Pokern ver­bo­ten

Die ört­li­che Ord­nungs­be­hör­de darf nach einem aktu­el­lem Beschluss des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter einem pri­va­ten Ver­an­stal­ter unter­sa­gen, in einer ört­li­chen Gast­stät­te öffent­li­che Poker­tur­nie­re im Rah­men der sog. Poker-Bun­des­li­ga durch­zu­füh­ren.

Pokern ver­bo­ten

Der Ver­an­stal­ter hat­te der Stadt Rhei­ne Ende 2007 ange­zeigt, er beab­sich­ti­ge, in einer Gast­wirt­schaft in Rhei­ne regel­mä­ßig Poker­tur­nie­re durch­zu­füh­ren. Für die Teil­nah­me an die­sen ört­li­chen Tur­nie­ren, die mit gleich­ar­ti­gen Ver­an­stal­tun­gen an ande­ren Orten im Rah­men der sog. Poker-Bun­des­li­ga ver­bun­den sind und bei denen gespon­ser­te Gewin­ne aus­ge­lobt wer­den, wer­de ein Ein­tritts­geld von 15 Euro als Kos­ten­bei­trag erho­ben. Das Ord­nungs­amt der Stadt Rhei­ne unter­sag­te im Dezem­ber 2007 mit sofor­ti­ger Wir­kung die Durch­füh­rung der Tur­nie­re und droh­te bei einem Ver­stoß die Schlie­ßung der Ver­an­stal­tung an. Nach­dem der Ver­an­stal­ter dar­auf­hin sein Kon­zept änder­te und die Spie­ler statt um das Ein­tritts­geld nur noch um eine Spen­de für eine gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung bit­ten woll­te, wur­den auch die­se sog. Cha­ri­ty-Tur­nie­re unter­sagt.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Münster ent­schied jetzt durch Eil­be­schluss, die gegen die Unter­sa­gung gerich­te­te Kla­ge des Ver­an­stal­ters wer­de vor­aus­sicht­lich kei­nen Erfolg haben. Die­se Poker­tur­nie­re der “Poker-Bun­des­li­ga” sei­en, soweit ein Ent­gelt von den Spie­lern erho­ben wer­de, uner­laub­te öffent­li­che Glücks­spie­le, deren Ver­an­stal­tung nach dem Straf­ge­setz­buch straf­bar sei. Poker in der vor­ge­se­he­nen Form sei ein Glücks­spiel, weil der Spie­ler gegen einen Geld­ein­satz um einen vom Zufall abhän­gi­gen Gewinn spie­le. Die Bezeich­nung des Ent­gelts als Ein­tritts­geld, Start­geld oder sonst wie sei dabei eben­so ohne Bedeu­tung wie der Umstand, dass damit even­tu­ell aus­schließ­lich die Ver­an­stal­tungs­kos­ten gedeckt wür­den. Ohne Bedeu­tung sei auch, dass die für die Gewin­ner aus­ge­lob­ten Prei­se mög­li­cher­wei­se voll­stän­dig von Spon­so­ren zur Ver­fü­gung gestellt wür­den. Auch die geplan­ten “Cha­ri­ty-Tur­nie­re” könn­ten ver­bo­ten wer­den. Sie sei­en nach dem Gesamt­kon­zept der “Poker-Bun­des­li­ga” – mit einem Punk­te­kon­to­sys­tem und gemein­sa­mer Inter­net­prä­sen­ta­ti­on – mit den übri­gen ent­gelt­pflich­ti­gen Poker­tur­nie­ren, etwa dem Final­tur­nier mit der Aus­sicht auf hoch­wer­ti­ge Gewin­ne (Haupt­preis: Neu­wa­gen im Wert von 12.000 Euro), untrenn­bar ver­bun­den. Für eine Teil­nah­me an die­sen ent­gelt­pflich­ti­gen Poker­spie­len wer­de bei jeder Ver­an­stal­tung ein Anreiz geschaf­fen, so dass eine ent­gelt­freie ört­li­che Poker­ver­an­stal­tung zugleich eine Wer­bung für ein uner­laub­tes öffent­li­ches Glücks­spiel dar­stel­le. Die­se Wer­bung sei nach dem Straf­ge­setz­buch eben­falls ver­bo­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 3. April 2008 – 9 L 13/​08 (noch nicht rechts­kräf­tig)