Natio­nal wert­vol­les Kul­tur­gut – oder: der gol­de­ne, kel­ti­sche Mas­ken­arm­ring

Ein kel­ti­scher Mas­ken­arm­ring zählt zum natio­nal wert­vol­len Kul­tur­gut und sei­ne Abwan­de­rung aus dem Gel­tungs­be­reich des Geset­zes wür­de einen wesent­li­chen Ver­lust für die­sen Kul­tur­be­sitz bedeu­ten.

Natio­nal wert­vol­les Kul­tur­gut – oder: der gol­de­ne, kel­ti­sche Mas­ken­arm­ring

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall auf die Beru­fung des beklag­ten Lan­des die Kla­ge gegen die Ein­tra­gungs­ent­schei­dung des Mas­ken­arm­rings in das Ver­zeich­nis natio­nal wert­vol­len Kul­tur­gu­tes abge­wie­sen. Im Jahr 2008 wur­de bei einem Anti­kenhänd­ler in Hes­sen im Rah­men eines gegen ihn geführ­ten straf­recht­li­chen Ermitt­lungs­ver­fah­ren unter ande­rem ein kel­ti­scher Mas­ken­arm­ring beschlag­nahmt. Der Arm­ring wur­de im Dezem­ber 2008 dem Rhei­ni­schen Lan­des­mu­se­um in Trier zur wis­sen­schaft­li­chen Unter­su­chung über­ge­ben. Der mit der Unter­su­chung betrau­te Archäo­lo­ge kam in sei­nem Gut­ach­ten zu dem Schluss, dass es sich bei dem Gold­arm­ring um ein hoch­ran­gi­ges anti­kes Ori­gi­nal han­de­le, wel­ches mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit aus Rhein­land-Pfalz stam­me. Nach­dem der Klä­ger straf­ge­richt­lich vom Vor­wurf der Heh­le­rei frei­ge­spro­chen wor­den war, klag­te er vor dem Land­ge­richt Darm­stadt erfolg­reich auf Her­aus­ga­be des Mas­ken­arm­rings. Der Klä­ger erhielt den Arm­ring dar­auf­hin im April 2016 zurück.

Vom Land Rhein­land-Pfalz ist bereits im August 2015 ein Ver­fah­ren zur Ein­tra­gung des Mas­ken­arm­rings in das Ver­zeich­nis natio­nal wert­vol­len Kul­tur­gu­tes ein­ge­lei­tet wor­den. Die­se Ein­tra­gung erfolg­te im Juni 2017. Im Juni 2018 erhob der Klä­ger Kla­ge gegen die Ein­tra­gungs­ent­schei­dung. Nach­dem das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat­te, hat sich das Land Rhein­land-Pfalz mit der Beru­fung dage­gen gewehrt.

Zur Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz auf die Rechts­grund­la­ge der Ein­tra­gung in das Ver­zeich­nis ver­wie­sen: Die­se lie­ge in dem im Jahr 1955 in Kraft getre­te­nen Gesetz zum Schutz Deut­schen Kul­tur­gu­tes gegen Abwan­de­rung (in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 8. Juli 1999), des­sen Vor­schrif­ten nach der Über­gangs­re­ge­lung des Kul­tur­gut­schutz­ge­set­zes vom 31. Juli 2016 für das vor­lie­gen­de, im August 2015 ein­ge­lei­te­te Ver­fah­ren fort­gäl­ten.

Da für die Ein­tra­gung grund­sätz­lich das Bun­des­land zustän­dig sei, in dem sich das Kul­tur­gut zum Zeit­punkt der Ein­lei­tung des Ver­fah­rens befin­de, sei die Ent­schei­dung in die Zustän­dig­keit des beklag­ten Lan­des gefal­len – ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Mainz. Der Mas­ken­arm­ring habe sich zur Zeit der Ver­fah­rens­ein­lei­tung im Rhei­ni­schen Lan­des­mu­se­um in Trier befun­den. Zu wel­chem Zweck er sich dort befun­den habe, ob er sich recht­mä­ßi­ger­wei­se im Besitz des beklag­ten Lan­des befun­den habe oder ob ein enge­rer Bezug zum Bun­des­land Hes­sen bestan­den habe, sei hin­ge­gen für die Zustän­dig­keit uner­heb­lich.

