten her­lei­ten. Der Antrag­stel­ler sei im Besitz der grund­sätz­lich den Hoch­schul­zu­gang gestat­ten­den Vor­aus­set­zun­gen und ande­re, sei­nen Zugang zwin­gend ver­hin­dern­de Zugangs­hin­der­nis­se sei­en nicht ersicht­lich. Die­se könn­ten ins­be­son­de­re nicht dar­in gese­hen wer­den, dass der Bache­lor-Abschluss ein ers­ter qua­li­fi­zie­ren­der Abschluss sei, wäh­rend der Mas­ter­stu­di­en­gang ein höhe­res Qua­li­fi­zie­rungs­ni­veau erfor­de­re. Die ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten nro­mier­ten kei­ne detail­lier­ten Qua­li­täts­an­for­de­run­gen, son­dern öff­ne­ten den Hoch­schu­len die Ein­rich­tung von Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­gen. Damit sei den Hoch­schu­len mit der Bolo­gna-Reform die Mög­lich­keit eröff­net, das Aus­bil­dungs­sys­tem neu und weit­ge­hend auto­nom zu gestal­ten. Man­gels einer rechts­gül­ti­gen Rege­lung habe die Antrags­geg­ne­rin die­sen Gestal­tungs­auf­trag noch nicht umge­setzt und dür­fe dem Antrag­stel­ler den Zugang zum begehr­ten Stu­di­en­gang aus Eig­nungs­ge­sichts­punk­ten nicht ver­weh­ren. Ins­be­son­de­re sei auch nicht ersicht­lich, dass der Antrag­stel­ler mit der von ihm erziel­ten End­no­te 2,8 sei­nes an der Fach­hoch­schu­le Frank­furt am Main erziel­ten Bache­lor-Gra­des wegen feh­len­der stu­di­en­gangspe­zi­fi­scher Eig­nung und Vor­qua­li­fi­ka­ti­on das Niveau des Stu­di­en­gan­ges und die Repu­ta­ti­on des Mas­ter­ab­schlus­ses ernst­haft gefähr­den kön­ne. Wenn­gleich es im Inter­es­se der Hoch­schu­le lie­ge, für beson­de­re qua­li­fi­zier­te Stu­di­en­be­wer­ber einen Mas­ter­stu­di­en­gang durch­zu­füh­ren, des­sen Abschluss die beson­de­re Qua­li­fi­ka­ti­on des Stu­den­ten zei­ge und ihn des­halb am Arbeits­markt aus­zeich­ne, sei es ange­sichts der gege­be­nen Sach- und Rechts­la­ge für sie zumut­bar den Antrag­stel­ler vor­läu­fig zum begehr­ten Stu­di­en­gang zuzu­las­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main, Beschluss vom – 12 L 145/​10.F