Pflicht zur Errich­tung einer bio­lo­gi­schen Klein­klär­an­la­ge

Die Pflicht eines Grund­stücks­ei­gen­tü­mers zur Errich­tung einer bio­lo­gi­schen Klein­klär­an­la­ge kann im Ein­zel­fall rech­tens sein, wenn eine zen­tra­le kom­mu­na­le Klär­an­la­ge aus Kos­ten­grün­den nicht errich­tet wird.

Pflicht zur Errich­tung einer bio­lo­gi­schen Klein­klär­an­la­ge

So hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig die Kla­ge eines Grund­stücks­ei­gen­tü­mers abge­wie­sen, der sich gegen die Pflicht zur Errich­tung einer bio­lo­gi­schen Klein­klär­an­la­ge auf sei­nem Grund­stück wand­te.

Das klä­ge­ri­sche Grund­stück in Grim­ma, Orts­la­ge Pöh­sig, ist an die öffent­li­che Ein­rich­tung der Abwas­ser­be­sei­ti­gung des Ver­sor­gungs­ver­ban­des Grim­ma-Geit­hain ange­schlos­sen. Der Ver­sor­gungs­ver­band ent­schied sich im Jahr 2008 für eine dau­er­haft dezen­tra­le Ent­sor­gung der Grund­stü­cke in der Orts­la­ge; von der Errich­tung einer zen­tra­len Klär­an­la­ge wur­de aus Kos­ten­grün­den abge­se­hen. Für die Ein­lei­tung der in der Orts­la­ge gesam­mel­ten Abwäs­ser besitzt der Ver­sor­gungs­ver­band eine was­ser­recht­li­che Erlaub­nis des Land­krei­ses Leip­zig, die die Ein­hal­tung bestimm­ter Höchst­wer­te an Schad­stof­fen ver­langt. Mit dem ange­foch­te­nen Bescheid hat der Ver­sor­gungs­ver­band dem Klä­ger auf­ge­ge­ben, das auf sei­nem Grund­stück anfal­len­de Abwas­ser in einer bio­lo­gi­schen Klein­klär­an­la­ge vor­zu­be­han­deln, die die­se Höchst­wer­te ein­hält.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt beur­teil­te die­sen Bescheid nun als recht­mä­ßig: Der Ver­sor­gungs­ver­band sei in sei­ner Ent­schei­dung, wie er die ihm über­tra­ge­ne Auf­ga­be der Abwas­ser­be­sei­ti­gung tech­nisch erfül­len wol­le, grund­sätz­lich frei. Er kön­ne sich glei­cher­ma­ßen für ein zen­tra­les Sys­tem mit einem öffent­li­chen Klär­werk wie für ein dezen­tra­les Sys­tem ent­schei­den, bei dem dann eine Vor­be­hand­lung des Abwas­sers durch die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer not­wen­dig wer­de. Zu beach­ten habe er dabei aller­dings das Inter­es­se der Abwas­ser­er­zeu­ger an der Begren­zung ihrer finan­zi­el­len Las­ten. Im kon­kre­ten Fall habe eine Kos­ten­ver­gleichs­rech­nung für alle tech­ni­schen Vari­an­ten vor­ge­le­gen, die deut­lich höhe­re Inves­ti­ti­ons- und Betriebs­kos­ten für zen­tra­le Sys­te­me aus­wies, wes­halb an der Ent­schei­dung für eine dezen­tra­le Ent­sor­gung kei­ne Beden­ken bestün­den.

Der Ver­sor­gungs­ver­band sei sodann mit der von ihm betrie­be­nen tech­ni­schen Ein­rich­tung ohne nach­ge­schal­te­te Abwas­ser­be­hand­lung nicht in der Lage, die in der was­ser­recht­li­chen Erlaub­nis vor­ge­se­he­nen Höchst­wer­te ein­zu­hal­ten. Ihre Ein­hal­tung an der Ein­leit­stel­le in das Gewäs­ser kön­ne viel­mehr auf Dau­er nur abge­si­chert wer­den, wenn die­se von jedem ein­zel­nen der ange­schlos­se­nen Grund­stü­cke beach­tet wür­den. Denn der Ver­sor­gungs­ver­band habe es nicht in der Hand zu beein­flus­sen, zu wel­chem Zeit­punkt, von wel­chem Grund­stück und mit wel­chem Ver­schmut­zungs­grad Abwas­ser in den Misch­ka­nal gelan­ge und so etwai­ge Über­schrei­tun­gen der Höchst­wer­te durch ein­zel­ne Ein­lei­ter auf­grund einer Ver­mi­schung aus­ge­gli­chen wür­den. Er müs­se des­halb letzt­lich den Ange­schlos­se­nen Maß­nah­men auf­ge­ben, die die Ein­hal­tung der Höchst­wer­te sicher­ten. Dies sei im kon­kre­ten Fall die gefor­der­te bio­lo­gi­sche Klein­klär­an­la­ge.

Das Urteil hat über den kon­kre­ten Fall hin­aus Aus­wir­kun­gen auf die aktu­el­len Bemü­hun­gen des Ver­sor­gungs­ver­ban­des Grim­ma-Geit­hain, sein Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­kon­zept umzu­set­zen. In einer Rei­he von Orts­la­gen stel­len sich ver­gleich­ba­re Pro­ble­me hin­sicht­lich der Pflich­ten der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer. Aller­dings erge­ben sich aus was­ser­wirt­schaft­li­cher Sicht unter­schied­li­che Anfor­de­run­gen an die Abwas­ser­ein­lei­tun­gen der ein­zel­nen Orts­la­gen, die sich in dif­fe­rie­ren­den Höchst­wer­ten der Schad­stof­fe und damit des not­wen­di­gen tech­ni­schen Niveaus der Klein­klär­an­la­gen nie­der­schla­gen. Des­halb kann das Urteil auch nicht ohne wei­te­res auf alle ande­ren Orts­la­gen des Ver­bands­ge­bie­tes über­tra­gen wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig, Urteil vom 15. Juli 2011 – 1 K 808/​10