Öffent­li­che Abwas­ser­an­la­gen in den neu­en Bun­des­län­dern

Der Sta­tus von Lei­tun­gen als Teil der öffent­li­chen Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­an­la­ge, der sich nach dem ehe­ma­li­gen Recht der DDR ergab, ist nicht auto­ma­tisch durch In Kraft Tre­ten des BGB oder des Sat­zungs­rechts eines Abwas­ser­ver­ban­des, auf den die Abwas­ser­be­sei­ti­gung über­tra­gen wur­de, ent­fal­len.

Öffent­li­che Abwas­ser­an­la­gen in den neu­en Bun­des­län­dern

Unbe­scha­det des wei­ten Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sens eines Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­trä­gers setzt die Ent­wid­mung einer Lei­tung als bis­he­ri­gen Teils der öffent­li­chen Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­an­la­ge eine Ermes­sens­ent­schei­dung vor­aus, die es aus­schließt, dass ein Grund­stück sei­ne bis­he­ri­ge ord­nungs­ge­mä­ße Erschlie­ßung ver­liert, und die die Auf­wen­dun­gen der betrof­fe­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mer berück­sich­tigt, die mit der Umstel­lung der Orga­ni­sa­ti­on der Abwas­ser­be­sei­ti­gung ver­bun­den sind; sie dür­fen nicht unver­hält­nis­mä­ßig sein.

Im hier vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Meck­len­burg-Vor­pom­mern ent­schie­de­nen Fall gehör­ten die Klär­an­la­ge und das Lei­tungs­sys­tem (Ring­lei­tung) nach ihrer Errich­tung zur öffent­li­chen Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­an­la­ge. Dies folgt aus der sei­ner­zeit gel­ten­den Rechts­la­ge:

Die Rei­hen­haus­an­la­ge wur­de in den Jah­ren 1969/​1970 auf volks­ei­ge­nem Grund und Boden errich­tet. Rechts­trä­ger des volks­ei­ge­nen Grund und Bodens war der Rat der Gemein­de. Nach dem damals noch gel­ten­den § 94 Abs. 1 S. 1 BGB waren Ver­sor­gungs­lei­tun­gen, die in Grund und Boden ver­legt wur­den, Bestand­tei­le des Grund­stücks 1. Im Errich­tungs­zeit­punkt gel­ten­de abwei­chen­de Son­der­re­ge­lun­gen des DDR-Rechts bestan­den nicht. Die Ver­sor­gungs­lei­tun­gen lagen in volks­ei­ge­nen Grund­stü­cken, so dass die in Aus­übung der nach der Anord­nung über die Bil­dung der VEB Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­hand­lung vom 23.03.1964 2 in Ver­bin­dung mit dem Sta­tut der VEB Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­hand­lung vom 23.03.1964 3 als staat­li­che Auf­ga­be orga­ni­sier­ten Abwas­ser­be­hand­lung errich­te­te Ring­lei­tung, die der Abwas­ser­ab­lei­tung dien­te, ein­schließ­lich der der Abwas­ser­be­hand­lung die­nen­den Klein­klär­an­la­ge in Volks­ei­gen­tum stan­den. Sie kann auch nicht als Bestand­teil des jewei­li­gen Gebäu­de­ei­gen­tums ange­se­hen wer­den, weil es sich um eine Lei­tung han­delt, die der Ablei­tung des Abwas­sers meh­re­rer ver­schie­de­ner Gebäu­de dien­te.

Anhalts­punkt dafür sind auch die Hilfs­blät­ter zur Bewer­tung von Gebäu­den, bau­li­chen Anla­gen und unselb­stän­di­gen Gebäu­de­tei­len. Hier sind die Klein­klär­an­la­ge, 15 Kon­troll­schäch­te und 250 m Rohr­lei­tung aus Stein­zeug (Schmutz­was­ser) genannt, die in der Rechts­trä­ger­schaft des Rates der Gemein­de C. ste­hen. Nach den vor­han­de­nen Skiz­zen umfass­te die Län­ge von 250 m das Lei­tungs­sys­tem von der Klein­klär­an­la­ge bis zu den ein­zel­nen Haus­an­schlüs­sen. Hier­mit konn­te nicht die Lei­tung von der Klein­klär­an­la­ge weg gemeint sein, weil dann nicht erklär­bar wäre, war­um 15 Kon­troll­schäch­te zu der Anla­ge gehö­ren soll­ten. Auch wenn die­se Rechts­trä­ger­schaft im Wider­spruch zur Anord­nung vom 23.03.1964 gestan­den haben soll­te, spricht sie jeden­falls nicht dafür, dass die Ring­lei­tung bis zur Klein­klär­an­la­ge im pri­va­ten Eigen­tum auch des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers stand.

