Moza­rel­la, Krab­ben- und Fisch­sa­lat – und die Luft­si­cher­heits­kon­trol­le

Die Legal­de­fi­ni­ti­on von Flüs­sig­kei­ten, Aero­so­len und Gelen ("LAG") in Nr. 4.0.04. der Ver­ord­nung (EU) Nr. 185/​2010 genügt den Anfor­de­run­gen des auch nach dem Uni­ons­recht zu beach­ten­den Bestimmt­heits­grund­sat­zes.

Moza­rel­la, Krab­ben- und Fisch­sa­lat – und die Luft­si­cher­heits­kon­trol­le

Bei Nr. 4.0.04. des Anhangs zur Ver­ord­nung (EU) Nr. 185/​2010 der Kom­mis­si­on vom 04.03.2010 zur Fest­le­gung von detail­lier­ten Maß­nah­men für die Durch­füh­rung der gemein­sa­men Grund­stan­dards in der Luft­si­cher­heit 1 han­delt es sich nicht um eine in die Grund­rech­te ein­grei­fen­de Erlaub­nis­norm, son­dern um die Legal­de­fi­ni­ti­on der Abkür­zung "LAG" für Flüs­sig­kei­ten, Aero­so­le und Gele han­delt. Danach zäh­len zu den Flüs­sig­kei­ten, Aero­so­len und Gelen ("LAG") im Sin­ne die­ses Kapi­tels Pas­ten, Lotio­nen, Mischun­gen von Flüs­sig­kei­ten und Fest­stof­fen sowie der Inhalt von Druck­be­häl­tern, wie z.B. Zahn­pas­ta, Haar­gel, Geträn­ke, Sup­pen, Sirup, Par­fum, Rasier­schaum und ande­re Arti­kel mit ähn­li­cher Kon­sis­tenz.

Auch wenn die­se Legal­de­fi­ni­ti­on in Ver­bin­dung mit der sich zum dama­li­gen Zeit­punkt aus der Num­mer 4.01.02.03. der Ver­ord­nung (EU) Nr. 185/​2010 i.V.m. Teil B.1 (Flüs­sig­kei­ten, Aero­so­le und Gele) des Anhangs zur Ver­ord­nung (EG) Nr. 272/​2009 in der Fas­sung der Ver­ord­nung (EU) Nr. 720/​2011 erge­ben­den Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für Ver­bo­te in den Blick genom­men wird, wonach Flüs­sig­kei­ten, Aero­so­le und Gele in Sicher­heits­be­rei­chen und an Bord von Luft­fahr­zeu­gen (nur dann) mit­ge­führt wer­den dür­fen, wenn sie gemäß den Anfor­de­run­gen der auf­grund von Art. 4 Abs. 3 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 300/​2008 ver­ab­schie­de­ten Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen kon­trol­liert wur­den oder von der Kon­trol­le aus­ge­nom­men sind, führt die vom Klä­ger auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge nicht auf einen Klä­rungs­be­darf im Sin­ne von § 132 Abs. 2 Nr. 1 VwGO. Es bestehen – auch gemes­sen an der Recht­spre­chung des Gerichts­ho­fes der Euro­päi­schen Uni­on zum "acte clair" 2 – kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel dar­an, dass die Legal­de­fi­ni­ti­on in Nr. 4.0.04. den Anfor­de­run­gen des auch nach dem Uni­ons­recht zu beach­ten­den Bestimmt­heits­grund­sat­zes genügt.

