Nut­zungs­un­ter­sa­gung eines bor­dell­arti­gen Betrie­bes

Ein bor­dell­arti­ger Betrieb kann in einem fak­ti­schen Gewer­be­ge­biet zuge­las­sen wer­den, wenn von ihm kei­ne Beläs­ti­gun­gen oder Stö­run­gen aus­ge­hen, die im Bau­ge­biet selbst oder in des­sen Umge­bung unzu­mut­bar sind und er gegen­über der Nachbbaschaft nicht rück­sichts­los ist.

Nut­zungs­un­ter­sa­gung eines bor­dell­arti­gen Betrie­bes

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­rich Karls­ru­he in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Unter­sa­gungs­ver­fü­gung zum Betrieb eines FKK-Sau­na-Clubs auf­ge­ho­ben. Die­se Ver­fü­gung ist für Räum­lich­kei­ten in einem als Wohn­haus geneh­mig­ten Gebäu­de im unbe­plan­ten Gebiet erlas­sen wor­den. Das Anwe­sen wird spä­tes­tens seit Juli 1997 auch zu Pro­sti­tu­ti­ons­zwe­cken genutzt. Die Klä­ge­rin betreibt dort einen FKK-Sau­na-Club. Eine bau­recht­li­che Geneh­mi­gung für die­se Umnut­zung liegt nicht vor. Am 17.02.2011 beschloss der Gemein­de­rat der Beklag­ten, das Gebiet zu über­pla­nen. Zur Siche­rung der Pla­nung beschloss er am 30.04.2012 und am 12.05.2014 den Erlass einer Ver­än­de­rungs­sper­re. Mit Ver­fü­gung vom 30.06.2011 unter­sag­te die Beklag­te der Klä­ge­rin zum 31.08.2011 die Nut­zung des Anwe­sens als bor­dell­arti­ger Betrieb, weil der als Ver­gnü­gungs­stät­te zu typi­sie­ren­de Betrieb for­mell und mate­ri­ell ille­gal sei. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren hat die Klä­ge­rin am 19.03.2013 Kla­ge gegen die Nut­zungs­un­ter­sa­gungs­ver­fü­gung erho­ben. Sie beruft sich im wesent­li­chen dar­auf, dass das Gebäu­de in einem über­wie­gend gewerb­lich gepräg­ten Gebiet lie­ge und der Beklag­ten die Aus­übung der Pro­sti­tu­ti­on schon seit Jah­ren bekannt sei. Die Nut­zungs­un­ter­sa­gung sei daher unver­hält­nis­mä­ßig und zudem gleich­heits­wid­rig, weil die Beklag­te gegen einen ver­gleich­ba­ren Betrieb nicht vor­ge­he. Die Beklag­te ist der Kla­ge ent­ge­gen getre­ten.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Karls­ru­he sei zwar die Nut­zung des von der Klä­ge­rin ange­mie­te­ten Anwe­sens nicht von einer Bau­ge­neh­mi­gung gedeckt und damit in for­mel­ler Hin­sicht ille­gal. Die Nut­zung ver­sto­ße aber nicht gegen Vor­schrif­ten des mate­ri­el­len Bau­rechts. In die­sem Zusam­men­hang kom­me der vom Gemein­de­rat der Beklag­ten beschlos­se­nen Ver­än­de­rungs­sper­re kei­ne maß­geb­li­che Bedeu­tung zu. Die­se sei im Zeit­punkt der münd­li­chen Ver­hand­lung des Gerichts zwar noch in Kraft gewe­sen, ste­he der Fort­füh­rung einer bis­her aus­ge­üb­ten, bau­pla­nungs­recht­lich zuläs­si­gen Nut­zung aber nicht ent­ge­gen. Ent­schei­dend kom­me es des­halb dar­auf an, ob der Betrieb der Klä­ge­rin seit der Umnut­zung des Gebäu­des bis zum Inkraft­tre­ten der Ver­än­de­rungs­sper­re fort­lau­fend gegen mate­ri­el­les Bau­recht ver­sto­ßen habe.

Dies sei nicht der Fall. Für das Gebiet, in dem das Bau­grund­stück lie­ge, exis­tie­re kein Bebau­ungs­plan. Nach dem vom ver­wal­tungs­ge­richt vor Ort gewon­ne­nen Ein­druck sei die nähe­re Umge­bung weder als Gemenge­la­ge noch als fak­ti­sches Misch­ge­biet, son­dern viel­mehr als fak­ti­sches Gewer­be­ge­biet i.S.v. § 34 Abs. 2 Bau­GB i.V.m. § 8 BauN­VO zu bewer­ten. Dort sei­en bor­dell­arti­ge Betrie­be all­ge­mein zuläs­sig. Nach dem Haupt­zweck des Unter­neh­mens, wie er sich auch aus der Gewer­be­an­mel­dung erge­be, han­de­le es sich bei dem FKK-Sau­na-Club um einen sol­chen Betrieb. Maß­geb­lich sei, dass Pro­sti­tu­tier­te dort gegen Ent­gelt sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen erbräch­ten. Anders als bei Ver­gnü­gungs­stät­ten – etwa Swin­ger­clubs – ste­he nicht das gesel­li­ge Bei­sam­men­sein, son­dern die pro­sti­tu­ti­ve Leis­tung im Vor­der­grund. Selbst wenn man den Betrieb aber als Ver­gnü­gungs­stät­te ein­ord­ne, kön­ne er gemäß § 8 Abs. 3 Nr. 3 BauN­VO aus­nahms­wei­se zuge­las­sen wer­den. Von ihm gin­gen kei­ne Beläs­ti­gun­gen oder Stö­run­gen aus, die nach der Eigen­art des Bau­ge­bie­tes im Bau­ge­biet selbst oder in des­sen Umge­bung unzu­mut­bar sei­en. Ins­be­son­de­re sei der nach außen hin unauf­fäl­li­ge, gegen­über benach­bar­ten Grund­stü­cken abge­schirm­te und über­schau­bar gro­ße Betrieb der Nach­bar­schaft gegen­über nicht rück­sichts­los.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 28. Mai 2014 – 6 K 701/​13