Motor­rä­der ver­län­gern die Fahr­ten­buch­auf­la­ge

Für das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist es nicht zu bean­stan­den, wenn die Behör­de die Fest­set­zung einer gegen­über Per­so­nen­kraft­wa­gen län­ge­ren Dau­er einer Fahr­ten­buch­auf­la­ge dar­auf stützt, dass der Ver­kehrs­ver­stoß mit einem nur sai­so­nal genutz­ten Motor­rad began­gen wur­de.

Motor­rä­der ver­län­gern die Fahr­ten­buch­auf­la­ge

Der In dem ent­schie­de­nen Fall wen­de­te sich ein Motar­rad­hal­ter gegen eine Fahr­ten­buch­auf­la­ge, nach­dem mit dem Motor­rad die zuläs­si­ge Höchst­ge­schwin­dig­keit von 70 km/​h um 27 km/​h (nach Tole­ranz­ab­zug) über­schrit­ten wur­de. Nach­dem der Hal­ter kei­ne Anga­ben zum Fah­rer des Motor­rads mach­te, der auch nicht ander­wei­tig ermit­telt wer­den konn­te, ord­ne­te das Land­rats­amt an, dass der Hal­ter für die Dau­er von 15 Mona­ten ein Fahr­ten­buch füh­ren müs­se. Da das Tat­fahr­zeug ein Motor­rad war, setz­te das Land­rats­amt dabei ent­spre­chend sei­ner stän­di­gen Ver­wal­tungs­pra­xis für die Fahr­ten­buch­auf­la­ge eine um drei Mona­te län­ge­re Dau­er fest als bei einem ent­spre­chen­den Ver­kehrs­ver­stoß mit einem Per­so­nen­kraft­wa­gen. Zur Begrün­dung wur­de dar­auf ver­wie­sen, dass Motor­rä­der anders als Per­so­nen­kraft­wa­gen in der Regel nicht ganz­jäh­rig genutzt wür­den, mit der Fahr­ten­buch­auf­la­ge aber die glei­che Wir­kung erzielt wer­den sol­le. Auch der Hal­ter habe sein Motor­rad in den Win­ter­mo­na­ten jeweils durch­schnitt­lich sechs Mona­te außer Betrieb gesetzt.

Die gegen die Fahr­ten­buch­auf­la­ge gerich­te­te Kla­ge blieb vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Sta­de 1 und dem Nie­der­säch­si­chen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt 2 ohne Erfolg. Und das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­si­on des Hal­ters zurück­ge­wie­sen, gegen die vom Land­rats­amt ange­stell­ten Ermes­sens­er­wä­gun­gen für die Fest­le­gung der Dau­er der Fahr­ten­buch­auf­la­ge war nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts revi­si­ons­recht­lich nichts zu erin­nern:

Der Land­rats­amt bemisst, sod as Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, die Dau­er zu Recht grund­sätz­lich nach der Gewich­tig­keit des Ver­kehrs­ver­sto­ßes, des­sen Täter trotz hin­rei­chen­der Auf­klä­rungs­be­mü­hun­gen nicht ermit­telt wer­den konn­te. Eben­so wenig war die Ver­län­ge­rung der Fahr­ten­buch­auf­la­ge zu bean­stan­den, die der Land­rats­amt in stän­di­ger Ver­wal­tungs­pra­xis vor­sieht, wenn es sich bei dem Tat­fahr­zeug – wie auch im Fal­le des Hal­ters – um ein nur sai­so­nal genutz­tes Motor­rad han­delt; ein sol­ches Vor­ge­hen genügt den Anfor­de­run­gen des Gleich­be­hand­lungs­ge­bots (Art. 3 Abs. 1 GG) und des Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­grund­sat­zes. In sol­chen Fäl­len dient die Bestim­mung einer län­ge­ren Frist als bei typi­scher­wei­se ganz­jäh­rig genutz­ten Per­so­nen­kraft­wa­gen dazu zu ver­hin­dern, dass die zum Schutz der Ver­kehrs­si­cher­heit ergan­ge­ne Anord­nung, ein Fahr­ten­buch zu füh­ren, teil­wei­se – näm­lich in der Zeit der Still­le­gung des Motor­rads – leer­läuft. Zugleich wird der Hal­ter eines nur sai­so­nal genutz­ten Motor­rads durch die Fahr­ten­buch­an­ord­nung wäh­rend der Zeit ohne­hin nicht belas­tet, in der er sein Fahr­zeug außer Betrieb genom­men hat.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Mai 2015 – 3 C 13.2014 -

  1. VG Sta­de, Urteil vom 08.03.2013 – 1 A 1328/​11[]
  2. Nds. OVG, Urteil vom 08.07.2014 – 12 LB 76714[]