Nach­träg­li­che Ver­kür­zung einer Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung

Bei der nach­träg­li­chen Ver­kür­zung der Gel­tungs­dau­er einer Auf­ent­halts­er­laub­nis auf den Zeit­punkt der Zustel­lung des Befris­tungs­be­scheids nach § 7 Abs. 2 Satz 2 Auf­en­thG ist die­ser Zeit­punkt für die Beur­tei­lung der Sach- und Rechts­la­ge maß­geb­lich, wenn er vor dem Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung des Tat­sa­chen­ge­richts liegt.

Nach­träg­li­che Ver­kür­zung einer Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung

Die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt für die Beur­tei­lung der Sach- und Rechts­la­ge im Auf­ent­halts­recht beruht auf der Annah­me, dass im Streit um das Fort­be­stehen eines Auf­ent­halts­rechts aus mate­ri­ell-recht­li­chen Grün­den auf einen mög­lichst spä­ten Beur­tei­lungs­zeit­punkt abzu­stel­len ist, um die Berück­sich­ti­gung aktu­el­ler tat­säch­li­cher Ent­wick­lun­gen etwa im Lich­te des Art. 8 EMRK oder des Art. 6 GG zu ermög­li­chen. Des­halb sind Aus­wei­sun­gen eben­so wie Abschie­bungs­an­dro­hun­gen oder Ermes­sens­ent­schei­dun­gen über die Ertei­lung und Ver­län­ge­rung einer Auf­ent­halts­er­laub­nis sowie Ent­schei­dun­gen über die Rück­nah­me oder den Wider­ruf eines unbe­fris­te­ten Auf­ent­halts­ti­tels auf der Grund­la­ge der Sach- und Rechts­la­ge zu über­prü­fen, wie sie sich im Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung in der Tat­sa­chen­in­stanz dar­stellt [1]. Die­se Grün­de tref­fen auf eine durch nach­träg­li­che Ver­kür­zung der Gel­tungs­dau­er einer Auf­ent­halts­er­laub­nis bewirk­te zeit­li­che Ver­kür­zung des Auf­ent­halts­rechts in glei­cher Wei­se zu. Einer Ein­be­zie­hung tat­säch­li­cher Ent­wick­lun­gen nach Erlass des ange­grif­fe­nen Ver­wal­tungs­ak­tes bedarf es aller­dings nicht, wenn die nach­träg­lich ein­ge­tre­te­nen Tat­sa­chen sich auf den ange­grif­fe­nen Ver­wal­tungs­akt nicht mehr aus­wir­ken kön­nen, son­dern – ins­be­son­de­re nach dem Weg­fall des Auf­ent­halts­rechts und dem Ent­ste­hen einer Aus­rei­se­pflicht – Bedeu­tung ledig­lich für die Neu­er­tei­lung eines Titels oder die Ver­län­ge­rung des abge­lau­fe­nen Titels haben. Bei der nach­träg­li­chen Ver­kür­zung der Gel­tungs­dau­er einer Auf­ent­halts­er­laub­nis auf den Zeit­punkt der Zustel­lung eines Befris­tungs­be­scheids nach § 7 Abs. 2 Satz 2 Auf­en­thG ist des­halb die­ser Zeit­punkt für die Beur­tei­lung der Sach- und Rechts­la­ge maß­geb­lich, wenn er vor der letz­ten münd­li­chen Ver­hand­lung des Tat­sa­chen­ge­richts bzw. der Ent­schei­dung ohne münd­li­che Ver­hand­lung liegt [2].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Juni 2013 – 1 B 25.12

  1. BVerwG, Urtei­le vom 15.11.2007 – 1 C 45.06, BVerw­GE 130, 20 Rn. 12 = Buch­holz 402.242 § 55 Auf­en­thG Nr. 7; vom 07.04.2009 – 1 C 17.08, BVerw­GE 133, 329 Rn. 37 f. = Buch­holz 402.242 § 32 Auf­en­thG Nr. 4; vom 13.04.2010 – 1 C 10.09, Buch­holz 402.242 § 51 Auf­en­thG Nr. 1 und vom 22.03.2012 – 1 C 3.11, BVerw­GE 142, 179 Rn. 13 = Buch­holz 402.242 § 23 Auf­en­thG Nr. 3[]
  2. eben­so Discher, in: GK zum Auf­ent­halts­ge­setz II, § 7 Rn. 508; vgl. auch VGH Mann­heim, Urteil vom 15.07.2009 – 13 S 2372/​08, NVwZ 2009, 1380 Rn. 42; sowie BayVGH, Beschluss vom 16.08.2011 – 10 CS 11.432BayVBl 2012, 210 Rn. 30[]