Miss­brauchs­ge­bühr wegen aus­ufern­der Begrün­dung

Aktu­ell hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt wie­der ein­mal eine Miss­brauchs­ge­bühr ver­hängt, dies­mal in Höhe von 500,- € und auch nicht gegen den Beschwer­de­füh­rer, son­dern gegen des­sen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten. Die Begrün­dung ist lesens­wert:

Miss­brauchs­ge­bühr wegen aus­ufern­der Begrün­dung

Den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Beschwer­de­füh­re­rin wird eine Miss­brauchs­ge­bühr in Höhe von 500 € auf­er­legt, weil die Erhe­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de miss­bräuch­lich im Sin­ne von § 34 Abs. 2 BVerfGG war und die­ser Miss­brauch den Bevoll­mäch­tig­ten der Beschwer­de­füh­re­rin zuzu­rech­nen ist. Die völ­lig aus­ufern­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de genügt in wei­ten Tei­len offen­sicht­lich nicht den Anfor­de­run­gen an eine sub­stan­ti­ier­te Begrün­dung. Den enor­men Umfang der Beschwer­de­schrift – ein­schließ­lich ergän­zen­der Schrift­sät­ze von mehr als 330 Sei­ten – haben die Bevoll­mäch­tig­ten der Beschwer­de­füh­re­rin unter ande­rem durch umfang­rei­che, sach­lich durch nichts gerecht­fer­tig­te Wie­der­ho­lun­gen mut­wil­lig her­bei­ge­führt. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss es nicht hin­neh­men, dass es durch eine der­art sinn­ent­leer­te Inan­spruch­nah­me sei­ner Arbeits­ka­pa­zi­tät bei der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben behin­dert wird und dadurch ande­ren Recht­su­chen­den den ihnen zukom­men­den Grund­rechts­schutz nur ver­zö­gert gewäh­ren kann 1.

In dem zivil­recht­li­chen Aus­gangs­ver­fah­ren, gegen des­sen Urtei­le – zuletzt des Bun­des­ge­richtsh­fos – sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de rich­te­te, ging es um 4,25 Mio. €. Da dürf­te die Miß­brauchs­ge­bühr den kleins­ten Kos­ten­block dar­stel­len…

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 29. Juni 2010 – 1 BvR 2358/​08

  1. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 08.10.2001 – 2 BvR 1004/​01; und vom 24.11.2009 – 1 BvR 3324/​08[]