Möl­le­mann-Spen­den vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt

Die Kla­ge der FDP gegen den Sank­ti­ons­be­scheid des Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges wegen der „Möl­le­mann-Spen­den“ blieb jetzt vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt teil­wei­se erfolg­los und im Übri­gen wei­ter offen.

Möl­le­mann-Spen­den vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat durch ein heu­te ver­kün­de­tes Urteil den Rechts­streit um den Sank­ti­ons­be­scheid, mit dem der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges die Beschei­de über die Gewäh­rung staat­li­cher Mit­tel an die Freie Demo­kra­ti­sche Par­tei (FDP) für die Jah­re 1997 bis 2001 sowie 2003 teil­wei­se zurück­ge­nom­men und gegen die Par­tei Rück­erstat­tungs- und Abfüh­rungs­ver­pflich­tun­gen von ins­ge­samt rund 3,5 Mio. € fest­ge­setzt hat, teil­wei­se an die Vor­in­stanz, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, zurück­ver­wie­sen, im Übri­gen aber die Recht­mä­ßig­keit des Sank­ti­ons­be­scheids bestä­tigt.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat wie bereits das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg [1] ange­nom­men, dass der FDP-Lan­des­ver­band Nord­rhein-West­fa­len in den Jah­ren 1996 bis 2000 und 2002 Bar­spen­den im Wert von ins­ge­samt über 786 000 € von sei­nem dama­li­gen Lan­des­vor­sit­zen­den Jür­gen W. Möl­le­mann rechts­wid­rig erlangt hat. Die Par­tei hat zum einen gegen das Ver­bot ver­sto­ßen, Spen­den anzu­neh­men, bei denen im Zeit­punkt der Annah­me der Spen­de der Spen­der nicht fest­stell­bar ist. Zwi­schen dem Spen­der Möl­le­mann und dem die Spen­de für die Par­tei anneh­men­den dama­li­gen Schatz­meis­ter bzw. Haupt­ge­schäfts­füh­rer des Lan­des­ver­ban­des hat die Ver­ab­re­dung bestan­den, die Iden­ti­tät des wah­ren Spen­ders weder par­tei­in­tern für die Par­tei­vor­stän­de noch für die Öffent­lich­keit fest­stell­bar wer­den zu las­sen. Zu die­sem Zweck sind die Spen­den gestü­ckelt und unter Ver­wen­dung fal­scher Spen­der­be­zeich­nun­gen bzw. durch als Spen­der auf­tre­ten­de „Stroh­män­ner“ auf Kon­ten des Lan­des­ver­ban­des der Par­tei ein­ge­zahlt wor­den. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Auf­fas­sung der Vor­in­stanz bestä­tigt, dass es für die Fest­stell­bar­keit des Spen­ders bei einem der­ar­ti­gen kol­lu­si­ven Zusam­men­wir­ken nicht auf das Wis­sen der zur Spen­den­an­nah­me befug­ten Per­son ankommt. Die Bar­spen­den in den Jah­ren 1996 bis 2000 sind zudem nicht ent­spre­chend dem Par­tei­en­gesetz unter Anga­be des Namens des Spen­ders in den Rechen­schafts­be­rich­ten der Par­tei ver­öf­fent­licht wor­den. Glei­ches gilt für ver­schie­de­ne Sach­spen­den im Gesamt­wert von ca. 550 000 €, die Möl­le­mann dem FDP-Lan­des­ver­band Nord­rhein-West­fa­len in den Jah­ren 1998 und 2000 zuge­wandt hat. Die fest­ge­stell­ten Rechts­ver­stö­ße füh­ren nach den hier noch anwend­ba­ren Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes in der bis 2002 gel­ten­den Fas­sung grund­sätz­lich zum Ver­lust des Anspruchs auf staat­li­che Mit­tel in Höhe des Zwei­fa­chen des rechts­wid­rig erlang­ten oder nicht den Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes ent­spre­chend ver­öf­fent­lich­ten Betra­ges.

In Höhe die­ses Anspruchs­ver­lusts sind die Beschei­de über die Gewäh­rung staat­li­cher Mit­tel, die auf der Grund­la­ge der jähr­lich ein­ge­reich­ten Rechen­schafts­be­rich­te ergan­gen sind, teil­wei­se rechts­wid­rig. Ihre Rück­nah­me ist nach einer 2002 in das Par­tei­en­gesetz ein­ge­füg­ten und auf zurück­lie­gen­de Spen­den­fäl­le ent­spre­chend anzu­wen­den­den Rege­lung jedoch dann aus­ge­schlos­sen, wenn die Par­tei Rechts­ver­stö­ße zu einem Zeit­punkt anzeigt, in dem kon­kre­te Anhalts­punk­te für die­se Ver­stö­ße außer­halb der Par­tei nicht bekannt waren, und sie den Sach­ver­halt umfas­send offen legt. Hin­sicht­lich der in den Jah­ren 1999, 2000 und 2002 erlang­ten Spen­den bestan­den Anhalts­punk­te für der­ar­ti­ge sank­ti­ons­be­frei­en­de Auf­klä­rungs­be­mü­hun­gen der Klä­ge­rin. Man­gels aus­rei­chen­der Tat­sa­chen­fe­stel­lun­gen ist dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hier­zu aller­dings kei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung mög­lich. Die Sache muss­te des­halb inso­weit an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen wer­den.

Im Übri­gen war der Sank­ti­ons­be­scheid nicht zu bean­stan­den. Ins­be­son­de­re hat der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges sein Ermes­sen nicht feh­ler­haft aus­ge­übt. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist im Ergeb­nis der Auf­fas­sung der Vor­in­stanz gefolgt, dass kei­ne ande­re Ent­schei­dung als die Rück­nah­me der Bewil­li­gungs­be­schei­de in Betracht gekom­men wäre. Der zeit­li­che Abstand zwi­schen den Rechts­ver­stö­ßen und dem Sank­ti­ons­be­scheid war in die­sem Zusam­men­hang nicht zu berück­sich­ti­gen, weil ein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en der Klä­ge­rin in den Bestand der Bewil­li­gungs­be­schei­de nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz nicht vor­lag. Raum für wei­ter­ge­hen­de Ermes­sens­er­wä­gun­gen bestand inso­weit nicht.

Eben­falls erfolg­los blieb die Kla­ge hin­sicht­lich der Fest­set­zung der Abfüh­rung der rechts­wid­rig ange­nom­me­nen Bar­spen­den. Inso­weit han­delt es sich ledig­lich um eine Abschöp­fung der erlang­ten Ver­mö­gens­vor­tei­le, für die das Gesetz kein Ermes­sen vor­sieht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 25. April 2013 – 6 C 5.12

  1. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 28.11.2011 – 3a B 2.11[]