Wei­ter­hin set­ze die Ein­tra­gung vor­aus, dass das Kul­tur­gut zum “deut­schen Kul­tur­be­sitz“ gehö­re und sei­ne Abwan­de­rung aus dem Gel­tungs­be­reich des Geset­zes einen “wesent­li­chen Ver­lust“ für die­sen Kul­tur­be­sitz bedeu­te. Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz han­de­le es sich bei dem Mas­ken­arm­ring um „deut­schen Kul­tur­be­sitz“ im Sin­ne des Geset­zes. Hier­für sei es nicht erfor­der­lich, dass das Kul­tur­gut in Deutsch­land ent­stan­den und somit ein wich­ti­ges Zeug­nis gera­de der deut­schen Kul­tur sei. Viel­mehr wür­den alle Kul­tur­gü­ter erfasst, die sich nicht nur vor­über­ge­hend im Gel­tungs­be­reich des Geset­zes befän­den. Selbst wenn man einen „beson­de­ren Bezug“ des Kul­tur­gu­tes zur deut­schen Kul­tur ver­lan­gen woll­te, so sei dies bei dem Mas­ken­arm­ring der Fall. Bei der Ent­ste­hung der kel­ti­schen Kul­tur han­de­le es sich um eine wich­ti­ge Etap­pe der kul­tu­rel­len Ent­wick­lung auch und gera­de in Deutsch­land, nament­lich in Süd­west­deutsch­land. Für die­sen wich­ti­gen Ent­wick­lungs­schritt ste­he der Mas­ken­arm­ring als Reprä­sen­tant.

Offen­blei­ben kön­ne vor die­sem Hin­ter­grund die Fra­ge, ob der Mas­ken­arm­ring im heu­ti­gen Deutsch­land oder etwa auf heu­ti­gem fran­zö­si­schen oder schwei­ze­ri­schen Staats­ge­biet her­ge­stellt oder gefun­den wor­den sei. Für den Bezug des Mas­ken­arm­rings zur deut­schen Kul­tur kom­me es nach Mei­nung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts auf den genau­en Ent­ste­hungs- oder Fund­ort nicht an. Die Ver­äu­ße­rung oder sons­ti­ge Ver­brin­gung des Mas­ken­arm­rings in das Aus­land wür­de auch einen „wesent­li­chen Ver­lust“ für den deut­schen Kul­tur­be­sitz bedeu­ten. Nach dem Gut­ach­ten han­de­le es sich bei dem Mas­ken­arm­ring um ein „exzep­tio­nel­les Ein­zel­stück aus Gold“, um ein makel­los erhal­te­nes „hoch­ran­gi­ges anti­kes Ori­gi­nal“. In einer wei­te­ren Stel­lung­nah­me bezeich­ne der Gut­ach­ter den Gold­arm­ring als „einen tech­nisch und sti­lis­tisch hoch­ran­gi­gen und exem­pla­ri­schen Ver­tre­ter“ eines geis­tes­ge­schicht­lich-reli­giö­sen Umbruchs ers­ten Rangs, der den Beginn einer genu­in kel­ti­schen Kul­tur mar­kie­re. Auch der Klä­ger selbst habe den Gold­arm­ring als mate­ri­ell wie ideell hoch­wer­ti­ges Kul­tur­gut erach­tet.

Aus die­sen Grün­den hat­te die Beru­fung Erfolg und die Kla­ge gegen die Ein­tra­gung des Mas­ken­arm­rings in das Ver­zeich­nis natio­nal wert­vol­len Kul­tur­gu­tes ist abge­wie­sen wor­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 2. Juni 2020 – 1 A 11336/​19.OVG