Not­wen­di­ge Bei­la­dung – und die Rechts­kraft­wir­kung des Urteils

Die not­wen­di­ge Bei­la­dung gemäß § 65 Abs. 2 VwGO erwei­tert die Bin­dungs­wir­kung des Urteils nur in per­sön­li­cher Hin­sicht. Sie führt nicht zur Erwei­te­rung des die Rechts­kraft­wir­kung in sach­li­cher Hin­sicht begren­zen­den Streit­ge­gen­stan­des.

Not­wen­di­ge Bei­la­dung – und die Rechts­kraft­wir­kung des Urteils

Nach § 121 Nr. 1 VwGO bin­den rechts­kräf­ti­ge Urtei­le die Betei­lig­ten und ihre Rechts­nach­fol­ger, soweit über den Streit­ge­gen­stand ent­schie­den wor­den ist.

Rechts­kräf­tig wird in sach­li­cher Hin­sicht nur die Fest­stel­lung der Rechts­fol­ge als Ergeb­nis der Sub­sum­ti­on des Sach­ver­halts unter das Gesetz. Die Rechts­kraft ist damit auf den unmit­tel­ba­ren Gegen­stand des Urteils beschränkt, näm­lich die im Ent­schei­dungs­satz des Urteils ver­kör­per­te Schluss­fol­ge­rung aus Rechts­norm und Lebens­sach­ver­halt.

Hin­ge­gen erstreckt sich die Rechts­kraft nicht auf die ein­zel­nen Urteilsele­men­te, also nicht auf die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen, die Fest­stel­lung ein­zel­ner Tat­be­stands­merk­ma­le, die der Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den vor­greif­li­chen Rechts­ver­hält­nis­se, sons­ti­ge Vor­fra­gen sowie die Schluss­fol­ge­run­gen, auch wenn die­se für die Ent­schei­dung tra­gend gewe­sen sind1.

Wei­ter­ge­hen­de Wir­kun­gen kön­nen auch einem Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­ur­teil nicht zukom­men. Aus dem Zweck der Bei­la­dung, die Rechts­kraft des Urteils auf den Drit­ten zu erstre­cken, folgt nichts ande­res. Denn auch die not­wen­di­ge Bei­la­dung gemäß § 65 Abs. 2 VwGO erwei­tert die Bin­dungs­wir­kung des Urteils nur in per­sön­li­cher Hin­sicht. Sie kann jedoch nicht zu einer Erwei­te­rung des Streit­ge­gen­stan­des in sach­li­cher Hin­sicht füh­ren.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Dezem­ber 2018 – 6 B 56.18

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 10.05.1994 – 9 C 501.93, BVerw­GE 96, 24, 26 []