Par­la­men­ta­ri­sches Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht

Die (teil­wei­se) Nicht­be­ant­wor­tung der Fra­ge eines (Landtags-)Abgeordneten unter Beru­fung auf angeb­li­che Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen kann das ver­fas­sungs­recht­lich garan­tier­te Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht des Abge­ord­ne­ten ver­let­zen.

Par­la­men­ta­ri­sches Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht

So hat jetzt das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt auf den Antrag eines Mit­glieds des Land­ta­ges im Organ­streit­ver­fah­ren fest­ge­stellt, dass die Beant­wor­tung zwei­er Klei­ner Anfra­gen durch die Lan­des­re­gie­rung den Antrag­stel­ler in sei­nem durch die Ver­fas­sung garan­tier­ten Fra­ge- und Infor­ma­ti­ons­recht ver­letzt. Die Klei­nen Anfra­gen betra­fen die Ver­ga­be von Nah­ver­kehrs­ver­trä­gen des Lan­des. Die Lan­des­re­gie­rung hat­te die Fra­gen des Abge­ord­ne­ten unter Beru­fung auf Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen sowie ein zum dama­li­gen Zeit­punkt vor dem Ober­lan­des­ge­richt Naum­burg anhän­gi­ges Ver­ga­be­nach­prü­fungs­ver­fah­ren nicht oder nur teil­wei­se beant­wor­tet.

Das Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat aus­ge­führt, dass das par­la­men­ta­ri­sche Regie­rungs­sys­tem grund­le­gend durch die auch den ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten zuge­wie­se­ne, unver­zicht­ba­re Kon­troll­funk­ti­on des Par­la­ments gegen­über der Regie­rung geprägt ist. Gegen­stand der par­la­men­ta­ri­schen Kon­trol­le ist dabei gera­de die Zweck­mä­ßig­keit des Regie­rungs­han­delns, die auch die Kennt­nis von „Umfeld­in­for­ma­tio­nen“ erfor­dert.

Der Aus­kunfts­an­spruch ist zur Siche­rung einer wirk­sa­men Man­dats­aus­übung grund­sätz­lich auf die Ertei­lung öffent­lich ver­wend­ba­rer Infor­ma­tio­nen gerich­tet. Geschäfts- und Ver­trags­ge­heim­nis­se wer­den durch das Ver­fah­ren nach der Geheim­schutz­ord­nung des Land­ta­ges von Sach­sen-Anhalt in aus­rei­chen­der und ange­mes­se­ner Form geschützt. Bei deren Anwen­dung wären durch die voll­stän­di­ge Beant­wor­tung der Fra­gen des Antrag­stel­lers weder Nach­tei­le für das Wohl des Lan­des noch die Gefahr der Ver­let­zung schutz­wür­di­ger Inter­es­sen Drit­ter zu befürch­ten gewe­sen.

Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 17. Sep­tem­ber 2013 – LVG 14/​12