Mo­bil­funk­sen­de­an­la­ge und die Bau­nut­zungs­ver­ord­nung

Eine Mobil­funk­sen­de­an­la­ge, die bezo­gen auf das gesam­te infra­struk­tu­rel­le Ver­sor­gungs­netz eine unter­ge­ord­ne­te Funk­ti­on hat, ist eine fern­mel­de­tech­ni­sche Neben­an­la­ge im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Satz 2 BauN­VO.

Mo­bil­funk­sen­de­an­la­ge und die Bau­nut­zungs­ver­ord­nung

Dass eine Mobil­funk­sen­de­an­la­ge, wenn sie bezo­gen auf das gesam­te infra­struk­tu­rel­le Ver­sor­gungs­netz eine unter­ge­ord­ne­te Funk­ti­on hat, eine fern­mel­de­tech­ni­sche Neben­an­la­ge im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Satz 2 BauN­VO ist, ist in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung inzwi­schen all­ge­mein aner­kannt 1. Der 4. Senat des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs, der die Ein­stu­fung einer Mobil­funk­sen­de­an­la­ge als fern­mel­de­tech­ni­sche Neben­an­la­ge im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Satz 2 BauN­VO in einem Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ohne nähe­re Begrün­dung abge­lehnt hat­te 2, hat bei den ande­ren Ober­ge­rich­ten kei­ne Gefolg­schaft gefun­den. Der 10. Senat des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len, der die Fra­ge in einem Beschluss vom 25. Febru­ar 2003 3 noch offen gelas­sen hat­te, hat sich inzwi­schen der dar­ge­leg­ten Auf­fas­sung der ande­ren Ober­ge­rich­te ange­schlos­sen 4. Im Hin­blick auf die­sen Stand der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung hat sich die Lage gegen­über dem für die statt­ge­ben­de Kam­mer­ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 5 maß­ge­ben­den Zeit­punkt des dort ange­foch­te­nen Beschlus­ses (02.02.2005), in dem eine grund­sätz­li­che Bedeu­tung der Qua­li­fi­zie­rung einer Mobil­funk­sen­de­an­la­ge als fern­mel­de­tech­ni­sche Neben­an­la­ge im Sin­ne des § 14 Abs. 2 Satz 2 BauN­VO nicht hät­te ver­neint wer­den dür­fen, wesent­lich geän­dert. Eine Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zur Qua­li­fi­zie­rung von Mobil­funk­sen­de­an­la­gen ist in der Zwi­schen­zeit zwar nicht ergan­gen; einen Hin­weis zur Aus­le­gung des § 14 Abs. 2 Satz 2 BauN­VO hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jedoch bereits in sei­nem Beschluss vom 1. Novem­ber 1999 6 gege­ben. Dort hat er die Anwen­dung des § 14 Abs. 2 BauN­VO 1962/​1968/​1977 auf Mobil­funk­sen­de­an­la­gen abge­lehnt. Er hat jedoch dar­ge­legt, dass der Zweck der Ergän­zung des § 14 Abs. 2 BauN­VO im Jahr 1990 durch den neu­en Satz 2 dar­in bestan­den habe, den Anwen­dungs­be­reich die­ser Vor­schrift auf fern­mel­de­tech­ni­sche Neben­an­la­gen zu erwei­tern, weil auch sie der Ver­sor­gung der Bau­ge­bie­te die­nen könn­ten, jedoch vom Begriff der Elek­tri­zi­tät nicht erfasst wür­den. Er ist, ohne über die Vor­aus­set­zun­gen im Ein­zel­nen ent­schei­den zu müs­sen, davon aus­ge­gan­gen, dass Mobil­funk­sen­de­an­la­gen seit der Ände­rung der BauN­VO Neben­an­la­gen im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Satz 2 BauN­VO sein kön­nen.

Dass Mobil­funk­sen­de­an­la­gen in aller Regel kei­ne bau­grund­stücks- und bau­ge­biets­be­zo­ge­nen Neben­an­la­gen im Sin­ne von § 14 Abs. 1 Satz 1 BauN­VO sind, weil sie regel­mä­ßig nur in gerin­gem Umfang dem Nut­zungs­zweck eines Bau­ge­biets oder Bau­grund­stücks die­nend zu- und unter­ge­ord­net sind 4, steht ihrer Ein­stu­fung als Neben­an­la­gen im Sin­ne des § 14 Abs. 2 Satz 2 BauN­VO nicht ent­ge­gen. Inso­weit hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zutref­fend dar­ge­legt, dass mit § 14 Abs. 2 Satz 2 BauN­VO eine Spe­zi­al­re­ge­lung geschaf­fen wer­den soll­te, wel­che dazu dient, die­sen spe­zi­el­len Infra­struk­tur­sys­te­men einen erleich­ter­ten Zugang zu allen Bau­ge­bie­ten zu ver­schaf­fen. In die­sem Zusam­men­hang hat der Begriff der Neben­an­la­ge somit in ers­ter Linie einen instru­men­tell­rechts­tech­ni­schen Zweck, der mit dem Begriffs­in­halt, der ihm sonst in der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung zukommt, nicht über­ein­stimmt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 3. Janu­ar 2012 – 4 B 27.11

  1. Nds. OVG, Beschluss vom 06.12.2004 – 1 ME 256/​04 – BRS 67 Nr. 64; Hess. VGH, Urteil vom 06.12.2004 – 9 UE 2582/​03 – BRS 67 Nr. 65; OVG NRW, Beschluss vom 06.05.2005 – 10 B 2622/​04 – BRS 69 Nr. 83; BayVGH, Urteil vom 01.07.2005 – 25 B 01.2747 – BRS 69 Nr. 85; OVG Koblenz, Beschluss vom 05.02.2010 – 1 B 11356/​09 – BRS 76 Nr. 178; VGH Bad.-Württ., Beschluss vom 26.04.2010 – 8 S 33/​10BRS 76 Nr. 82[]
  2. Hess. VGH, Beschluss vom 29.07.1999 – 4 TG 2118/​99 – BRS 62 Nr. 83[]
  3. OVG NRW, Beschluss vom 25.02.2003 – 10 B 2417/​02, ZfBR 2003, 377[]
  4. OVG NRW, Beschluss vom 06.05.2005 a.a.O.[][]
  5. BVerfG, Beschluss vom 24.01.2007 – 1 BvR 382/​05 – BRS 71 Nr. 74[]
  6. BVerwG, Beschluss vom 01.11.1999 – 4 B 3.99, BRS 62 Nr. 82[]