Die spä­te­ren Rechts­än­de­run­gen durch den DDR-Gesetz­ge­ber haben das Eigen­tum an den Abwas­ser­an­la­gen nicht geän­dert.

Die Anord­nung über die all­ge­mei­nen Bedin­gun­gen für den Anschluß von Grund­stü­cken an und für die Ein­lei­tung von Abwas­ser in die öffent­li­chen Abwas­ser­an­la­gen vom 10.01.1972 4 ent­hielt – soweit ersicht­lich – erst­mals eine Defi­ni­ti­on der öffent­li­chen Abwas­ser­an­la­ge. Als sol­che wur­den Anla­gen in der Rechts­trä­ger­schaft des Ver­sor­gungs­trä­gers zur Ablei­tung und Behand­lung von Abwas­ser defi­niert. Die Öffent­lich­keit der Anla­gen ende­te an der Ein­lei­tungs­stel­le (§ 2 Abs. 3 S. 1 AO 1972), die ihrer­seits in § 2 Abs. 4 AO 1972 näher defi­niert wur­de. Als Ver­sor­gungs­trä­ger wur­den die VEB Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­hand­lung oder die ört­li­chen Räte fest­ge­setzt (§ 2 Abs. 5 AO 1972). Die Ver­bin­dung zwi­schen dem öffent­li­chen Abwas­ser­ka­nal und der Ein­lei­tungs­stel­le wur­de als so genann­ter Anschluss­ka­nal defi­niert, der sei­ner­seits Teil der öffent­li­chen Anla­ge war (§ 2 Abs. 8 AO 1972). Nach § 21 Abs. 3 AO 1972 blie­ben die vor Inkraft­tre­ten die­ser Anord­nung begrün­de­ten Eigen­tums­ver­hält­nis­se an Anschluss­ka­nä­len bestehen. Die bereits 1970 bestehen­de Rechts­trä­ger­schaft an der Ring­lei­tung und den Kon­troll­schäch­ten für die Rei­hen­haus­an­la­ge blieb somit von den durch die AO 1972 bewirk­ten Rechts­än­de­run­gen unbe­rührt.

Das Was­ser­ge­setz vom 02.07.1982 änder­te das Eigen­tum an den Abwas­ser­an­la­gen eben­so wenig wie die bestehen­den Rechts­trä­ger­schaf­ten. Gemäß § 21 WG-DDR 1982 hat­ten die Rechts­trä­ger öffent­li­cher Abwas­ser­an­la­gen auf der Grund­la­ge von Rechts­vor­schrif­ten als Ver­sor­gungs­trä­ger die Ver­ant­wor­tung für die Ablei­tung und Behand­lung von Abwas­ser, soweit es in Rechts­vor­schrif­ten vor­ge­se­hen war, und für die Errich­tung und den Betrieb der öffent­li­chen Abwas­ser­an­la­gen. Gemäß § 2 Abs. 2 der Anord­nung über die all­ge­mei­nen Bedin­gun­gen für den Anschluss an und für die Ein­lei­tung von Abwas­ser in öffent­li­che Abwas­ser­an­la­gen (Abwas­ser­ein­lei­tungs­be­din­gun­gen) vom 22.12.1987 5 waren öffent­li­che Abwas­ser­an­la­gen Anla­gen in der Rechts­trä­ger­schaft der Ver­sor­gungs­trä­ger zur Ablei­tung und Behand­lung von Abwas­ser 6. Nach § 2 Abs. 3 S. 1 die­ser Anord­nung endet die Öffent­lich­keit der Anla­gen an der Ein­lei­tungs­stel­le. Gemäß § 1 Abs. 3 der Abwas­ser­ein­lei­tungs­be­din­gun­gen waren Ver­sor­gungs­trä­ger im Sin­ne die­ser Anord­nung die VEB Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­hand­lung oder die Räte der Städ­te, Stadt­be­zir­ke und Gemein­den. Die bestehen­den Eigen­tums- und Rechts­trä­ger­ver­hält­nis­se an Abwas­ser­an­la­gen blei­ben nach § 26 Abs. 2 der Anord­nung bestehen.

