Nach­di­plo­mie­rung von Fach­schul­ab­schlüs­sen in Sach­sen-Anhalt

Auch wei­ter­hin erfolgt kei­ne Nach­di­plo­mie­rung von nach dem 31.12 1990 erwor­be­nen Fach­schul­ab­schlüs­sen in Sach­sen-Anhalt. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt wies jetzt eine ent­spre­chen­de Kla­ge einer Absol­ven­ti­on der Agrar­in­ge­nieur­schu­le in Naum­burg ab.

Nach­di­plo­mie­rung von Fach­schul­ab­schlüs­sen in Sach­sen-Anhalt

Die Klä­ge­rin hat­te von 1988 bis 1991 an der Agrar­in­ge­nieur­schu­le in Naum­burg in der Fach­rich­tung Land­wirt­schaft stu­diert. Nach Erwerb des Fach­schul­ab­schlus­ses im Juli 1991 erlang­te sie dadurch die Berech­ti­gung, die Berufs­be­zeich­nung "Agrar­in­ge­nieur" füh­ren zu dür­fen. Anschlie­ßend nahm sie eine Tätig­keit im Säch­si­schen Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um auf. Ihren beim zustän­di­gen Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Wirt­schaft des Lan­des Sach­sen-Anhalt gestell­ten Antrag auf Fest­stel­lung, dass sie berech­tigt sei, die Bezeich­nung "Diplo­magrar­in­ge­nieur (FH)" zu füh­ren, lehn­te das Minis­te­ri­um mit der Begrün­dung ab, dass nach den Beschlüs­sen der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 10. bzw. 11.10.1991 zur "Fest­stel­lung der Gleich­wer­tig­keit von Bil­dungs­ab­schlüs­sen im Sin­ne von Arti­kel 37 Abs. 1 des Eini­gungs­ver­tra­ges" Fach- und Inge­nieur­schul­ab­schlüs­se der DDR den im alten Bun­des­ge­biet erwor­be­nen Fach­hoch­schul­ab­schlüs­sen dann und nur dann gleich­ge­stellt wür­den, wenn der Inha­ber des Fach- oder Inge­nieur­schul­ab­schlus­ses eine min­des­tens ein­jäh­ri­ge beglei­ten­de Zusatz­aus­bil­dung an einer Fach­hoch­schu­le oder Hoch­schu­le absol­viert habe. Nur bei Fach- und Inge­nieur­schul­ab­schlüs­sen, die bis 31.12.1990 erwor­ben wor­den sei­en, kön­ne die Zusatz­aus­bil­dung durch eine drei­jäh­ri­ge ein­schlä­gi­ge Berufs­tä­tig­keit ersetzt wer­den.

Die hier­ge­gen von der Klä­ge­rin erho­be­ne Kla­ge blieb – wie zuvor bereits vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Mag­de­burg 1 – nun auch beim Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt ohne Erfolg.

Dabei hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt im Wesent­li­chen dar­auf abge­stellt, dass das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bereits im Dezem­ber 1997 ent­schie­den habe, dass eine Nach­di­plo­mie­rung von Fach­schul­ab­schlüs­sen auf der Grund­la­ge von Arti­kel 37 des Eini­gungs­ver­tra­ges nur unter den im Beschluss der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom Okto­ber 1991 genann­ten Bedin­gun­gen mög­lich sei. Bei Abschlüs­sen, die nach dem 31.12.1990 erwor­ben wor­den sei­en, rei­che eine drei­jäh­ri­ge ein­schlä­gi­ge Berufs­tä­tig­keit für eine Nach­di­plo­mie­rung daher nicht aus. Soweit das Säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Baut­zen im Janu­ar 2011 den Stich­tag 31.12.1990 als ver­fas­sungs­wid­rig ange­se­hen und eine erleich­ter­te Nach­di­plo­mie­rung auch für nach die­sem Tag erwor­be­ne Fach­schul­ab­schlüs­se zuge­las­sen hat­te, ist das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt dem unter Hin­weis auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nicht gefolgt. Auch der Umstand, dass als Reak­ti­on auf das Urteil des Säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts zwi­schen­zeit­lich die Län­der Sach­sen, Meck­len­burg-Vor­pom­mern und Bran­den­burg den Stich­tag 31.12.1990 für die Nach­di­plo­mie­rung von Fach­schul­ab­schlüs­sen nicht mehr anwen­den, begrün­de kei­ne recht­li­che Ver­pflich­tung des Lan­des Sach­sen-Anhalt eben­falls so zu ver­fah­ren.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen ‑Anhalt, Urteil vom 19. März 2014 – 3 L 79/​13

  1. VG Mag­de­burg, Urteil vom 22.01.2013 – 7 A 176/​11 MD[]