Neu­es Ent­gelt­sys­tem für Flug­hä­fen

Mit gro­ßer Mehr­heit hat das Euro­päi­sche Par­la­ment heu­te die Richt­li­nie zu Flug­ha­fen­ent­gel­ten ange­nom­men, die den even­tu­el­len Miss­brauch einer markt­be­herr­schen­den Stel­lung ein­zel­ner Flug­hä­fen unter­bin­den soll. Die Richt­li­nie legt eine Infor­ma­ti­ons­pflicht für Flug­hä­fen sowie ein ein­heit­li­ches und trans­pa­ren­tes Ver­fah­ren zur Berech­nung der Gebüh­ren fest. Zudem müs­sen Flug­hä­fen die Flug­ge­sell­schaf­ten nun bei der Fest­set­zung von Flug­ha­fen­ge­büh­ren umfas­send kon­sul­tie­ren.

Neu­es Ent­gelt­sys­tem für Flug­hä­fen

Flug­hä­fen mit mehr als 5 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­ren pro Jahr wer­den erfasst

Die EU-Kom­mis­si­on woll­te die neu­en Regeln auf Flug­hä­fen mit jähr­lich mehr als 1 Mil­li­on Flug­gast­be­we­gun­gen oder ein Luft­fracht­auf­kom­men von mehr als 25 000 Ton­nen anwen­den. Dies hat das Par­la­ment abge­lehnt und den Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie ein­ge­schränkt: Die­se soll nur gel­ten für Flug­hä­fen mit jähr­lich mehr als 5 Mil­lio­nen Pas­sa­gie­ren oder aber mit einem jähr­li­chen Gesamt­auf­kom­men von mehr als 15% der Flug­gast­be­we­gun­gen ihres Mit­glied­staa­tes.

Zweck der vor­lie­gen­den Richt­li­nie sei es, so die Begrün­dung, den even­tu­el­len Miss­brauch einer markt­be­herr­schen­den Stel­lung von Flug­hä­fen zu unter­bin­den. Die Erfah­rung zei­ge jedoch, dass ins­be­son­de­re an den klei­ne­ren Flug­hä­fen ein sol­ches Miss­brauchs­ri­si­ko nicht gege­ben ist.

Betrof­fe­ne Flug­hä­fen in Deutsch­land und Öster­reich

In Deutsch­land fal­len fol­gen­de Flug­hä­fen unter die Richt­li­nie: Ber­lin-Schö­ne­feld, Ber­lin-Tegel, Düs­sel­dorf, Frankfurt/​Main, Ham­burg, Han­no­ver, Köln/​Bonn, München und Stutt­gart. In Öster­reich gel­ten die neu­en Regeln für den Flug­ha­fen Wien/​Schwechat.

Nach dem Vor­schlag der Kom­mis­si­on wären in Deutsch­land außer­dem die Flug­hä­fen Dres­den, Münster/​Osnabrück, Nürn­berg, Leipzig/​Halle, Bre­men, Frank­furt-Hahn, Paderborn/​Lippstadt sowie Dort­mund betrof­fen gewe­sen. In Öster­reich wäre zudem Salz­burg unter die Richt­li­nie gefal­len.

Unab­hän­gi­ge Regu­lie­rungs­be­hör­de ent­schei­det im Streit­fall

Die Richt­li­nie legt ein­heit­li­che Rege­lun­gen hin­sicht­lich der gegen­sei­ti­gen Infor­ma­ti­ons­pflicht, der Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen sowie der Metho­dik zur Berech­nung der Ent­gel­te fest. Eine unab­hän­gi­ge natio­na­le Regu­lie­rungs­be­hör­de soll sicher­stel­len, dass die Richt­li­nie in vol­lem Umfang Anwen­dung fin­det und dass die Flug­hä­fen ihre Ein­rich­tun­gen und Diens­te auf leis­tungs­fä­hi­ger und wirt­schaft­li­cher Grund­la­ge bereit­stel­len.

Die Orga­ni­sa­ti­on der unab­hän­gi­gen Regu­lie­rungs­be­hör­de lie­ge in der Ver­ant­wor­tung der Mit­glied­staa­ten, stel­len die Abge­ord­ne­ten klar. Die Behör­de ist u.a. dafür zustän­dig, bei Unei­nig­keit über eine Ent­schei­dung zu Flug­ha­fen­ent­gel­ten, die Begrün­dung für die Ände­rung der Flug­ha­fen­ent­geltre­ge­lung oder der Höhe der Flug­ha­fen­ent­gel­te zu prü­fen.

Vor­fi­nan­zie­rung von Infra­struk­tur durch Anhe­bung der Flug­ha­fen­ent­gel­te

Das Par­la­ment hat sich dafür aus­ge­spro­chen, dass neue Infra­struk­tur­vor­ha­ben durch eine ent­spre­chen­de Anhe­bung der Flug­ha­fen­ent­gel­te vor­fi­nan­ziert wer­den kön­nen. Vor­aus­set­zung dafür ist aller­dings, dass die Flug­ha­fen­nut­zer in trans­pa­ren­ter Wei­se über Umfang und Zeit­raum der Anhe­bung der Flug­ha­fen­ent­gel­te infor­miert wer­den und dass alle zusätz­li­chen Ein­nah­men aus­schließ­lich für die Errich­tung der ver­einbar­ten Infra­struk­tur ver­wen­det wer­den.

Dif­fe­ren­zie­rung der Ent­gel­te

Die Höhe der Flug­ha­fen­ent­gel­te kann, so das EP, ent­spre­chend der Qua­li­tät und dem Umfang der Dienst­leis­tun­gen, aber auch ent­spre­chend der “Umwelt­freund­lich­keit, der Lärm­be­las­tung oder ande­ren öffent­li­chen Inter­es­sen” dif­fe­ren­ziert wer­den, vor­aus­ge­setzt, die Bestim­mung erfolgt auf der Grund­la­ge rele­van­ter, objek­ti­ver und trans­pa­ren­ter Kri­te­ri­en.

Fest­ge­leg­tes Dienst­leis­tungs­ni­veau” im Gegen­zug für gezahl­te Ent­gel­te

Schließ­lich beto­nen die Abge­ord­ne­ten, dass die Flug­ha­fen­nut­zer ein Anrecht auf ein “fest­ge­leg­tes Dienst­leis­tungs­ni­veau” im Gegen­zug für die von ihnen gezahl­ten Ent­gel­te haben. Um dies zu gewähr­leis­ten, soll das Dienst­leis­tungs­ni­veau Gegen­stand von Ver­ein­ba­run­gen sein, die in regel­mä­ßi­gen Zeit­ab­stän­den zwi­schen dem Lei­tungs­or­gan des Flug­ha­fens und den Ver­einigun­gen, die die Flug­ha­fen­nut­zer an dem betref­fen­den Flug­ha­fen ver­tre­ten, getrof­fen wer­den.