Noch­mals: die auto­ma­ti­sier­te Kenn­zei­chen­kon­trol­le im baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat eine (wei­te­re) Ver­fas­sungs­be­schwer­de betref­fend die Rege­lun­gen des baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes zur auto­ma­ti­sier­ten Kenn­zei­chen­kon­trol­le nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, da hier­für nach der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 18.12 20181 bestand.

Noch­mals: die auto­ma­ti­sier­te Kenn­zei­chen­kon­trol­le im baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz

Mit sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat­te sich der Beschwer­de­füh­rer gegen Nor­men des Geset­zes über die Auf­ga­ben und Befug­nis­se der Baye­ri­schen Staat­li­chen Poli­zei2 gewen­det, wel­che die auto­ma­ti­sier­te Kon­trol­le von Kraft­fahr­zeug­kenn­zei­chen durch die baye­ri­sche Poli­zei regeln3.

Der Beschwer­de­füh­rer rügt eine Ver­let­zung sei­nes Grund­rechts auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung aus Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG durch die Rege­lun­gen des baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes zur auto­ma­ti­sier­ten Kenn­zei­chen­kon­trol­le. Die Rege­lun­gen sei­en auf­grund eines Ver­sto­ßes gegen die grund­ge­setz­li­che Ver­tei­lung der Gesetz­ge­bungs­kom­pe­ten­zen for­mell ver­fas­sungs­wid­rig und genüg­ten nicht den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen der Bestimmt­heit und der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit.

Nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Neu­ord­nung des baye­ri­schen Poli­zei­rechts (PAG-Neu­ord­nungs­ge­setz) vom 18.05.20184 erklär­te der Beschwer­de­füh­rer, sei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de nun hin­sicht­lich des Art. 39 Bay­PAG n.F. fort­zu­füh­ren, der Art. 33 Abs. 2 Satz 2 und 3 und Art. 38 Abs. 3 Bay­PAG a.F. bei gering­fü­gi­gen redak­tio­nel­len Ände­run­gen im Wesent­li­chen wort­laut­i­den­tisch ersetz­te.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men (§ 93a Abs. 2 BVerfGG). Sie ist unzu­läs­sig, weil kein Rechts­schutz­be­dürf­nis mehr besteht.

Die Zuläs­sig­keit einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de setzt vor­aus, dass im Zeit­punkt der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ein Rechts­schutz­be­dürf­nis besteht5. Dar­an fehlt es hier, weil das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­streb­te ver­fas­sungs­recht­li­che Über­prü­fung der Nor­men des baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes zur auto­ma­ti­sier­ten Kenn­zei­chen­kon­trol­le im Beschluss vom 18.12 2018 – 1 BvR 142/​15, www.bverfg.de, mitt­ler­wei­le vor­ge­nom­men hat. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die teil­wei­se Unver­ein­bar­keit von Art. 33 Abs. 2 Satz 2 bis 5 in Ver­bin­dung mit Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 Bay­PAG a.F. sowie des­sen Neu­fas­sung Art. 39 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 Bay­PAG mit Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG fest­ge­stellt. Auch im Hin­blick auf Art. 38 Abs. 3 Bay­PAG a.F. und des­sen Neu­fas­sung Art. 39 Abs. 3 Satz 1 bis 3 Bay­PAG wur­de die teil­wei­se Unver­ein­bar­keit mit Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1 GG fest­ge­stellt. Soweit die ange­grif­fe­nen Nor­men nicht für nich­tig erklärt wur­den, hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die ver­fas­sungs­wid­ri­gen Rege­lun­gen des baye­ri­schen Poli­zei­auf­ga­ben­ge­set­zes in der Fas­sung vom 18.05.2018 bis zu einer Neu­re­ge­lung durch den Gesetz­ge­ber, längs­tens bis zum 31.12 2019, nach Maß­ga­be der Grün­de des Beschlus­ses vom 18.12 2018 für wei­ter­hin anwend­bar erklärt und kon­kre­te Maß­ga­ben für die Aus­le­gung und Hand­ha­bung der ein­fach­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen fest­ge­legt. Die­se Ent­schei­dung hat Geset­zes­kraft (§ 31 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG).

Der Gegen­stand die­ser Rechts­satz­ver­fas­sungs­be­schwer­de geht nicht über den Gegen­stand der Urteils­ver­fas­sungs­be­schwer­de hin­aus, über die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Beschluss vom 18.12 2018 ent­schie­den hat. Auch durch die Umstel­lung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de (vgl. BVerfGE 87, 181, 194) wur­de der Umfang der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Prü­fung nicht erwei­tert. Zwar ver­weist Art. 39 Abs. 1 Satz 1 Bay­PAG n.F. auf­grund von Geset­zes­än­de­run­gen, die zwi­schen dem Ein­gang und der Umstel­lung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de erfolg­ten, mitt­ler­wei­le auch auf Art. 13 Abs. 1 Nr. 1 Buch­sta­be b) und Nr. 2 Buch­sta­be c) Bay­PAG. Soweit sich die Ver­fas­sungs­be­schwer­de auch auf die­se Nor­men erstreckt, genügt die Begrün­dung jedoch nicht den Anfor­de­run­gen aus § 23 Abs. 1 Satz 2 Halb­satz 1, § 92 BVerfGG.

Für eine auf den­sel­ben Gegen­stand zie­len­de ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Ent­schei­dung über die im Wesent­li­chen inhalts­glei­chen Grund­rechts­rü­gen besteht kein Bedürf­nis mehr. Der Beschwer­de­füh­rer hat kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­gen auf­ge­wor­fen, die in ihrem mate­ri­el­len Gehalt über die im Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 18.12 2018 geprüf­ten Ein­wän­de gegen das Gesetz hin­aus­ge­hen.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss der des Ers­tens vom 16. März 2019 – 1 BvR 1782/​09

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 18.12 2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 2 ff.
  2. Poli­zei­auf­ga­ben­ge­setz – im Fol­gen­den: Bay­PAG
  3. vgl. hier­zu aus­führ­lich BVerfG, Beschluss vom 18.12 2018 – 1 BvR 142/​15, Rn. 2 ff.
  4. BayGVBl S. 301
  5. vgl. BVerfGE 33, 247, 253; 50, 244, 247; stRspr