Mund-Nasen-Bede­ckung in der Kirche

Die mit der Mas­ken­pflicht für Pries­ter ver­bun­de­nen Ein­schrän­kun­gen müs­sen hin­ter dem öffent­li­chen Ziel des Schut­zes der Gesund­heit der Bevöl­ke­rung und der Ver­hin­de­rung der Über­las­tung des Gesund­heits­sys­tems zurück­tre­ten. Eine Dif­fe­ren­zie­rung nach den räum­li­chen Gege­ben­hei­ten oder nach Glau­bens­ge­mein­schaf­ten steht nicht im Ein­klang mit dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Neutralitätsgebot.

Mund-Nasen-Bede­ckung in der Kirche

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall den Eil­an­trag eines Pries­ters gegen die mit All­ge­mein­ver­fü­gung der Stadt Frank­furt am Main ange­ord­ne­te Mas­ken­pflicht bei Zusam­men­künf­ten von Glau­bens­ge­mein­schaf­ten abgelehnt.

In der All­ge­mein­ver­fü­gung der Stadt Frank­furt vom 15. Okto­ber 2020 unter Nr. 5 ist gere­gelt: „Bei Zusam­men­künf­ten von Glau­bens­ge­mein­schaf­ten zur gemein­schaft­li­chen Reli­gi­ons­aus­übung sowie Trau­er­fei­er­lich­kei­ten und Bestat­tun­gen nach § 1 Abs. 2a CoKo­BeV wird für alle Teil­neh­men­den das Tra­gen einer Mund-Nasen-Bede­ckung angeordnet.“

Gegen die­se Bestim­mung wen­det sich der Antrag­stel­ler und macht gel­tend, in allen katho­li­schen Got­tes­diens­ten wür­den alle gel­ten­den Coro­na-Schutz­be­stim­mun­gen beach­tet. In der katho­li­schen Kir­che käme den Gläu­bi­gen – im Ver­gleich zu ande­ren Glau­bens­ge­mein­schaf­ten – eine ledig­lich pas­si­ve Teil­ha­be zu und sei­en die räum­li­chen Gege­ben­hei­ten ausreichend.

In sei­ner Ent­schei­dungs­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main aus­ge­führt, dass die Mas­ken­pflicht Pries­ter unbe­strit­ten in ihrer reli­giö­sen und seel­sor­ger­li­chen Tätig­keit und damit in ihrer grund­recht­lich geschütz­ten Reli­gi­ons­frei­heit berührt. Eine Fol­gen­ab­wä­gung erge­be aber, dass die vom Antrag­stel­ler ange­führ­ten Ein­schrän­kun­gen hin­ter dem öffent­li­chen Ziel des Schut­zes der Gesund­heit der Bevöl­ke­rung und der Ver­hin­de­rung der Über­las­tung des Gesund­heits­sys­tems zurück­tre­ten müss­ten. Außer­dem weist das Ver­wal­tungs­ge­richt dar­auf hin, es sei auch zu berück­sich­ti­gen, dass die katho­li­sche Kir­che selbst das Tra­gen einer Mund-Nase-Bede­ckung anord­ne und damit die vom Antrag­stel­ler ange­führ­te „wür­di­ge Durch­füh­rung aller Got­tes­diens­te“ als gewähr­leis­tet ansehe. 

Dar­über hin­aus wür­de eine vom Antrag­stel­ler gefor­der­te Dif­fe­ren­zie­rung nach den räum­li­chen Gege­ben­hei­ten oder der Gestal­tung der jewei­li­gen Zusam­men­künf­te – pas­siv oder akti­ve Teil­nah­me –, mit­hin eine Dif­fe­ren­zie­rung nach Glau­bens­ge­mein­schaf­ten dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Neu­tra­li­täts­ge­bot zuwiderlaufen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main, Beschluss vom 27. Okto­ber 2020 – 5 L 2749/​20.F

Mund-Nasen-Bedeckung in der Kirche