Per­so­nal­rats­wahl – und der am letz­ten Tag ein­ge­reich­te Wahl­vor­schlag

Nach § 10 Abs. 2 BPers­VWO gibt der Wahl­vor­stand Wahl­vor­schlä­ge, die ungül­tig sind, unver­züg­lich nach Ein­gang unter Anga­be der Grün­de zurück. Den Wäh­le­rin­nen und Wäh­lern soll dadurch die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wer­den, mit gül­ti­gen Wahl­vor­schlä­gen am Wahl­ver­fah­ren teil­neh­men und ihre Chan­cen wah­ren zu kön­nen.

Per­so­nal­rats­wahl – und der am letz­ten Tag ein­ge­reich­te Wahl­vor­schlag

Wahl­vor­schlä­ge sol­len nicht vor­ran­gig an for­ma­len Aspek­ten schei­tern, son­dern die Mög­lich­keit haben, sich der Wahl­ent­schei­dung zu stel­len. In die­sem Lich­te ist das Gebot der Unver­züg­lich­keit zur Rück­ga­be ungül­ti­ger Wahl­vor­schlä­ge zu beur­tei­len und aus­zu­le­gen1.

Die­sen Hand­lungs­vor­ga­ben dürf­te der Wahl­vor­stand Genü­ge getan haben. Zwar hat er sich offen­bar nicht als Gre­mi­um inner­halb der Dienst­stun­den zur Beschluss­fas­sung bereit­ge­hal­ten. Vom Wahl­vor­stand konn­te bei Ein­rei­chung des Wahl­vor­schlags am Tag des Frist­ab­laufs um 15:50 Uhr unter den kon­kre­ten Umstän­den aller­dings wohl nicht mehr eine abschlie­ßen­de und ver­bind­li­che Prü­fung der Gül­tig­keit ver­langt wer­den, die dem Lis­ten­ver­tre­ter sodann noch am sel­ben Tage einen geän­der­ten Vor­schlag ermög­licht hät­te. Dass die per­sön­li­che Ent­ge­gen­nah­me von Wahl­vor­schlä­gen von Mit­glie­dern des Wahl­vor­stands nur inner­halb der übli­chen Dienst­zei­ten, bei denen die Mit­ar­bei­ter anwe­send sein müs­sen, erfol­gen wür­de, war offen­bar trotz eines dazu im Wahl­aus­schrei­ben nicht ent­hal­te­nen Hin­wei­ses2 in der Dienst­stel­le all­ge­mein bekannt. Dies zeigt schon der Umstand, dass zwi­schen 15:00 und 16:00 Uhr drei Wahl­vor­schlä­ge ein­ge­gan­gen sind. Von einem Wahl­vor­stand dürf­te nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts trotz der recht­lich bis 24:00 Uhr lau­fen­den und auch nicht abkürz­ba­ren Ein­rei­chungs­frist3 nicht ver­langt wer­den kön­nen, über die übli­chen Dienst­zei­ten hin­aus zur Prü­fung von Wahl­vor­schlä­gen prä­sent zu blei­ben. Einer­seits muss die Prü­fung und Rück­ga­be ungül­ti­ger Wahl­vor­schlä­ge umso schnel­ler erfol­gen, je wei­ter die Ein­rei­chungs­frist fort­ge­schrit­ten ist.

Ande­rer­seits kann ein Ein­rei­cher eine abschlie­ßen­de (und zutref­fen­de) Prü­fung des Wahl­vor­stan­des umso weni­ger erwar­ten, je mehr er sich dem Ende der übli­chen Dienst­stun­den nähert. Selbst wenn sich der Wahl­vor­stand als Gre­mi­um noch bis 16:00 Uhr zur Prü­fung hät­te bereit­hal­ten müs­sen, erscheint nach den kon­kre­ten Umstän­den unwahr­schein­lich, dass der Umstand der feh­len­den Wähl­bar­keit einer Kan­di­da­tin auf­ge­fal­len wäre bzw. auch hät­te abge­klärt wer­den kön­nen. Es han­del­te sich gera­de nicht um einen offen­sicht­li­chen Feh­ler, der ohne wei­te­re Recher­chen sogleich hät­te erkannt wer­den kön­nen. Offen­sicht­lich war ledig­lich, dass bei zwei Kan­di­da­ten die Geburts­da­ten fehl­ten (vgl. § 8 Abs. 2 BPers­VWO), was für sich genom­men aber auch nach Ablauf der Ein­rei­chungs­frist heil­bar gewe­sen wäre (§ 10 Abs. 5 BPers­VWO). Dass die feh­len­de Wähl­bar­keit einer Kan­di­da­tin dem Wahl­vor­stand erst am Fol­ge­tag auf­ge­fal­len ist und nach Rück­spra­che mit der Per­so­nal­ab­tei­lung abge­klärt wer­den konn­te, war unter den kon­kre­ten Umstän­den eine Ver­wirk­li­chung des Risi­kos der Ein­rei­chung des Wahl­vor­schlags kurz vor Ende der übli­chen Dienst­stun­den. Dass ein ein­zel­nes Mit­glied des Wahl­vor­stan­des durch eine kur­so­ri­sche Ein­schät­zung weder die Prü­fung des Wahl­vor­stan­des vor­weg­neh­men, noch infol­ge der Schaf­fung eines Ver­trau­ens­tat­be­stan­des einen ungül­ti­gen Vor­schlag fak­tisch gül­tig machen kann, liegt auf der Hand.

Aus­drück­lich offen lässt das Ver­wal­tungs­ge­richt indes­sen die Fra­ge, ob ein Wahl­vor­stand recht­mä­ßig han­delt, wenn er einen Wahl­vor­schlag, auf dem nicht sämt­li­che Bewer­ber wähl­bar sind, ins­ge­samt zurück­weist4 oder in die­sem Fall der Wahl­vor­stand die nicht wähl­ba­ren Bewer­ber aus dem Vor­schlag zu strei­chen hat5. Folg­te man der letzt­ge­nann­ten Ansicht, hät­te der Wahl­vor­schlag "K. " nicht als ungül­tig behan­delt wer­den dür­fen, son­dern hät­te nach Strei­chung der nicht wähl­ba­ren Kan­di­da­tin bei der Wahl berück­sich­tigt wer­den müs­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Beschluss vom 26. Okto­ber 2016 – 16 A 2520/​16

  1. VG Frank­furt, Beschl. vom 21.10.2002 – 22 K 2866/​02 17 []
  2. vgl. zu die­ser Mög­lich­keit: BVerwG, Beschluss vom 17.07.1980 – 6 P 4/​80 17 []
  3. vgl. BVerwG, a. a. O. 12 ff. []
  4. so BVerwG, Beschluss vom 27.05.1960 – VII P 13.59, BVerw­GE 10, 344-348 []
  5. so mit durch­aus beacht­li­chen Argu­men­ten: VGH Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 20.04.1993 – PB 15 S 161/​93, juris; offen gelas­sen: Hess. VGH, Beschluss vom 17.06.1993 – TK 175/​9320, dif­fe­ren­zie­rend: VG Mainz, Beschluss vom 19.06.2012 – 2 K 473/​11.MZ []