Pas­siv­kon­sum von Koka­in?

Die Behaup­tung, unbe­wusst Koka­in durch Haut­kon­takt ein­ge­nom­men zu haben, steht in kras­sem Wider­spruch zu allen dies­be­züg­li­chen wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen. Der Ein­wand kann daher der auf einen Dro­gen­kon­sum gestütz­ten Ent­zie­hung der Fahr­erlaub­nis nicht mit Erfolg ent­ge­gen gehal­ten wer­den. Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin einen Eil­an­trag eines 29-jäh­ri­gen Bar­man­nes zurück­ge­wie­sen.

Pas­siv­kon­sum von Koka­in?

Der Antrag­stel­ler, der in einer Dis­ko­thek in Ber­lin-Mit­te arbei­tet, war im Juli 2008 von Poli­zei­be­am­ten im Stra­ßen­ver­kehr kon­trol­liert und – nach dro­gen­ty­pi­schen kör­per­li­chen Auf­fäl­lig­kei­ten – einem Dro­gen­schnell­test unter­zo­gen wor­den. In der ihm ent­nom­me­nen Blut­pro­be waren erheb­li­che Abbau­pro­duk­te von Koka­in fest­ge­stellt wor­den. Das Lan­des­amt für Bür­ger- und Ord­nungs­an­ge­le­gen­hei­ten ent­zog dem Mann dar­auf­hin im Novem­ber 2008 unter Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung die Fahr­erlaub­nis, weil er trotz Betäu­bungs­mit­tel­kon­sums ein Kraft­fahr­zeug im öffent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr geführt habe.

Zur Begrün­dung sei­nes hier­ge­gen gerich­te­ten Eil­an­trags hat­te der Antrag­stel­ler im Kern gel­tend gemacht, er sei kein Koka­in­kon­su­ment, son­dern unfrei­wil­lig mit der­ar­ti­gen Sub­stan­zen, die Gäs­te trotz Ver­bots des Betrei­bers in den Räu­men kon­su­mier­ten, in Kon­takt gekom­men. Er kön­ne nie­mals aus­schlie­ßen, dass jemand auf­grund von Ver­wechs­lun­gen etwas in sein Getränk hin­ein­mi­sche oder Spu­ren vor­ma­li­gen Kon­sums am Tre­sen hin­ter­las­se. Er wis­se auch nicht, um wel­che Sub­stan­zen es sich han­de­le, deren Res­te er bei der Rei­ni­gung des Lokals besei­ti­ge.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te die Ent­schei­dung der Behör­de, dass der Antrag­stel­ler unge­eig­net zum Füh­ren von Kraft­fahr­zeu­gen sei. Der Antrag­stel­ler kön­ne dem nicht mit Erfolg ent­ge­gen hal­ten, die Dro­gen nur unbe­wusst ein­ge­nom­men zu haben. Koka­in wer­de geraucht, inha­liert, als Tee in alko­ho­li­schen Geträn­ken getrun­ken oder inji­ziert, über­wie­gend aber geschnupft. Koka­in wer­de aber von der intak­ten Ober­haut des Men­schen nicht resor­biert.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 26. Febru­ar 2009 – VG 11 A 778.08 -