Nie­der­säch­si­sche Coro­na-Erlas­se – und ihre Her­aus­ga­be durch das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um

Die soge­nann­ten Coro­na-Erlas­se des Nie­der­säch­si­schen Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums betref­fen nur die Innen­raum­luft in den Jus­tiz­ge­bäu­den, die nicht zur Umwelt im Sin­ne des Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­set­zes zählt.

Nie­der­säch­si­sche Coro­na-Erlas­se – und ihre Her­aus­ga­be durch das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um

Mit die­ser Begrün­dung hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall einem Jour­na­lis­ten die Her­aus­ga­be der soge­nann­ten Coro­na-Erlas­se ver­wei­gert und auf die Beschwer­de des Minis­te­ri­ums den Antrag des Jour­na­lis­ten abge­lehnt. Zuvor hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver das Nie­der­säch­si­sche Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um im Wege des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ver­pflich­tet, dem Jour­na­lis­ten sämt­li­che Erlas­se, die das Minis­te­ri­um in Bezug auf den Umgang der Jus­tiz mit der Coro­na-Pan­de­mie ver­fasst hat, zugäng­lich zu machen [1]. Das Ver­wal­tungs­ge­richt war davon aus­ge­gan­gen, dass es sich bei den Erlas­sen um Umwelt­in­for­ma­tio­nen im Sin­ne des Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­set­zes han­de­le, weil eine Über­tra­gung des Coro­na-Virus von Mensch zu Mensch durch die Luft ver­hin­dert wer­den sol­le. Dage­gen hat sich das Minis­te­ri­um mit der Beschwer­de gewehrt.

Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts stel­len die Erlas­se kei­ne Umwelt­in­for­ma­tio­nen im Sin­ne des Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­set­zes dar. Die Erlas­se dien­ten dazu, die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Jus­tiz im Pan­de­mie-Fall sowie den Gesund­heits­schutz der Beschäf­tig­ten und sons­ti­gen Per­so­nen zu gewähr­leis­ten. Die Erlas­se beträ­fen somit nur die Innen­raum­luft in den Jus­tiz­ge­bäu­den, die nicht zur Umwelt im Sin­ne des Umwelt­in­for­ma­ti­ons­ge­set­zes zäh­le.

Selbst wenn man dies anders sähe, müs­se der Umwelt­be­zug eine gewis­se Inten­si­tät auf­wei­sen. Hier­an feh­le es, da die Maß­nah­men nicht auf die Rein­hal­tung der Luft abstell­ten, son­dern die Luft nur inso­weit in den Fokus neh­me, als es um die Über­tra­gung des Coro­na-Virus von Mensch zu Mensch gehe. Dabei bestehe zum Ziel des Schut­zes von Umwelt­gü­tern nur noch ein ent­fern­ter „bei­läu­fi­ger“ Zusam­men­hang, der es auch unter der gebo­te­nen Zugrun­de­le­gung eines wei­ten Ver­ständ­nis­ses des Begriffs der Umwelt­in­for­ma­tio­nen nicht recht­fer­ti­ge, die Erlas­se als umwelt­schüt­zen­de Maß­nah­men zu betrach­ten.

Aus die­sen Grün­den hat der Jour­na­list kei­nen Anspruch auf Her­aus­ga­be der soge­nann­ten Coro­na-Erlas­se des Nie­der­säch­si­schen Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 6. Juli 2020 – 2 ME 246/​20

  1. VG Han­no­ver, Beschluss vom 12.05.2020 – 4 B 2369/​20[]