Par­ty nach dem Wochen­markt

Fehlt es an einer Anspruchs­grund­la­ge für ein behörd­li­ches Ein­schrei­ten, kann eine Stadt nicht dazu ver­pflich­tet wer­den. Auch wenn die von einer Men­schen­men­ge ver­ur­sach­ten Lärm­pe­gel die Richt­wer­te der ein­schlä­gi­gen Lärm­richt­li­ni­en über­schrei­ten, wird eine begehr­te all­ge­mei­ne Rege­lung, die zu einem behörd­li­chen Ein­schrei­ten ver­pflich­tet, weder vom Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung (HSOG) noch auf Vor­schrif­ten des Hes­si­schen Stra­ßen­ge­set­zes (HStrG) oder der Hes­si­schen Gemein­de­ord­nung (HGO) getra­gen.

Par­ty nach dem Wochen­markt

Mit die­ser Begrün­dung hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Stadt Frank­furt a.M. nicht dazu ver­pflich­tet, die "Frei­tags-Par­ties" in Frank­fut zu unter­sa­gen. Nach Abschluss des Frei­tags statt­fin­den­den Wochen­markts kommt es, ins­be­son­de­re in den Som­mer­mo­na­ten auf dem "Fried­ber­ger Platz" in Frank­furt am Main immer wie­der zu spon­ta­nen, d. h. nicht orga­ni­sier­ten Ansamm­lun­gen einer gro­ßen Anzahl von Men­schen, sog. "Frei­tags- Par­ties". Durch die­se gro­ße Ansamm­lung von Men­schen, die sich auf dem Platz tref­fen und dort ver­wei­len um sich zu unter­hal­ten, ent­ste­hen erheb­li­che Lärm­im­mis­sio­nen. Die Klä­ge­rin, eine Anwoh­ne­rin des "Fried­ber­ger Plat­zes" wand­te sich des­halb im Sep­tem­ber 2010 an die Stadt Frank­furt am Main und ver­lang­te ein Ein­schrei­ten der zustän­di­gen Behör­den mit der Begrün­dung, die erheb­li­chen Lärm­beein­träch­ti­gun­gen wür­den zu einer nach­hal­ti­gen Stö­rung der Nacht­ru­he und zu einer Beein­träch­ti­gung ihrer kör­per­li­chen Unver­sehrt­heit füh­ren. Dem hielt die Stadt Frank­furt am Main ent­ge­gen, bei der Nut­zung des "Fried­ber­ger Plat­zes" als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­treff im Anschluss an den Wochen­markt han­de­le es sich um ein erlaub­tes, urba­nes Gesche­hen, das dem som­mer­li­chen Frei­zeit­ver­hal­ten des über­wie­gen­den Bevöl­ke­rungs­an­teils ent­spre­che. Ein behörd­li­ches Ein­schrei­ten erfol­ge nur im Ein­zel­fall bei auf­fäl­lig lau­ten Stö­rern. Die dar­auf­hin erho­be­ne Kla­ge wur­de vom Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main abge­wie­sen. Dar­auf­hin ist Beru­fung ein­ge­legt wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­ho­fes wür­den die von der Men­schen­men­ge ver­ur­sach­ten Lärm­pe­gel nach einem ein­ge­hol­ten schall­tech­ni­schen Gut­ach­ten die Richt­wer­te der ein­schlä­gi­gen Lärm­richt­li­ni­en für den Zeit­raum nach 22.00 Uhr zwar über­schrei­ten. Aber eine von der Klä­ge­rin erstreb­te all­ge­mei­ne Rege­lung lie­ße sich weder auf die Bestim­mun­gen des Hes­si­schen Geset­zes über die öffent­li­che Sicher­heit und Ord­nung (HSOG) noch auf Vor­schrif­ten des Hes­si­schen Stra­ßen­ge­set­zes (HStrG) oder der Hes­si­schen Gemein­de­ord­nung (HGO) stüt­zen. Daher sieht der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof für die von der Klä­ge­rin bean­trag­te Ver­pflich­tung der Stadt Frank­furt am Main zur Beschei­dung ihres Antrags vom Sep­tem­ber 2010 auf behörd­li­ches Ein­schrei­ten gegen die Men­schen­an­samm­lun­gen im Anschluss an den frei­tags statt­fin­den­den Wochen­markt kei­ne gesetz­li­che Anspruchs­grund­la­ge.

Hes­si­scher Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 10. April 2014 – 8 A 2421/​11