Mit dem In-Kraft-Tre­ten des Eini­gungs­ver­trags am 03.10.1990 hat sich der Cha­rak­ter der Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­an­la­gen nicht in der Wei­se geän­dert, dass sie kei­ne öffent­li­che Anla­gen mehr waren. Zwar ist das Rechts­in­sti­tut der Rechts­trä­ger­schaft ersatz­los weg­ge­fal­len; davon unbe­rührt blieb die nach dem lan­des­recht­lich wei­ter gel­ten­den (Art. 9 Abs. 1 S. 1 des Eini­gungs­ver­trags i. V. m. Art. 70 GG) § 21 Was­ser­ge­setz der DDR vom 02.07.1982 vor­aus­ge­setz­te Eigen­schaft von Abwas­ser­an­la­gen als öffent­li­che Abwas­ser­an­la­gen, soweit die­se nach DDR-Recht als sol­che bestan­den.

Die ver­wal­tungs­ge­richt­li­che Recht­spre­chung geht davon aus, dass sich die in der DDR betrie­be­nen öffent­li­chen Abwas­ser­an­la­gen nicht in kom­mu­na­ler Trä­ger­schaft befan­den, weil die zunächst auf dem Gebiet der ehe­ma­li­gen DDR vor­han­de­nen kom­mu­na­len Abwas­ser­ein­rich­tun­gen durch die Anord­nung über die Bil­dung der VEB Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­hand­lung vom 23.03.1964 7 den Kom­mu­nen ent­zo­gen und die Anla­gen den VEB Was­ser­ver­sor­gung und Abwas­ser­be­hand­lung (WAB) über­tra­gen wur­den 8. Durch § 40 des Was­ser­ge­set­zes des Lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­mern (LWaG) vom 30.11.1992 9 wur­de die Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­pflicht den Gemein­den im Rah­men der Selbst­ver­wal­tung über­tra­gen, soweit sie nicht ande­ren Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts über­tra­gen wur­de. Damit gin­gen die Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­an­la­gen auf die Gemein­den in dem Umfang über, wie sie zuvor öffent­li­che Ein­rich­tung waren.

Dem steht das Urteil des KG vom 16.09.2004 -16 U 28/​04, ZOV 2005, 166 nicht ent­ge­gen, wonach die Auf­fas­sung, seit dem Zeit­punkt, zu dem das betref­fen­de Grund­stück nicht mehr im Eigen­tum des Vol­kes steht, son­dern im Eigen­tum eines Pri­va­ten, § 94 Abs. 1 S. 1 BGB mit der Fol­ge anwend­bar ist, dass sich das Eigen­tum an dem Grund­stück auf die auf dem Grund­stück lie­gen­de Abwas­ser­lei­tung erstreckt. Für einen sol­chen Wech­sel der Ver­ant­wort­lich­keit für Abwas­ser­lei­tun­gen allein wegen der Ände­rung der zivil­recht­li­chen Ver­hält­nis­se lässt sich dem öffent­li­chen Was­ser­recht nichts ent­neh­men. Die Rege­lun­gen der Abwas­ser­ein­lei­tungs­be­din­gun­gen der DDR knüpf­ten auch dar­an an, dass – wie auch im vor­lie­gen­den Fall – durch die Lei­tung auf einem Grund­stück eine Viel­zahl von Gebäu­den erschlos­sen wird, vor denen ansons­ten typi­scher­wei­se eine öffent­li­che Stra­ße ver­läuft, so dass dort die für das Sam­meln des Abwas­sers vor­ge­se­he­nen Lei­tun­gen ver­lau­fen und damit die­se Teil der Öffent­lich­keit der Anla­ge sind (§ 2 Abs. 3 S. 1 der Abwas­ser­ein­lei­tungs­be­din­gun­gen). An die­ser Situa­ti­on ändert der Weg­fall des Eigen­tums des Vol­kes nichts.

Dar­an, dass die Ring­lei­tung zur öffent­li­chen Ein­rich­tung gehör­te, hat sich durch die Über­tra­gung der Anla­ge durch die Ver­ein­ba­rung zwi­schen der C. und dem Abwas­ser­zweck­ver­band vom 29.06/06.07.1995 auf den Abwas­ser­zweck­ver­band mit Wir­kung zum 01.10.1994 nichts geän­dert.

