Park­plät­ze im Hafen

Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ist in einem Hafen­ge­biet – kon­kret im Nord­dei­cher Hafen – das Anle­gen von Park­plät­zen zuläs­sig? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu beschäf­ti­gen und hat dabei der Revi­si­on einer Klä­ge­rin statt­ge­ge­ben, die auf die Ertei­lung einer Bau­ge­neh­mi­gung für Kfz-Stell­plät­ze im Hafen­ge­län­de von Nord­deich klagt.

Park­plät­ze im Hafen

Die Klä­ge­rin betreibt auf dem Hafen­ge­län­de von Nord­deich eine Schiffs­werft. Sie erstrebt die Ertei­lung einer Bau­ge­neh­mi­gung zur Nut­zung ihrer im Som­mer leer ste­hen­den Boots­la­ger­hal­le als Park­haus für ca. 250 Kraft­fahr­zeu­ge und zur Her­rich­tung der sich dar­an anschlie­ßen­den, sich bis zum öst­li­chen Hafen­schutz­damm erstre­cken­den Frei­flä­che als Park­platz für ca. 750 Kraft­fahr­zeu­ge. Die Stell­plät­ze sind für Gäs­te der Inseln Juist und Nor­der­ney gedacht, die mit den im Hafen able­gen­den Fäh­ren über­set­zen wol­len und ihr Kraft­fahr­zeug auf dem Fest­land ste­hen las­sen.

Die Kla­ge hat­te beim Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg und beim Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg kei­nen Erfolg. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in Lüne­burg hat das Vor­ha­ben als unzu­läs­sig ange­se­hen 1. Es hat dabei offen gelas­sen, ob das Vor­ha­ben dem Innen- oder dem Außen­be­reich zuzu­ord­nen ist. Im Innen­be­reich sei es schon sei­ner Art nach unzu­läs­sig. Die im Hafen­ge­biet bereits vor­han­de­nen Park­plät­ze par­al­lel zu den bestehen­den Stra­ßen sei­en nach Anord­nung und Zahl mit dem Vor­ha­ben der Klä­ge­rin nicht ver­gleich­bar. Selbst wenn das Vor­ha­ben in den vor­han­de­nen Park­plät­zen ein Vor­bild fän­de, sei es unzu­läs­sig, da ernst­lich zwei­fel­haft sei, ob die Stra­ßen im Hafen­ge­biet das zusätz­li­che Ver­kehrs­auf­kom­men ohne Wei­te­res bewäl­ti­gen könn­ten.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat das Lüne­bur­ger Urteil auf­ge­ho­ben und die Sache an das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen, weil schon die Aus­füh­run­gen zum Innen­be­reich gegen Bun­des­recht ver­sto­ßen. Es hat ent­schie­den, dass Anord­nung und Zahl der im Hafen­ge­biet vor­han­de­nen Park­plät­ze kein zuläs­si­ger Ver­gleichs­maß­stab sind, um zu beur­tei­len, ob das Vor­ha­ben der Klä­ge­rin sei­ner Art nach ein Vor­bild hat. Auch die Zwei­fel des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts an der Auf­nah­me­ka­pa­zi­tät der Zufahrt­stra­ßen rei­chen nicht aus, um die Bau­ge­neh­mi­gung zu ver­sa­gen. Dafür muss viel­mehr fest­ste­hen, dass das Ver­kehrs­auf­kom­men die Kapa­zi­tät der Stra­ßen, und zwar nicht nur in Spit­zen­zei­ten, spren­gen wür­de. Das muss das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nun ggf. noch klä­ren.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2010 – 4 C 7.10

  1. Nds. OVG, Urteil vom 22.06.2009 – 1 LB 52/​08[]