Not­wen­dig­keit ver­kehrs­be­ru­hi­gen­der Maß­nah­men

Ist es für die Gewähr­leis­tung der Sicher­heit und Ord­nung nicht not­wen­dig, zusätz­li­che ver­kehrs­recht­li­che Maß­nah­men zur Beru­hi­gung des flie­ßen­den Ver­kehrs in einer Stra­ße zu errich­ten, so haben die Anwoh­ner auch kei­nen Anspruch hier­auf.

Not­wen­dig­keit ver­kehrs­be­ru­hi­gen­der Maß­nah­men

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge von Anwoh­nern der Pater-Fröh­lich-Stra­ße in Koblenz-Aren­berg abge­wie­sen. Der Klä­ger wohnt mit sei­ner Fami­lie in der Pater-Fröh­lich-Stra­ße, einer Stra­ße, die teil­wei­se als ver­kehrs­be­ru­hig­ter Bereich aus­ge­wie­sen ist. Dort darf nur mit Schritt­ge­schwin­dig­keit gefah­ren wer­den. Es bestehen kei­ne Geh­we­ge. Auf der Stra­ße sind zur Min­de­rung der Geschwin­dig­keit der Kraft­fahr­zeu­ge unter ande­rem Auf­pflas­te­run­gen ange­bracht und ein Blu­men­kü­bel auf­ge­stellt.

Auf die Kla­ge des Klä­gers hat das Ver­wal­tungs­ge­richt die beklag­te Stadt ver­pflich­tet, wei­te­re ver­kehrs­be­ru­hi­gen­de Maß­nah­men, wie etwa die Schlie­ßung der Stra­ße für den Durch­gangs­ver­kehr zu einer Lan­des­stra­ße, zu ergrei­fen. Hier­ge­gen ist von der Stadt Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz sei die nach der aktu­el­len Ver­kehrs­zäh­lung ermit­tel­te Ver­kehrs­dich­te noch nicht so hoch, dass die in einem ver­kehrs­be­ru­hig­ten Bereich gel­ten­den Ge- und Ver­bo­te fak­tisch nicht mehr ein­ge­hal­ten wer­den könn­ten. Zwar sei die Pla­nung der Pater-Fröh­lich-Stra­ße im Hin­blick auf die Funk­ti­on eines ver­kehrs­be­ru­hig­ten Bereichs nicht unpro­ble­ma­tisch, weil sie auch als Ver­bin­dungs­stra­ße zwi­schen der Pfar­rer-Kraus-Stra­ße und der Lan­des­stra­ße 127 geplant wor­den sei. Jedoch sei die aktu­ell gemes­se­ne Ver­kehrs­dich­te von 758 Kraft­fahr­zeu­gen an einem Werk­tag mit 52 bis maxi­mal 69 Fahr­zeu­gen pro Stun­de am Nach­mit­tag in der Zeit von 15 bis 19 Uhr noch nicht so hoch, dass ein Auf­ent­halt von Fuß­gän­gern und spie­len­den Kin­dern nicht mehr mög­lich wäre. Denn in einem ver­kehrs­be­ru­hig­ten Bereich dürf­ten Fahr­zeu­ge nur Schritt­ge­schwin­dig­keit, d.h. deut­lich unter 20 Stun­den­ki­lo­me­ter fah­ren. Soweit vom Klä­ger gel­tend gemacht wer­de, vie­le Fahr­zeu­ge hiel­ten sich nicht an die vor­ge­schrie­be­ne Schritt­ge­schwin­dig­keit, kön­ne dies die begehr­ten ver­kehrs­recht­li­chen Maß­nah­men – wie etwa eine Ein­bahn­stra­ßen­re­ge­lung oder die Anord­nung einer rei­nen Anlie­ger­stra­ße – nicht recht­fer­ti­gen. Es sei inso­weit viel­mehr Auf­ga­be der Stadt Koblenz, ins­be­son­de­re durch häu­fi­ge­re Geschwin­dig­keits­kon­trol­len dar­auf hin­zu­wir­ken, dass die vor­ge­schrie­be­ne Geschwin­dig­keit beach­tet wer­de.

Der Klä­ger habe daher kei­nen Anspruch auf zusätz­li­che ver­kehrs­recht­li­che Maß­nah­men zur Beru­hi­gung des flie­ßen­den Ver­kehrs in der Pater-Fröh­lich-Stra­ße, weil sol­che für die Gewähr­leis­tung der Sicher­heit und Ord­nung nicht not­wen­dig sei­en.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 24. Mai 2012 – 7 A 10976/​11.OVG