Offen­le­gung der Regie­rungs­ak­ten zur AKW-Lauf­zeit­ver­län­ge­rung

Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz muss nach einem Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin Ein­sicht in sei­ne Akten zu der Fra­ge der Zustim­mungs­be­dürf­tig­keit jenes Geset­zes gewäh­ren, mit wel­chem Ende 2010 die Lauf­zei­ten der deut­schen Kern­kraft­wer­ke durch­schnitt­lich um 12 Jah­re ver­län­gert wur­den.

Offen­le­gung der Regie­rungs­ak­ten zur AKW-Lauf­zeit­ver­län­ge­rung

Auf der Grund­la­ge einer sog. „For­mu­lie­rungs­hil­fe“ der Bun­des­re­gie­rung änder­te der Bun­des­tag Ende 2010 ohne Zustim­mung des Bun­des­rats das Atom­ge­setz. Im Vor­feld die­ser Ände­rung wur­de in der Pres­se berich­tet, das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz ver­tre­te die Auf­fas­sung, dass das Ände­rungs­ge­setz bei einer „mode­ra­ten Lauf­zeit­ver­län­ge­rung“ kei­ner Zustim­mung durch den Bun­des­rat bedür­fe.

Vor die­sem Hin­ter­grund bean­trag­te der Klä­ger, ihm auf der Grund­la­ge des Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes des Bun­des Ein­sicht in die im Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz vor­han­de­nen Unter­la­gen zu der Fra­ge zu gewäh­ren, was unter einer mode­ra­ten Lauf­zeit­ver­län­ge­rung zu ver­ste­hen ist. Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um lehn­te dies ab.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin folg­te nun jedoch nicht der Argu­men­ta­ti­on des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Jus­tiz, son­dern gab der Kla­ge teil­wei­se statt: Dem Akten­ein­sichts­be­geh­ren kön­ne nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz bei der Vor­be­rei­tung von Geset­zen Regie­rungs­tä­tig­keit aus­übe. Auch dabei wer­de es als Behör­de tätig und fal­le nicht aus dem Anwen­dungs­be­reich des Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes her­aus. Es han­de­le sich auch nicht um Infor­ma­tio­nen aus dem „Kern­be­reich exe­ku­ti­ver Eigen­ver­ant­wor­tung“, den die Regie­rung benö­ti­ge, um unbe­fan­gen Ent­schei­dun­gen tref­fen zu kön­nen. Dass die Regie­rung zukünf­tig in ihrer Ent­schei­dungs­frei­heit beein­träch­tigt sein könn­te, wenn die Beklag­te die frag­li­chen Infor­ma­tio­nen aus dem abge­schlos­se­nen Vor­gang der Lauf­zeit­ver­län­ge­rung offen­ba­re, sei nicht zur Über­zeu­gung des Ver­wal­tungs­ge­richts dar­ge­legt wor­den.

Soweit das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um in der Ver­hand­lung zum Inhalt wei­te­rer Akten kei­ne genau­en Anga­ben machen konn­te, hat das Ver­wal­tung­ge­richt das Ver­fah­ren abge­trennt und dem Minis­te­ri­um auf­ge­ge­ben, die Stel­len zu benen­nen, wo sich Infor­ma­tio­nen zur Zustim­mungs­be­dürf­tig­keit der Lauf­zeit­ver­län­ge­rung befin­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 9. Juni 2011 – VG 2 K 46.11