Dafür, dass auch die Ring­lei­tung als Teil der öffent­li­chen Anla­ge über­nom­men wur­de, spricht schließ­lich, dass der Abwas­ser­zweck­ver­band die Ver­bin­dungs­lei­tung auf dem Flur­stück 1 als Teil der öffent­li­chen Ein­rich­tung behan­delt, obwohl sie von sei­nem Ansatz wie die ande­ren Quer­lei­tun­gen hier­zu nicht rech­nen dürf­te.

Der Ring­ka­nal ist auch nicht durch einen Ent­wid­mungs­akt des Abwas­ser­zweck­ver­ban­des aus der öffent­li­chen Anla­ge, die der Abwas­ser­zweck­ver­band zum Zwe­cke der Abwas­ser­be­hand­lung betreibt, aus­ge­schie­den.

Das Recht zur Bestim­mung des Umfangs der öffent­li­chen Anla­ge zur Ablei­tung und Behand­lung von Abwas­ser liegt bei der Kör­per­schaft, die für die Erfül­lung die­ser Auf­ga­be zustän­dig ist. Dabei steht ihr ein wei­tes Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen zu 10. Im Rah­men ihres Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sens kön­nen die Trä­ger der Abwas­ser­ent­sor­gung auch ent­schei­den, ob sie die Grund­stücks- und Haus­an­schlüs­se über­haupt nicht oder alle bei­de oder nur die Grund­stücks­an­schlüs­se zum Bestand­teil der öffent­li­chen Ein­rich­tung bestim­men 11. Das Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen fin­det sei­ne Gren­ze zum einen am Will­kür­ver­bot, d.h. es müs­sen sach­li­che Grün­de für das aus­ge­üb­te Ermes­sen vor­lie­gen. Zum ande­ren darf bei der Ver­än­de­rung des Umfan­ges einer bestehen­den öffent­li­chen Anla­ge durch die ändern­de Ermes­sen­ent­schei­dung kein rechts­wid­ri­ger Zustand her­bei­ge­führt wer­den.

Der Abwas­ser­zweck­ver­band hat in sei­nen ver­schie­de­nen Schmutz­was­ser­sat­zun­gen den Umfang der öffent­li­chen Schmutz­was­ser­be­sei­ti­gungs­an­la­ge defi­niert.

Die nun­mehr gel­ten­den Sat­zungs­re­ge­lun­gen des Abwas­ser­zweck­ver­ban­des hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Meck­len­burg-Vor­pom­mern in sei­nem Beschluss vom 27.04.2009 12 inso­weit nicht bean­stan­det, als er aus­ge­führt hat : "Nach § 2 Nr. 3 Buchst. b SWS gehö­ren zu den öffent­li­chen Schmutz­was­ser­an­la­gen die Grund­stücks­an­schluss­ka­nä­le/-lei­tun­gen ein­schließ­lich der Grund­stücks­pump­wer­ke bei Druck­ent­wäs­se­rung, und nach Nr. 4 der Grund­stücks­an­schluss­ka­nal, das heißt der Kanal vom öffent­li­chen Stra­ßen­ka­nal bis an die Grund­stücks­gren­ze zwi­schen öffent­li­chen Stra­ßen (Wegen und Plät­zen) und dem ers­ten Pri­vat­grund­stück, auch wenn die­ses eine pri­va­te Stra­ße, ein pri­va­ter Weg oder Platz ist. Es ist aus­drück­lich bestimmt, dass der Grund­stücks­an­schluss­ka­nal Bestand­teil der öffent­li­chen Schmutz­was­ser­an­la­ge ist. Nach Nr. 5 die­ser Vor­schrift ergibt sich des Wei­te­ren, dass Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­gen die­je­ni­gen Ein­rich­tun­gen sind, die der Samm­lung, Vor­be­hand­lung, Prü­fung, Rück­hal­tung und Ablei­tung des Schmutz­was­sers auf dem Grund­stück des Anschluss­be­rech­tig­ten die­nen. Sie kön­nen sich auch auf vor­ge­la­ger­ten pri­va­ten Grund­stü­cken befin­den. Aus die­sen recht­lich nicht zu bean­stan­den­den Rege­lun­gen 13 ergibt sich, dass die von den Grund­stücks­ei­gen­tü­mern begehr­te Anschluss­lei­tung von dem G.-weg über die Grund­stü­cke Nr. 7 bis zu ihrem Grund­stück Nr. 12 von der Stra­ßen­gren­ze ab als Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­gen anzu­se­hen wäre. Sie ist somit nicht Teil der öffent­li­chen Anla­ge son­dern – wie § 2 Nr. 5 letz­ter Satz SWS bestimmt – Eigen­tum des Anschluss­be­rech­tig­ten und steht in des­sen Ver­ant­wor­tung. Dem­ge­mäß bestimmt § 6 Abs. 2 Satz 1 der Sat­zung, dass die Her­stel­lung der Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­ge ein­schließ­lich des Über­ga­be­schach­tes dem Anschluss­neh­mer obliegt. Die Vor­schrift ist seit der 3. Ände­rungs­sat­zung in der Wei­se ergänzt wor­den, dass der Zweck­ver­band beauf­tragt wer­den kann, der­ar­ti­ge Grund­stücks­an­schlüs­se her­zu­stel­len, dass aber die hier­für tat­säch­lich ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen über eine Kos­ten­er­stat­tung sei­tens des Abwas­ser­zweck­ver­ban­des gel­tend gemacht wer­den."

