Nut­zungs­än­de­rung zur Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber

Eine Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber ist in einem Gewer­be­ge­biet grund­sätz­lich unzu­läs­sig. Sie ist auch nicht aus­nahms­wei­se als Anla­ge für sozia­le Zwe­cke zuläs­sig, weil ihr ein wohn­ähn­li­cher Cha­rak­ter zukommt. Eine aus­ge­spro­che­ne Befrei­ung von Fest­set­zun­gen eines Bebau­ungs­plans ist rechts­wid­rig, wenn die geneh­mig­te Nut­zungs­än­de­rung die Grund­zü­ge des Bebau­ungs­plans berührt.

Nut­zungs­än­de­rung zur Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Nach­bark­la­ge statt­ge­ge­ben, mit der sich Nach­barn gegen die von der Stadt Fell­bach erteil­ten Bau­ge­neh­mi­gung zur Ände­rung der Nut­zung des Ron­cal­li-Hau­ses in Fell­bach-Oef­fin­gen als Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber gewehrt haben.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart sei eine Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber in einem Gewer­be­ge­biet grund­sätz­lich unzu­läs­sig. Die geneh­mig­te Gemein­schafts­un­ter­kunft sei in einem Gewer­be­ge­biet auch nicht aus­nahms­wei­se als Anla­ge für sozia­le Zwe­cke zuläs­sig, weil ihr ein wohn­ähn­li­cher Cha­rak­ter zukom­me. Die vom Regie­rungs­prä­si­di­um Stutt­gart im Wider­spruchs­be­scheid vom 07.08.2013 aus­ge­spro­che­ne Befrei­ung sei rechts­wid­rig. Eine Befrei­ung von Fest­set­zun­gen eines Bebau­ungs­plans set­ze nach dem Bau­ge­setz­buch vor­aus, dass die Grund­zü­ge der Pla­nung nicht berührt wer­den. Die geneh­mig­te Nut­zungs­än­de­rung berüh­re die Grund­zü­ge des Bebau­ungs­plans "Hand­wer­ker­ge­biet". Grund­zug die­ser Pla­nung sei nach der Begrün­dung des Bebau­ungs­plans, aus Immis­si­ons­schutz­grün­den eine Art "Puf­fer­zo­ne" zwi­schen einem benach­bar­ten Indus­trie­ge­biet und einem nörd­lich anschlie­ßen­den Wohn­ge­biet zu schaf­fen. Eine Gemein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber lau­fe die­sem Kon­zept zuwi­der, weil damit ein hin­sicht­lich des benach­bar­ten Indus­trie­ge­biets und der von dort aus­ge­hen­den Immis­sio­nen schutz­be­dürf­ti­ger, nicht nur vor­über­ge­hen­der Auf­ent­halt von Men­schen im Plan­ge­biet zuge­las­sen wer­de. Es sei auch nicht fest­stell­bar, dass der mit der "Puf­fer­zo­ne" ver­folg­te Inter­es­sen­aus­gleich durch die bis­he­ri­ge tat­säch­li­che Ent­wick­lung im Bau­ge­biet bereits nach­hal­tig gestört sein könn­te. Erwei­se sich somit der geneh­mig­te Betrieb einer Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft als in einem Gewer­be­ge­biet unzu­läs­sig, so ver­sto­ße er zugleich gegen den Anspruch der Klä­ger auf Bewah­rung der Gebiets­art in dem hier maß­ge­ben­den Bereich.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Bau­ge­neh­mi­gung auf­ge­ho­ben.

Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 22. Juli 2014 – 11 K 3170/​13