Par­tei­en­fi­nan­zie­rung – die Möl­le­mann-Spen­den und der Sank­ti­ons­be­scheid gegen die FDP

Der Sank­ti­ons­be­scheid, mit dem der Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges die Beschei­de über die Gewäh­rung staat­li­cher Mit­tel an die Freie Demo­kra­ti­sche Par­tei (FDP) für die Jah­re 1997 bis 2001 sowie 2003 teil­wei­se zurück­ge­nom­men und gegen die Par­tei Rück­erstat­tungs- und Abfüh­rungs­ver­pflich­tun­gen i.H.v. ins­ge­samt rund 3,5 Mio. € fest­ge­setzt hat, ist inso­weit rechts­wid­rig, als er an Spen­den­vor­gän­ge im Jahr 1999 anknüpft. In Bezug auf die Ver­stö­ße gegen par­tei­en­fi­nan­zie­rungs­recht­li­che Vor­schrif­ten in dem genann­ten Jahr lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen einer sank­ti­ons­be­frei­en­den Selbst­an­zei­ge vor. Im Übri­gen ist der Sank­ti­ons­be­scheid hin­ge­gen recht­mä­ßig. Dies hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­den.

Par­tei­en­fi­nan­zie­rung – die Möl­le­mann-Spen­den und der Sank­ti­ons­be­scheid gegen die FDP

Der beklag­te Prä­si­dent des Deut­schen Bun­des­ta­ges hat­te den ange­foch­te­nen Rück­nah­me- und Erstat­tungs­be­scheid damit begrün­det, dass der Lan­des­ver­band Nord­rhein-West­fa­len der FDP in den Jah­ren 1996 bis 2000 und 2002 Spen­den von sei­nem dama­li­gen Vor­sit­zen­den Möl­le­mann unter Ver­stoß gegen ein gesetz­li­ches Spen­den­an­nah­me­ver­bot ange­nom­men und man­gels unver­züg­li­cher Wei­ter­lei­tung an den Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges rechts­wid­rig erlangt habe. Nach den anzu­wen­den­den Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes ver­lie­re die Par­tei daher den Anspruch auf staat­li­che Mit­tel in Höhe des Zwei­fa­chen der rechts­wid­rig erlang­ten oder nicht den Vor­schrif­ten des Par­tei­en­geset­zes ent­spre­chend ver­öf­fent­lich­ten Beträ­ge.

In einem ers­ten Revi­si­ons­ver­fah­ren hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Auf­fas­sung des Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges bestä­tigt, dass die Par­tei­spen­den gesetz­wid­rig ange­nom­men wor­den sind. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat jedoch ange­nom­men, die Sank­tio­nen sei­en nach einer 2002 in das Par­tei­en­gesetz ein­ge­füg­ten und auf zurück­lie­gen­de Spen­den­fäl­le ent­spre­chend anzu­wen­den­den Rege­lung dann aus­ge­schlos­sen, wenn die Par­tei Rechts­ver­stö­ße zu einem Zeit­punkt ange­zeigt habe, in dem kon­kre­te Anhalts­punk­te für die­se Ver­stö­ße außer­halb der Par­tei nicht bekannt gewe­sen sei­en, und sie den Sach­ver­halt umfas­send offen­ge­legt habe. Weil für die in den Jah­ren 1999, 2000 und 2002 erlang­ten Spen­den Anhalts­punk­te für der­ar­ti­ge sank­ti­ons­be­frei­en­de Auf­klä­rungs­be­mü­hun­gen der Par­tei bestan­den, vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hier­zu jedoch noch kei­ne tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen getrof­fen waren, hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Sache in die­sem Umfang an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg zurück­ver­wie­sen. Die­ses hat in dem fort­ge­setz­ten Beru­fungs­ver­fah­ren eine sank­ti­ons­be­frei­en­de Selbst­an­zei­ge der FDP nur für die im Jahr 1999, nicht jedoch auch für die in den Jah­ren 2000 und 2002 rechts­wid­rig erlang­ten Spen­den ange­nom­men 1.

Die gegen die­ses Urteil ein­ge­leg­te Revi­si­on der FDP hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt nun eben­so wie die Anschluss­re­vi­si­on des beklag­ten Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges zurück­ge­wie­sen. Zwar hat die FDP, nach­dem sie Kennt­nis von der Unzu­läs­sig­keit der Spen­den erlangt hat­te, dies dem Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges jeweils ohne schuld­haf­tes Zögern den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spre­chend ange­zeigt. Hin­sicht­lich der in den Jah­ren 2000 und 2002 erlang­ten Spen­den war die Sank­ti­ons­be­frei­ung jedoch gleich­wohl aus­ge­schlos­sen, weil die Anzei­ge nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts erst zu einem Zeit­punkt erfolgt war, in dem kon­kre­te Anhalts­punk­te für die von der Par­tei bezeich­ne­ten Unrich­tig­kei­ten auf­grund von Pres­se­be­rich­ten bereits öffent­lich bekannt waren. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts bestä­tigt, dass an den Inhalt der Medi­en­be­rich­te, die zum Aus­schluss der Sank­ti­ons­be­frei­ung füh­ren, kei­ne höhe­ren Maß­stä­be anzu­le­gen sind, als sie für die Anzei­ge selbst gel­ten. Es ist daher kei­ne lücken­lo­se und abschlie­ßen­de Dar­stel­lung des maß­geb­li­chen Gesche­hens­ab­laufs erfor­der­lich, son­dern es genügt, dass ein sol­cher Bericht hin­rei­chend aus­sa­ge­kräf­ti­ge und belast­ba­re Tat­sa­chen ent­hält, um von der begrün­de­ten Mög­lich­keit eines Rechts­ver­sto­ßes aus­zu­ge­hen. Die Sank­ti­ons­be­frei­ungs­re­ge­lung dient dem öffent­li­chen Inter­es­se, mög­lichst schnell die ver­fas­sungs­recht­lich gefor­der­te Trans­pa­renz in Bezug auf die Her­kunft und Ver­wen­dung der Mit­tel der Par­tei wie­der her­zu­stel­len. Die­sem Inter­es­se wird im Hin­blick auf die eige­ne Prü­fungs­pflicht des Bun­des­tags­prä­si­den­ten jedoch bereits dadurch erschöp­fend Rech­nung getra­gen, dass Medi­en­be­rich­te Anhalts­punk­te für Rechts­ver­stö­ße der Par­tei ver­brei­ten, die so kon­kret sind, dass sie die Ein­lei­tung eines behörd­li­chen Prü­fungs­ver­fah­rens unaus­weich­lich machen. Die Anzei­ge der Par­tei kann in einem sol­chen Fall ihre Anstoß­funk­ti­on nicht mehr erfül­len.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 27. April 2016 – 6 C 5.15

  1. OVG Ber­lin – Bran­den­burg, Urteil vom 17.12.2014 – 3 B 16.13[]