Durch die in die­ser Rege­lung genann­ten Unter­ka­te­go­ri­en (Pas­ten, Lotio­nen, Mischun­gen von Flüs­sig­kei­ten und Fest­stof­fen, Inhalt von Druck­be­häl­tern) und die ergän­zend als Bei­spie­le genann­ten Stof­fe (Zahn­pas­ta, Haar­gel, Geträn­ke, Sup­pen, Sirup, Par­fum, Rasier­schaum), ergänzt durch die Grup­pe der "Arti­kel mit ähn­li­cher Kon­sis­tenz", wer­den die unter den Sam­mel­be­griff "LAG" gefass­ten Stof­fe hin­rei­chend kon­kret und abgrenz­bar erfasst. Sowohl die Flug­gäs­te als auch die für die Kon­trol­len zustän­di­gen Luft­si­cher­heits­be­hör­den kön­nen hin­rei­chend klar und deut­lich erken­nen, wel­che Rech­te und Pflich­ten sie tref­fen; sie kön­nen hier­nach ihre Vor­keh­run­gen tref­fen 3. Allein der Umstand, dass es bei der Ein­ord­nung eines zur Luft­si­cher­heits­kon­trol­le vor­ge­leg­ten Stof­fes einer Sub­sum­ti­on unter die in der Legal­de­fi­ni­ti­on auf­ge­führ­ten Kate­go­ri­en bedarf und dabei Zwei­fels­fäl­le auf­tre­ten kön­nen, die zu ent­schei­den sind, recht­fer­tigt noch nicht die Annah­me, dass die Legal­de­fi­ni­ti­on den Anfor­de­run­gen des Bestimmt­heits­grund­sat­zes nicht gerecht wird. Der Grad der Bestimmt­heit, der von einer recht­li­chen Rege­lung und damit auch von einer Legal­de­fi­ni­ti­on gefor­dert wer­den kann, hängt auch davon ab, wel­cher Lebens­be­reich unter wel­chen Umstän­den betrof­fen ist. Hier geht es um die Abwehr von Gefah­ren, die sich für die Sicher­heit des Luft­ver­kehrs dar­aus erge­ben kön­nen, dass Flüs­sig­spreng­stoff, damit er uner­kannt trans­por­tiert und in den Sicher­heits­be­reich eines Flug­ha­fens oder an Bord eines Flug­zeu­ges ver­bracht wer­den kann, zur Tar­nung ande­ren Stof­fen unter­ge­mischt oder als sons­ti­ge Flüs­sig­keit "getarnt" wird. Da dies in unter­schied­li­cher Wei­se erfol­gen kann, ist auch unter Berück­sich­ti­gung des Bestimmt­heits­grund­sat­zes eine die­ser Situa­ti­on Rech­nung tra­gen­de wei­te Fas­sung der Legal­de­fi­ni­ti­on "LAG" gerecht­fer­tigt. Der Ver­ord­nungs­ge­ber durf­te dem Umstand, dass ange­sichts der Viel­zahl in Betracht kom­men­der Stof­fe eine abschlie­ßen­de Auf­zäh­lung nicht mög­lich erscheint, u.a. dadurch Rech­nung tra­gen, dass er, um kei­ne Rege­lungs­lü­cke ent­ste­hen zu las­sen, zu den LAG neben den in der Legal­de­fi­ni­ti­on auf­ge­führ­ten Unter­ka­te­go­ri­en und den sie kon­kre­ti­sie­ren­den Bei­spie­len auch "Arti­kel mit ähn­li­cher Kon­sis­tenz" rech­net.

In Teil B. 1 (Flüs­sig­kei­ten, Aero­so­le und Gele) des Anhangs zur Ver­ord­nung (EG) Nr. 272/​2009 der Kom­mis­si­on vom 02.04.2009 zur Ergän­zung der im Anhang der Ver­ord­nung (EG) Nr. 300/​2008 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates fest­ge­leg­ten Grund­stan­dards für die Sicher­heit der Zivil­luft­fahrt 4 in der zum hier maß­geb­li­chen Zeit­punkt gel­ten­den Fas­sung der Ver­ord­nung (EU) Nr. 720/​2011 der Kom­mis­si­on vom 22.07.2011 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 272/​2009 zur Ergän­zung der gemein­sa­men Grund­stan­dards für die Sicher­heit der Zivil­luft­fahrt hin­sicht­lich der Ein­füh­rung der Kon­trol­le von Flüs­sig­kei­ten, Aero­so­len und Gelen an EU-Flug­hä­fen 5 ist unter Nr. 1 gere­gelt, dass Flüs­sig­kei­ten, Aero­so­le und Gele in Sicher­heits­be­rei­chen und an Bord von Luft­fahr­zeu­gen mit­ge­führt wer­den dür­fen, wenn sie gemäß den Anfor­de­run­gen der auf­grund von Art. 4 Abs. 3 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 300/​2008 ver­ab­schie­de­ten Durch­füh­rungs­be­stim­mun­gen kon­trol­liert wur­den oder von der Kon­trol­le aus­ge­nom­men sind. Dar­aus ergibt sich im Gegen­schluss ein Mit­nah­me­ver­bot für Flüs­sig­kei­ten, Aero­so­le und Gele in Sicher­heits­be­rei­che und an Bord von Luft­fahr­zeu­gen, die die­sen Anfor­de­run­gen nicht genü­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 20. Juli 2018 – 3 B 22.17

  1. ABl. L 55 S. 1[]
  2. vgl. EuGH, Urteil vom 06.10.1982 – C-283/​81, C.I.L.F.I.T [ECLI:?EU:?C:?1982:?335], Slg. 1982 S. 3415, 3430[]
  3. vgl. zu die­sem aus dem Grund­satz der Rechts­si­cher­heit fol­gen­den Erfor­der­nis EuGH, Urteil vom 09.07.1981 – C-169/​80 [ECLI:?EU:?C:?1981:?171], Slg. 1981 S.1931 Rn. 17[]
  4. ABl. L 91 S. 7[]
  5. ABl. L 193 S.19[]