Müg­gel­see-Rou­te – wenn BER denn ein­mal öff­net

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat ein Urteil des Oberverwaltungs­gerichts Ber­lin-Bran­den­burg 1 zur soge­nann­ten "Müg­gel­see-Rou­te" bestä­tigt. Die Flug­rou­te ist vor­ge­se­hen für Abflug­ver­fah­ren von der Nord­bahn des Flug­ha­fens in Rich­tung Osten. Nach einem Über­flug im Süden von Bohns­dorf und einer Links­kur­ve führt die Rou­te zwi­schen dem Bezirk Trep­tow-Köpe­nick bzw. Fried­richs­ha­gen und Müg­gel­heim bzw. Rahns­dorf über den Gro­ßen Müg­gel­see hin­weg.

Müg­gel­see-Rou­te – wenn BER denn ein­mal öff­net

Die Klä­ger, ein Umwelt­ver­ein und Eigen­tü­mer von Grund­stü­cken am oder in der Nähe des Gro­ßen Müg­gel­sees, haben die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit die­ser Flug­ver­fah­ren begehrt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg 1 hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die­se Ent­schei­dung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tigt.

Ein Rechts­be­helf nach dem Umwelt­rechtsbehelfsgesetz ist schon nicht eröff­net, weil die Fest­le­gung einer Flug­rou­te kei­ner Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung bedarf. Auch den Schutz ruhi­ger Gebie­te kann der Umwelt­ver­ein nicht gel­tend machen. Soweit er einen Ver­stoß gegen Vor­schrif­ten zum Schutz der Natu­ra 2000-Gebie­te Müg­gel­see-Müg­gel­spree, Was­ser­werk Frie­drichs­hagen, Wil­helms­ha­gen-Wol­ters­dor­fer Dünen­zug und Teu­fels­moor Köpe­nick gerügt hat, ist sei­ne Kla­ge unbe­grün­det. Denn nach den tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen kön­nen erheb­li­che oder ver­än­der­te Beein­träch­ti­gun­gen die­ser Gebie­te durch den Über­flug in einer Höhe von mehr als 600 m aus­ge­schlos­sen wer­den.

Die Kla­ge der betrof­fe­nen Grund­ei­gen­tü­mer blieb eben­so erfolg­los. Der Planfest­stellungsbeschluss für den Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg, der durch die Flug­rou­ten­fest­le­gung nicht kon­ter­ka­riert wer­den darf, hat einen Über­flug über die Müg­gel­see­re­gi­on nicht aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen. Ein Aus­schluss die­ser Regi­on kann ihm auch nicht durch Aus­le­gung ent­nom­men wer­den. Die Abwä­gung des Bun­des­auf­sichts­am­tes für Flug­si­che­rung ist recht­lich nicht zu bean­stan­den. Denn die Füh­rung über eine Alter­na­tiv­rou­te über Erkner erhöh­te die Zahl der Be­troffenen im Pegel­band von 50 bis 55 dB(A) am Tag und die Zahl der von un­zumutbarem Flug­lärm Betrof­fe­nen im Osten von Müg­gel­heim. Das Bundes­verwaltungsgericht hat fer­ner gebil­ligt, dass der Abwä­gungs­ent­schei­dung Betriebs­szenarien eines zeit­na­hen Pro­gno­se­ho­ri­zonts mit rund 140 000 bzw. 252 000 Flug­be­we­gun­gen zugrun­de gelegt wor­den sind. Es hält das Bun­des­auf­sichts­amt für Flug­si­che­rung aber für ver­pflich­tet, die wei­te­re Ent­wick­lung zu beob­ach­ten. Auch Gesichts­punk­te des Ver­trau­ens­schut­zes ste­hen der Fest­le­gung der Rou­te nicht ent­ge­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 18. Dezem­ber 2014 – 4 C 35.2013 -

  1. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 14.06.2013 – 11 A 10.13[][]