Nacht­flug­be­trieb am Köln/​Bonner Flug­ha­fen

Die Kla­gen auf Auf­he­bung einer Ver­län­ge­rung der Nacht­flug­re­ge­lun­gen für einen Flug­ha­fen sind unzu­läs­sig, weil die Rechts­stel­lung der Klä­ger bei einem Erfolg der Kla­gen ver­schlech­tert wird. Beruht die vom Nacht­flug­ver­kehr aus­ge­hen­de Lärm­be­las­tung weder auf dem ange­foch­te­nen Bescheid, son­dern aus­schließ­lich auf der ursprüng­li­chen Geneh­mi­gungs­la­ge, so sind die Rech­te einer Nach­bar­ge­mein­de und eines Anwoh­ners eines Flug­ha­fens nicht durch den ange­foch­te­nen Bescheid ver­letzt. Ansprü­che Dritt­be­trof­fe­ner auf Unter­las­sung oder wei­ter­ge­hen­de Ein­schrän­kung des Nacht­flug­be­triebs auf dem Flug­ha­fen Köln/​Bonn sind grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen.

Nacht­flug­be­trieb am Köln/​Bonner Flug­ha­fen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len die Kla­gen gegen den Ver­kehrs­flug­ha­fen Köln/​Bonn in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len abge­wie­sen. Geklagt hat­ten zwei Nach­bar­ge­mein­den und ein Anwoh­ner, deren Begeh­ren auf eine Ver­schär­fung der Nacht­flug­be­schrän­kun­gen gerich­tet waren. Nach dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts 1 bezüg­lich des Nacht­flug­ver­bo­tes für den Frank­fur­ter Flug­ha­fen haben die Klä­ger auch für die Nacht­ru­he am Köln/​Bonner Flug­ha­fen Hoff­nung gese­hen.

Die ursprüng­li­chen Geneh­mi­gun­gen für den Betrieb des Flug­ha­fens Köln/​Bonn stam­men aus den Jah­ren 1959 und 1961 und sehen kei­ner­lei Betriebs­be­schrän­kun­gen hin­sicht­lich nächt­li­cher Flug­be­we­gun­gen vor. In der Fol­ge­zeit erließ das beklag­te Land zur Ver­min­de­rung der Lärm­be­las­tung der Umge­bung des Flug­ha­fens mehr­fach jeweils zeit­lich befris­te­te Beschrän­kun­gen für den Nacht­flug­ver­kehr. So wur­den mit Bescheid vom 26. August 1997 für bestimm­te Flug­zeug­ty­pen detail­lier­te, im Wesent­li­chen die Nacht­zeit von 22.00 bis 6.00 Uhr betref­fen­de Flug­be­schrän­kun­gen ver­fügt und Rege­lun­gen zur Über­prü­fung der Wirk­sam­keit der ange­ord­ne­ten Lärm­schutz­maß­nah­men fest­ge­legt. Die Wirk­sam­keit die­ses Beschei­des wur­de auf die Zeit bis zum 31. Okto­ber 2015 befris­tet. Auf Antrag des Flug­ha­fens ver­län­ger­te das Land die­se Nacht­flug­re­ge­lun­gen mit Bescheid vom 7. Febru­ar 2008 bis zum 31. Okto­ber 2030.

Auf die Auf­he­bung die­ser Ver­län­ge­rung der Nacht­flug­re­ge­lun­gen waren die Anfech­tungs­kla­gen einer Nach­bar­ge­mein­de und eines Anwoh­ners gerich­tet. Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len sind die Kla­gen unzu­läs­sig, weil die Rechts­stel­lung der Klä­ger bei einem Erfolg der Kla­gen ver­schlech­tert wird. Denn eine Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Beschei­des hat zur Fol­ge, dass am Flug­ha­fen ab dem 1. Novem­ber 2015 auf der Grund­la­ge der dann wie­der unbe­schränkt gel­ten­den Geneh­mi­gun­gen aus den Jah­ren 1959 und 1961 ein Nacht­flug­be­trieb ohne jede Ein­schrän­kun­gen geneh­migt wird. Zudem fehlt es den Klä­gern auch an der erfor­der­li­chen Kla­ge­be­fug­nis. Ihre Rech­te sind offen­sicht­lich nicht durch den ange­foch­te­nen Bescheid ver­letzt. Die vom Nacht­flug­ver­kehr aus­ge­hen­de Lärm­be­las­tung beruht weder auf dem ange­foch­te­nen Bescheid noch auf dem die­sen vor­aus­ge­gan­ge­nen Bescheid vom 26. August 1997, son­dern aus­schließ­lich auf der ursprüng­li­chen Geneh­mi­gungs­la­ge.

Auf eine wei­ter­ge­hen­de Ein­schrän­kung des Nacht­flug­be­triebs waren die Ver­pflich­tungs­kla­gen zwei­er Nach­bar­ge­mein­den gerich­tet. Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts steht den Ansprü­chen Dritt­be­trof­fe­ner auf eine Ein­schrän­kung der flug­be­trieb­li­chen Benut­zung des Flug­ha­fens eine gesetz­li­che Dul­dungs­pflicht ent­ge­gen. Der Flug­ha­fen Köln/​Bonn ist wegen einer seit 1999 bestehen­den gesetz­li­chen Fik­ti­on so zu behan­deln, als wäre für ihn ein Plan­fest­stel­lungs­be­schluss ergan­gen. Daher sind Ansprü­che auf Unter­las­sung oder Ein­schrän­kung der Benut­zung grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen. Etwai­ge Lärm­schutz­an­sprü­che sind auf pas­si­ve Schall­schutz­maß­nah­men wie etwa bau­li­che Schall­däm­mung begrenzt. Ein Anspruch auf Betriebs­be­schrän­kun­gen kommt erst und nur dann in Betracht, wenn pas­si­ve Schall­schutz­maß­nah­men nicht aus­rei­chen, um Gefah­ren für grund­recht­lich geschütz­te Rechts­gü­ter zu begeg­nen. Vom Vor­lie­gen die­ser engen Vor­aus­set­zun­gen kann aber nicht aus­ge­gan­gen wer­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urtei­le vom 19. April 2012 – 20 D 7/​08.AK, 20 D 117/​08.AK, 20 D 121/​08.AK und 20 D 19/​09.AK

  1. BVerwG Leip­zig, Urteil vom 04.04.2012 – 4 C 8.09 und 9.09, 1.10 – 6.10[]