Mit­glied­schaft in der jüdi­schen Gemein­de

Eine Mit­glied­schaft in der jüdi­schen Gemein­de kann auch für zuge­zo­ge­ne Juden nicht ohne eine ein­deu­ti­ge Wil­lens­be­kun­dung begrün­det wer­den. So ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig, dass die jüdi­sche Gemein­de in Frank­furt ein aus Frank­reich zuge­zo­ge­nes Ehe­paar jüdi­schen Glau­bens nicht mit Wir­kung für das staat­li­che Recht als Mit­glied behan­deln darf. Damit ent­fällt für die jüdi­sche Gemein­de in Frank­furt ins­be­son­de­re die Mög­lich­keit, das kla­gen­de Ehe­paar zur Kul­tus­steu­er (Kir­chen­steu­er) her­an­zu­zie­hen.

Mit­glied­schaft in der jüdi­schen Gemein­de

Nach der Sat­zung der beklag­ten Gemein­de bestimmt sich die Mit­glied­schaft in ihr nach der jüdi­schen Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit, die ins­be­son­de­re durch die Abstam­mung von einer jüdi­schen Mut­ter ver­mit­telt wird, und der Wohn­sitz­nah­me. Eine so begrün­de­te Mit­glied­schaft in der recht­lich ver­fass­ten Reli­gi­ons­ge­mein­schaft kann im staat­li­chen Recht wegen des Grund­rechts der Bekennt­nis­frei­heit nur dann aner­kannt wer­den, wenn sie von einer Wil­lens­ent­schei­dung des Betrof­fe­nen getra­gen ist. Der zuvor mit dem Rechts­streit befass­te Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat unter ande­rem der Erklä­rung der Klä­ger gegen­über dem Ein­woh­ner­mel­de­amt über ihre Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit eine der­ar­ti­ge Wil­lens­be­kun­dung ent­nom­men [1].

Dem ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun jedoch nicht gefolgt: Zwar haben die Klä­ger nach ihrem Zuzug gegen­über der Mel­de­be­hör­de im Anmel­de­for­mu­lar bei der Fra­ge nach der Reli­gi­on „mosa­isch“ ange­ge­ben. Vor dem Hin­ter­grund viel­fäl­ti­ger Strö­mun­gen im Juden­tum geht aus die­ser all­ge­mei­nen Aus­kunft über die Glau­bens­zu­ge­hö­rig­keit aber nicht mit der gebo­te­nen Ein­deu­tig­keit her­vor, dass die Klä­ger, die sich nach ihren Anga­ben dem libe­ra­len Juden­tum ver­bun­den füh­len, der in Frank­furt bestehen­den jüdi­schen Gemein­de in ihrer kon­kre­ten Aus­rich­tung zuge­hö­ren wol­len.

Schließ­lich kann auch nicht davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass allein die bis­he­ri­ge Mit­glied­schaft in einer jüdi­schen Gemein­de in Frank­reich im Fal­le des Wohn­sitz­wech­sels auto­ma­tisch die Mit­glied­schaft in der jüdi­schen Gemein­de des neu­en Wohn­orts zur Fol­ge hat.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 23. Sep­tem­ber 2010 – 7 C 22.09

  1. Hes­si­scher VGH, Urteil vom 19.05.2009 – 10 A 2097/​07[]