Organ­streit­ver­fah­ren – und der Ver­fah­rens­ge­gen­stand

Die ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Prü­fung ist im Organ­streit­ver­fah­ren auf den durch den Antrag umschrie­be­nen Ver­fah­rens­ge­gen­stand beschränkt.

Organ­streit­ver­fah­ren – und der Ver­fah­rens­ge­gen­stand

Zwar ist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bei der Aus­le­gung von Anträ­gen nicht an deren Wort­laut gebun­den. Ent­schei­dend ist viel­mehr der eigent­li­che Sinn des mit einem Antrag ver­folg­ten pro­zes­sua­len Begeh­rens 1. Die­ser kann sich auch aus der Antrags­be­grün­dung erge­ben 2.

Gemäß § 67 BVerfGG stellt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Ver­fah­ren nach Art. 93 Abs. 1 Nr. 1 GG ledig­lich fest, ob die bean­stan­de­te Maß­nah­me oder Unter­las­sung gegen eine Bestim­mung des Grund­ge­set­zes ver­stößt. Eine Ent­schei­dung im Organ­streit­ver­fah­ren besitzt daher kei­ne rechts­ge­stal­ten­de Wir­kung, so dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Organ­streit­ver­fah­ren eine bestimm­te Maß­nah­me weder auf­he­ben noch für nich­tig erklä­ren oder den Antrags­geg­ner zu einem bestimm­ten Ver­hal­ten ver­pflich­ten kann 3.

Nach die­sen Grund­sät­zen ist ein Antrag nicht statt­haft, der auf die Fest­stel­lung der Nich­tig­keit eines Ernen­nungs­akts und damit auf eine Fest­stel­lung mit gestal­ten­der Wir­kung zielt 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Juli 2019 – 2 BvE 4/​19

  1. vgl. BVerfGE 68, 1, 68; 129, 356, 364; BVerfG, Beschluss vom 11.12 2018 – 2 BvE 1/​18, Rn. 15[]
  2. vgl. BVerfGE 68, 1, 64; 136, 277, 301 f. Rn. 66; BVerfG, Beschluss vom 11.12 2018 – 2 BvE 1/​18, Rn. 15[]
  3. vgl. BVerfGE 136, 277, 301 Rn. 64 unter Hin­weis auf BVerfGE 1, 351, 371; 20, 119, 129; 124, 161, 188[]
  4. vgl. BVerfGE 136, 277, 302 Rn. 67; 138, 125, 131 f. Rn.19[]