Indes kann nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts das In-Kraft-Tre­ten einer Sat­zung oder deren Ände­rung dann nicht die Zuord­nung von Anla­ge­tei­len zur öffent­li­chen Anla­ge ändern, wenn dadurch rechts­wid­ri­ge Zustän­de begrün­det wür­den.

Die Befug­nis zur ein­sei­ti­gen Ände­rung durch Ent­wid­mung der Lei­tung ergibt sich nicht aus § 3 Abs. 3 SWS. Die­se Vor­schrift bestimmt, dass Vor­aus­set­zung für die Berech­ti­gung und Ver­pflich­tung zum Anschluss und zur Benut­zung ist, dass das Grund­stück an eine Stra­ße (zu Stra­ßen gehö­ren auch Wege oder Plät­ze) grenzt, in der eine betriebs­fer­ti­ge öffent­li­che Schmutz­was­ser­an­la­ge vor­han­den ist oder dass das Grund­stück durch einen Zugang oder eine Zufahrt mit der Stra­ße ver­bun­den ist oder dass ein ding­li­ches oder durch Bau­last gesi­cher­tes Lei­tungs­recht bis zur Stra­ße besteht. § 3 Abs. 3 SWS regelt erkenn­bar Vor­aus­set­zun­gen für den erst­ma­li­gen Anschluss.

Rechts­wid­ri­ge Zustän­de wür­den sich aus bau­ord­nungs­recht­li­chen Vor­ga­ben erge­ben. Die gesam­te Abwas­ser­an­la­ge (Klein­klär­an­la­ge ein­schließ­lich Ring­lei­tung) liegt zwar auf einem Pri­vat­grund­stück, ist aber als öffent­li­che Ein­rich­tung bestimmt. Dies for­dert die bau­ord­nungs­recht­li­che Erschlie­ßung. Die ein­wand­freie Besei­ti­gung der Abwäs­ser ist nur dann dau­ernd gesi­chert, wenn eine öffent­li­che Sam­mel­ka­na­li­sa­ti­on vor­han­den ist, an die das Bau­grund­stück direkt ange­schlos­sen wer­den kann und der Eigen­tü­mer auf­grund einer ent­spre­chen­den Orts­sat­zung ein Anschluss­recht hat. Kann das Bau­grund­stück nicht direkt an die Kana­li­sa­ti­on ange­schlos­sen wer­den, weil z.B. die Haus­an­schluss­lei­tung – wie hier die Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­ge – über ein wei­te­res Grund­stück ver­läuft, dann muss die­ser Lei­tungs­ver­lauf durch eine Bau­last gesi­chert sein 14. Die­se Siche­rung ist gege­ben, so lan­ge die Ring­lei­tung als Teil der öffent­li­chen Abwas­ser­ein­rich­tung ein­zu­stu­fen ist, weil dadurch die Bau­grund­stü­cke direkt an die Kana­li­sa­ti­on ange­schlos­sen sind.

Dem steht auch nicht der Beschluss des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts vom 27.04.2009 ent­ge­gen. Er bezieht sich auf die Fra­ge, wie eine neu zu errich­ten­de Lei­tung, die von der in der öffent­li­chen Stra­ße G.-weg abzweigt, zu beur­tei­len ist.

