Mitt­le­re Rei­fe im ver­kürz­ten gym­na­sia­len Bil­dungs­gang G 8

Wäh­rend Schü­ler des her­kömm­li­chen gym­na­sia­len Bil­dungs­gan­ges (G 9) am Ende der gym­na­sia­len Mit­tel­stu­fe eine Gleich­stel­lung mit dem Real­schul­ab­schluss errei­chen, erfolgt für G 8 – Schü­ler am Ende der gym­na­sia­len Mit­tel­stu­fe ledig­lich eine Gleich­stel­lung mit dem Haupt­schul­ab­schluss. Eine Gleich­stel­lung mit dem Real­schul­ab­schluss kann bei G8 – Schü­lern dage­gen erst nach einem Jahr in der gym­na­sia­len Ober­stu­fe erreicht wer­den.

Mitt­le­re Rei­fe im ver­kürz­ten gym­na­sia­len Bil­dungs­gang G 8

Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Beru­fung eines Schü­lers zurück­ge­wie­sen, der mit sei­nem Begeh­ren, mit dem Schul­zeug­nis der Jahr­gangs­stu­fe 9 eines Gym­na­si­ums im ver­kürz­ten gym­na­sia­len Bil­dungs­gang (G 8) gleich­zei­tig ein Zeug­nis über den Erwerb der Mitt­le­ren Rei­fe zu erhal­ten, bereits vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt geschei­tert war. Geklagt hat­te ein Schü­ler, der im Schul­jahr 2009/​2010 die Jahr­gangs­stu­fe 9 eines Gym­na­si­ums im ver­kürz­ten gym­na­sia­len Bil­dungs­gang (G 8) besucht hat­te. Mit Schrei­ben sei­nes Anwalts vom Mai 2010 bean­trag­te er, ihm zum Ende des Schul­jah­res 2009 /​2010 ein Zeug­nis über den Erwerb der Mitt­le­ren Rei­fe, kon­kret mit dem Ver­merk aus­zu­stel­len:
"Die­ses Zeug­nis ist dem mitt­le­ren Abschluss/​Realschulabschluss gleich­ge­stellt."
Die­sen Antrag lehn­te das Land Hes­sen im Juli 2010 ab. Die gegen die­se Ableh­nung erho­be­ne Kla­ge wur­de vom Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main mit Urteil vom 20. Janu­ar 2010 abge­wie­sen. Dage­gen ist Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs sei – nach den hier ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen des Hes­si­schen Schul­rechts – nur ein Zeug­nis, mit dem G 8‑Schüler zur sog. Qua­li­fi­ka­ti­ons­pha­se der gym­na­sia­len Ober­stu­fe zuge­las­sen wer­den, einem Real­schul­ab­schluss gleich­ge­stellt. Dies sei nach einem erfolg­rei­chen Absol­vie­ren der Jahr­gangs­stu­fe 10 der gym­na­sia­len Ober­stu­fe der Fall. Wäh­rend die Schü­ler des her­kömm­li­chen gym­na­sia­len Bil­dungs­gan­ges (G 9) am Ende der gym­na­sia­len Mit­tel­stu­fe eine Gleich­stel­lung mit dem Real­schul­ab­schluss erreich­ten, erfol­ge für G 8- Schü­ler am Ende der gym­na­sia­len Mit­tel­stu­fe ledig­lich eine Gleich­stel­lung mit dem Haupt­schul­ab­schluss. Im Unter­schied zu G 9‑Schülern kön­ne eine Gleich­stel­lung mit dem Real­schul­ab­schluss dage­gen erst nach einem Jahr in der gym­na­sia­len Ober­stu­fe erreicht wer­den.

In die­ser Ungleich­be­hand­lung liegt nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs auch kei­ne Ver­let­zung des Gleich­heits­sat­zes des Grund­ge­set­zes (Art. 3 GG). Die Gesamt­heit der Berech­ti­gun­gen, die mit der Zuer­ken­nung des Real­schul­ab­schlus­ses ein­her­ge­hen, also etwa der Zugang zur betrieb­li­chen Berufs­aus­bil­dung mit gleich­zei­ti­gem Berufs­schul­be­such, der Zugang zur Lauf­bahn des mitt­le­ren öffent­li­chen Diens­tes bei gleich­zei­ti­gem Berufs­schul­be­such oder der Zugang zu Schu­len der Sekun­dar­stu­fe 2 sowie zu Fach­schu­len sei­en prin­zi­pi­ell ein­heit­lich vom Durch­lau­fen von zehn Schul­jah­ren und dem damit ver­bun­de­nen Erwerb einer bestimm­ten Rei­fe sowie von sozia­len Kom­pe­ten­zen abhän­gig gemacht wor­den. Im Hin­blick auf die Rechts­po­si­tio­nen von Schü­lern sowie deren Eltern sei dies eine ver­hält­nis­mä­ßi­ge Rege­lung zur Ver­wirk­li­chung legi­ti­mer staat­li­cher Aus­bil­dungs- und Erzie­hungs­zie­le. Dar­über hin­aus wer­de durch ein Fest­hal­ten am Erfor­der­nis des Durch­lau­fens von zehn Schul­jah­ren bis zum Erwerb des Real­schul­ab­schlus­ses gewähr­leis­tet, dass ein im Bun­des­land Hes­sen erwor­be­ner Real­schul­ab­schluss auch in ande­ren Bun­des­län­dern Aner­ken­nung fin­de.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 13. August 2013 – 7 A 2057/​12