Moden­schau an der Fleisch­the­ke

In einem fleisch- und wurst­ver­ar­bei­ten­den Ein­zel­han­dels­be­trieb sind bor­deau­x­ro­te Hem­den und schwar­ze Schür­zen kei­ne geeig­ne­te Arbeits­klei­dung. Meint jeden­falls das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin.

Moden­schau an der Fleisch­the­ke

In dem jetzt dort ent­schie­de­nen Fall klag­te ein Inha­ber von vier Lebens­mit­tel­ein­zel­han­dels­ge­schäf­ten in Ber­lin Ste­glitz-Zehlen­dorf. Bei Kon­trol­len der Laden­ge­schäf­te stell­te das Bezirks­amt fest, dass das Bedie­nungs­per­so­nal der Fleisch- und Wurst­the­ke bor­deau­x­ro­te Hem­den und schwar­ze Schür­zen trug. Die Behör­de gab dem Händ­ler dar­auf­hin auf, für hel­le Arbeits­klei­dung des Per­so­nals zu sor­gen. Nur auf hel­ler Klei­dung sei der Grad der Ver­schmut­zung ein­deu­tig optisch fest­stell­bar. Der Händ­ler mach­te dem­ge­gen­über gel­tend, die far­bi­ge Berufs­klei­dung wer­de aus Grün­den der „Cor­po­ra­te Iden­ti­ty“ ver­wen­det und sei aus­rei­chend farb­echt. Die Klei­dung wer­de min­des­tens täg­lich, bei Bedarf auch öfter gewech­selt. Die Behör­de habe kei­ne kon­kre­ten Män­gel, wie z. B. ver­un­rei­nig­te Berufs­be­klei­dung, fest­ge­stellt. Eine zwin­gen­de gesetz­li­che Ver­pflich­tung, hel­le Arbeits­klei­dung zu ver­wen­den, bestehe nicht. Das Ver­wal­tungs­ge­richt gab der Behör­de Recht und wies die Kla­gen des Ein­zel­händ­lers ab:

Die ver­wen­de­te Klei­dung ver­sto­ße gegen die euro­pa­recht­li­che Lebens­mit­tel­hy­gie­never­ord­nung, befand das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin. Danach müss­ten Per­so­nen, die im Lebens­mit­tel­be­reich arbei­te­ten, u.a. geeig­ne­te und sau­be­re Arbeits­klei­dung tra­gen. Die­ser Ver­pflich­tung genüg­ten bor­deau­x­ro­te Hem­den und schwar­ze Schür­zen in einem fleisch- und wurst­ver­ar­bei­ten­den Ein­zel­han­dels­be­trieb nicht.

Die Eig­nung von Berufs­klei­dung müs­se tätig­keits­spe­zi­fisch und mit Blick auf die gebo­te­ne Gewähr­leis­tung eines hohen Ver­brau­cher­schutz­ni­veaus beur­teilt wer­den. Die Ver­ar­bei­tung leicht ver­derb­li­cher, unver­pack­ter Lebens­mit­tel tie­ri­scher Her­kunft erfor­de­re es, dass Arbeits­klei­dung als­bald gewech­selt wer­de, wenn sie nicht mehr sau­ber sei. Mit­ar­bei­ter müss­ten daher in der Lage sein, Ver­schmut­zun­gen schnell und ein­fach zu bemer­ken, was beim Tra­gen hel­ler Arbeits­klei­dung bes­ser gewähr­leis­tet sei, weil dar­auf die Ver­schmut­zun­gen durch Blut oder Fleisch­saft deut­lich leich­ter aus­zu­ma­chen sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urtei­le vom 24. März 2015 – 14 K 344.11 und 14 K 150.12