Selbst wenn die Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten wer­den soll­te, dass die ein­sei­ti­ge rein recht­li­che, nicht tat­säch­li­che Ver­än­de­rung der Ver­hält­nis­se mit der Fol­ge, dass die Ange­schlos­se­nen nun neue Vor­aus­set­zun­gen auch recht­li­cher Art schaf­fen müs­sen; vom Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen der abwas­ser­be­sei­ti­gungs­pflich­ti­gen Kör­per­schaft mit umfasst ist, setzt eine ent­spre­chen­de Ent­schei­dung eine Abwä­gung vor­aus, die die Inter­es­sen der Betrof­fe­nen ange­mes­sen berück­sich­tigt. Eine sol­che Ent­schei­dung hat die Abwas­ser­zweck­ver­band vor der Umge­stal­tung der Anschlüs­se nicht behaup­tet; sie ist auch nicht erkenn­bar.

Auch durch die Schaf­fung der neu­en Anschluss­mög­lich­kei­ten im G.-weg im Jah­re 2003 allein konn­te der Abwas­ser­zweck­ver­band kei­ne Ände­rung der recht­li­chen Situa­ti­on schaf­fen, so lan­ge nicht die Grund­stü­cke recht­lich gesi­chert ander­wei­tig ange­schlos­sen sind. Dies ist der­zeit nicht der Fall.

Hin­sicht der neu­en Anschluss­si­tua­ti­on führt die Ver­än­de­rung der Anla­gen nicht für sich genom­men zu einem gesetz­li­chen Anschluss­zwang. Dies wird schon deut­lich aus § 3 Abs. 6 ABS. Er bestimmt: Wenn Ände­run­gen oder Erwei­te­run­gen an der öffent­li­chen Schmutz­was­ser­an­la­ge erfor­der­lich wer­den, kann der Zweck­ver­band B. die Anpas­sung der Grund­stücks­ent­wäs­se­rungs­an­la­gen ver­lan­gen. Hier­in liegt schon dem Wort­laut nach eine Ermes­sens­ent­schei­dung, die nach Maß­ga­be des § 40 VwVfG zu tref­fen ist. Der Abwas­ser­zweck­ver­band hat zwar – wie dar­ge­legt – ein wei­tes Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen. Im vor­lie­gen­den Fall wird er im Zusam­men­hang mit dem Anschluss­be­geh­ren die tech­ni­schen Alter­na­ti­ven sowie den Auf­wand für die Grund­stück­ei­gen­tü­mer zu erwä­gen und auf die­ser Grund­la­ge auch zu ent­schei­den haben, ob die Ring­lei­tung, soweit sie wei­ter ver­wen­det wer­den kann oder instand­ge­setzt wer­den müss­te, als Teil der öffent­li­che Ein­rich­tung ver­bleibt, ggf. mit (kon­ku­den­ter) Wid­mung der hin­zu­kom­men­den Anschluss­stü­cke zur Stra­ße.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Meck­len­burg ‑Vor­pom­mern, Urteil vom 1. Okto­ber 2014 – 3 L 138/​11

  1. vgl. BayVGH, Urteil vom 29.11.2013 – 4 B 13.1166, NVwZ-RR 2014, 217[]
  2. GBl. III S.206[]
  3. GBl. III S.207[]
  4. GBl. II S. 85; im Fol­gen­den: AO 1972[]
  5. GBl.II 1988, S. 27[]
  6. vgl. OVG Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 29.10.1993 – 2 M 25/​93[]
  7. GBl III Nr.20 S.206[]
  8. VerfG Bran­den­burg, Beschluss vom 21.09.2012 – VfG­Bbg: 46/​11, LKV 2012, 506 unter Hin­weis auf OVG Bran­den­burg, Urteil vom 12.04.2001 – 2 D 73/00.NE[]
  9. GVOBl. MV 1992, S. 669[]
  10. OVG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 30.06.2004 – 4 K 34/​02[]
  11. OVG Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Urteil vom 16.07.2008 – 3 L 336/​05 – Nor­dÖR 2009, 371[]
  12. OVG MV, Beschluss vom 27.04.2009 – 3 L 238/​08[]
  13. vgl. auch hier­zu OVG MV, Urteil vom 16.07.2008, a.a.O.[]
  14. vgl. Kae­lan­der in: Gro­ße-Suchs­dorf, Nie­der­säch­si­sche Bau­ord­nung, 9. Auf­la­ge 2013, § 41 Rn. 40[]