Mit Zelt und Schlaf­sack bei der Mahn­wa­che

Unter den Schutz der grund­ge­setz­lich gewähr­leis­te­ten Ver­samm­lungs­frei­heit fällt nur die Nut­zung von Gegen­stän­de, die zur Ver­wirk­li­chung des Ver­samm­lungs­zwecks wesens­not­wen­dig sind. Zel­ten, Pavil­lons und Schlaf­sä­cke die­nen ledig­lich der Bequem­lich­keit der Teil­neh­mer und gehö­ren nicht dazu.

Mit Zelt und Schlaf­sack bei der Mahn­wa­che

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in einem Eil­ver­fah­ren ent­schie­den, in dem es um die Nut­zung von Zel­ten, Schlaf­sä­cken, Iso­mat­ten sowie Pavil­lons, Pla­nen und Pap­pen bei der Dau­er­mahn­wa­che „Blei­be­recht für alle, Abschaf­fung der Resi­denz­pflicht“ vor dem Bran­den­bur­ger Tor ging. Der Poli­zei­prä­si­dent in Ber­lin unter­sag­te dem Ver­an­stal­ter der Mahn­wa­che die Nut­zung der Gegen­stän­de, sofern die­se „dem Wit­te­rungs­schutz, dem Sit­zen, dem Lie­gen oder in sons­ti­ger Wei­se der Bequem­lich­keit von Ver­samm­lungs­teil­neh­mern“ dien­ten. Wegen ver­schie­de­ner Ver­stö­ße gegen die­se Auf­la­ge nah­men Poli­zei­be­am­te in der Nacht des 27. Okto­ber 2012 u.a. Regen­schir­me, Decken, einen Schlaf­sack und Iso­mat­ten in Ver­wah­rung. Hier­ge­gen wen­det sich der Eil­an­trag.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin sei die Nut­zung von Sitz­kis­sen, klei­ne­ren Pap­pen oder ähn­li­chen Sitz­un­ter­la­gen zu gestat­ten. Im Übri­gen bestä­tig­te das Ver­wal­tungs­ge­richt aber das Vor­ge­hen der Poli­zei: Unter den Schutz der grund­ge­setz­lich gewähr­leis­te­ten Ver­samm­lungs­frei­heit fal­le nur die Nut­zung sol­cher Gegen­stän­de, die zur Ver­wirk­li­chung des Ver­samm­lungs­zwecks wesens­not­wen­dig sei­en. Bei den in Rede ste­hen­den Zel­ten und Pavil­lons sei dies nicht der Fall. Die­se dien­ten ledig­lich der Bequem­lich­keit der Teil­neh­mer und hät­ten kei­nen Bezug zur gemein­sa­men Mei­nungs­kund­ga­be. Im Übri­gen bestehe zwar kein Anspruch auf mög­lichst opti­ma­le Rah­men­be­din­gun­gen für die Durch­füh­rung einer Ver­samm­lung; von Teil­neh­mern einer Dau­er­mahn­wa­che kön­ne aber auch nicht ver­langt wer­den, sich den Wit­te­rungs­be­din­gun­gen voll­kom­men unge­schützt aus­zu­set­zen. Bei Ver­samm­lun­gen über einen län­ge­ren Zeit­raum sei daher auch das zeit­wei­li­ge Aus­ru­hen der ein­zel­nen Ver­samm­lungs­teil­neh­mer von Art. 8 GG geschützt. Der Schutz der Ver­samm­lungs­teil­neh­mer vor Wit­te­rung und ins­be­son­de­re vor Käl­te sei aber auf das abso­lut not­wen­di­ge Maß zu beschrän­ken. Vor dem Hin­ter­grund, dass seit dem 31. Okto­ber 2012 mit Dul­dung des Bezirks­am­tes Ber­lin-Mit­te vier Wär­me­bus­se auf dem Pari­ser Platz auf­ge­stellt sei­en, sei­en der Schutz vor der Käl­te und Schlaf­pau­sen wirk­sam ander­wei­tig gewähr­leis­tet.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 2. Novem­ber 2012 – 1 L 299.12